Jugendfußball: Interview mit Christian Marx

Schwierigkeiten der Jugendarbeit: „Playstation statt Sportplatz“

Den Jugendfußball im Blick: Christian Marx ist seit diesem Jahr Kreisjugendwart für den Schwalm-Eder-Kreis. Er sieht den Kreis zumindest bis zur C-Jugend gut aufgestellt. Foto: Kasiewicz

Homberg. Christian Marx ist seit diesem Jahr für den Jugendfußball im Schwalm-Eder-Kreis zuständig. Ein Gespräch über Fifa auf der Playstation, das Norweger Modell und das Zweitspielrecht.

Herr Marx, Sie sind neuer Kreisjugendwart im Schwalm-Eder-Kreis. Wie steht es um den Nachwuchsfußball in der Region? 

Christian Marx: Relativ gut. Vor allem in den jüngeren Jahrgängen bis zur C-Jugend können wir zufrieden sein. Problematisch sind hier im Kreis und in ganz Hessen die A- und B-Junioren.

Inwiefern? 

Marx: Bei der D-Jugend haben wir 27 gemeldete Mannschaften. Bei der E-Jugend sind es sogar 54 Teams. In der A-Jugend stellen wir aber nur noch zwölf Mannschaften auf Kreisebene, dazu noch drei Gruppenligisten. Ab der C-Jugend tritt also die kritische Phase ein. Das Freizeitverhalten der Jugendlichen hat sich geändert, da wird lieber Fifa auf der Playstation gespielt, anstatt Fußball auf dem Sportplatz.

Warum klappt der Übergang von der D- in die C-Jugend nicht immer? 

Marx: In der D-Jugend spielt man auf einem Neunerfeld. Bei der C-Jugend dann mit elf Spielern. Entsprechend groß müssen dann auch die Kader sein. Deswegen gibt es ja schon in der C-Jugend das Norweger Modell (Anm: Die Mannschaft spielt mit neun Spielern, falls der Gegner auch nur neun Spieler zur Verfügung hat). Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.

Könnte das Modell nicht auch auf die B-Jugend ausgeweitet werden? 

Marx: Das wird vermutlich in Zukunft passieren. Das Problem ist dabei die Aufstiegsregelung. In die Gruppenliga kann zum Beispiel keine Neuner-Mannschaft aufsteigen, da wird mit elf Spielern gespielt. In Zukunft wird es auch irgendwann so sein, dass wir in der A- und B-Jugend überregional spielen müssen, also in den Kasseler und Waldecker Raum reingehen. Einfach aus dem Grund, weil wir zu wenige Mannschaften für eine Kreisliga haben.

Worin besteht Ihre Hauptaufgabe als Kreisjugendwart?

Marx: Zu meinen Aufgaben zählt, den Rahmen zu schaffen, damit der Spielbetrieb in allen Klassen gewährleistet wird. Dazu gehört es zu meinen Aufgaben, den Vereinen Werkzeuge an die Hand zu geben, damit die Vereinsarbeit leichter und schneller zu erledigen ist.

Was gibt es da für Möglichkeiten?

Marx: Zum einen die Qualifizierungsoffensive, die wir jetzt starten werden. Da geht es vor allem darum, nicht nur Trainer, sondern auch Vereinsmitarbeiter zu schulen. Dazu wird es von uns eine ganze Reihe von Schulungen für die Vereine geben. Ehrenamtliche Mitarbeiter wie zum Beispiel Jugendtrainer zu finden, ist für die Vereine hier die größte Problematik, neben der Finanzierung des Sports.

Sie sind auch Jugendwart beim FC Homberg. Wie können Sie Ihre Erfahrungen für Ihr zusätzliches Amt nutzen? 

Marx: Die Erfahrung von meiner fast zehnjährigen Tätigkeit als Jugendleiter kann ich auf jeden Fall nutzen. Ich kenne die Probleme der Vereine aus eigener Erfahrung. Was mir noch mehr weiterhilft, ist meine Tätigkeit im Verband, für den ich teilweise als Referent arbeite. Da bekomme ich schon viel mit, auch was Qualifizierungsmaßnahmen angeht.

Inwiefern ist das Abwerben von talentierten Jugendspielern hier im Kreis ein Problem?

Marx: Durch meine Verbandsarbeit weiß ich, dass das im Frankfurter Raum ein weit größeres Problem ist als hier. Die Fluktuation bei unseren Jugendmannschaft ist wesentlich geringer. Was hier öfters vorkommt, ist das Zweitspielrecht.

Was ist das genau?

Marx: Wenn ein Verein zum Beispiel keine A-Jugend stellen kann, können die A-Jugendlichen aus dem Verein für eine andere A-Jugend spielen. Der Spieler bleibt somit dem Verein erhalten, er spielt nur vorübergehend für einen anderen Klub. Das hilft uns schon gewaltig, denn es verhindert auch diese Wechselei. Ein Zweitspielrecht haben bei uns 117 Spielern, das zeigt, dass dieses Konzept funktioniert.

Es gibt keine höherklassigen Vereine im Jugendbereich. Wäre es nicht sinnvoller, die Toptalente aus dem Schwalm-Eder-Kreis in einem Verein zu bündeln? 

Marx: Ab der neuen Saison gibt es die Verbandsliga, die unter der Hessen- aber über der Gruppenliga steht. So eine Liga kostet den Verein aber natürlich auch ein paar Euros. Fahrstrecken, Trainer und Schiedsrichter müssen beispielsweise bezahlt werden. Die Verein hier betreiben ja in erster Linie die Jugendarbeit, um Nachwuchs für die Seniorenmannschaften auszubilden. So eine Bündelung würde hier nicht funktionieren. Viele Talente gehen ja auch eher nach Kassel und vor allem Baunatal.

Christian Marx, 29, ist seit seit diesem Jahr Kreisjugendwart im Schwalm-Eder-Kreis. Seit 2006 ist er zudem Jugendwart bei seinem Heimatverein FC Homberg. Der gebürtige Remsfelder lebt in Homberg und ist Versicherungskaufmann. Marx ist ledig und Fan von Eintracht Frankfurt. (dts)

Von Daniel Schneider

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