Ärger im Osterbach

Plötzlich fehlt er: Sparkasse baut Geldautomaten ohne Ankündigung ab

Helmut Trinter zeigt auf das Plakat, das die Kreissparkasse angebracht hat.
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Ärgert sich, dass die Geldautomaten abgebaut wurden: Helmut Trinter zeigt auf das Plakat, das die Kreissparkasse in Homberg angebracht hat.

Unangekündigt baut die Sparkasse den Automaten im Herkules-Markt in Homberg ab. Helmut Trinter sieht darin „Ausgrenzung älterer Menschen“.

Homberg – Helmut Trinter ist empört. Seit Anfang Dezember gibt es keinen Geldautomaten mehr am Herkules-Markt in Homberg. Quasi über Nacht verschwand der Apparat ohne vorherige Ankündigung.

Die Kreissparkasse Schwalm-Eder baute das Gerät ab und weist lediglich mit einem Plakat darauf hin, dass Kunden in der Zentrale an der Kasseler Straße ihren Bankgeschäften nachgehen könnten. Trinter spricht für viele Senioren aus dem Osterbach und dem Hochland, die tief enttäuscht sind.

Empörung in Homberg: Gerade für Ältere sei der Wegfall des Automaten sehr bedauerlich

Viele Menschen hätten Anfang Dezember verdutzt vor der Stelle, an der sich einst der Automat befand, gestanden. Trinter empfindet das als Unverschämtheit. Gerade für Ältere aus dem Umfeld im Osterbach sei dies sehr bedauerlich, sagt Trinter, der zwar nicht auf den Automaten angewiesen ist, aber an seine Nachbarschaft denkt: Der Automat sei für viele leicht zugänglich gewesen.

Jahrelang kamen die Rentner, holten sich dort ihr Geld und machten Überweisungen. Dann kauften sie im Markt ein oder trafen sich im Café. Gerade für Rollatorbenutzer oder Rollstuhlfahrer sei dies eine gute Alternative gewesen, weil der große Parkplatz direkt vor der Tür ist, sagt Trinter.

Sparkasse im Herkules-Markt: Ende des Automaten sei „Ausgrenzung älterer Menschen“

Der ehemalige Konrektor empfindet den Abbau des Geldautomaten als Ausgrenzung älteren Menschen gegenüber. Gerade sie benötigten kurze Wege, weil sie oft eingeschränkt seien. Die Filiale der Sparkasse im Herkules-Markt wurde schon vor etwa zehn Jahren geschlossen, immerhin blieb ein Automat – bis jetzt.

„Die Banken wollen doch nur sparen“, sagt Trinter. Dabei findet er, müsse auch an die gedacht werden, die nicht mehr so fit sind, um zur Zentrale in der Innenstadt zu gelangen. Viele der Älteren würden zudem kein Onlinebanking nutzen. Einige beherrschten den Umgang mit dem Computer nicht, hätten keine Geräte dafür und viele zweifelten an der Sicherheit.

Ohne Automaten der Sparkasse: Geld gibt es mittlerweile auch an der Supermarktkasse in Homberg

„Sollen sich jetzt die alten Leute aus dem Osterbach, die gehbehindert sind, jedes Mal ein Taxi holen, wenn sie zur Bank wollen?“, fragt Trinter. Einen Geldautomaten zu betreiben, könne doch nicht so teuer sein. „Wenn ich dann den Prachtbau in der Stadt sehe, frage ich mich, ob man da nicht hätte sparen können.“ In großen Lettern steht „Was soll das? Warum?“ auf dem Plakat, das die Kreissparkasse angebracht hat. Am Tag des HNA-Besuchs wird alles abgebaut, die Trennwände demontiert. „Die Kasse geht hier ganz weg“, sagt ein Bauarbeiter.

Madeleine Bähr von der angrenzenden Bäckerei erzählt, dass sie oft von Kunden darauf angesprochen wird. Auch Herkules-Marktleiter Samuel Schwabe wurde davon überrascht. Inzwischen landen viele Kundenbeschwerden bei ihm. Ob sich der Abbau des Automaten an seinem Umsatz bemerkbar macht, könne er noch nicht beurteilen. Um den Verlust für die Menschen etwas auszugleichen wolle er darauf aufmerksam machen, dass man im Herkules-Markt seit Kurzem beim Einkauf nun auch Geld abheben kann. Dieser Service sei nicht an einen bestimmten Betrag gebunden. Schwabe hofft, die Situation so etwas entspannen zu können.

Kreissparkasse baut Geldautomat ab: Nicht wirtschaftlich genug

„Wir überprüfen regelmäßig unsere Geschäftsstellen hinsichtlich betriebswirtschaftlicher Indikatoren und Nutzungszahlen“, sagt Christoph Dressler von der Kreissparkasse Schwalm-Eder.

Die Kundenfrequenz und das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Automaten stünden im Osterbach in keiner Relation zueinander.

Sie waren nur während der Geschäftszeiten des Edeka-Marktes zugänglich. Damit sei kein Betrieb rund um die Uhr möglich und schränke die Wirtschaftlichkeit des Standortes zusätzlich ein. Auch verweist Dressler auf die Möglichkeit, sich im Edeka-Markt Bargeld an der Kasse auszahlen zu lassen.

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Kreissparkasse: Nutzung der Geldautomaten um 30 Prozent gesunken

Die KSK bündelt deshalb ihr Angebot und konzentriert sich in Homberg auf den Standort an der Drehscheibe. Kunden verzichteten immer häufiger auf Geldabhebungen – auch bedingt durch die Coronapandemie. 2020 sei die Nutzung der Geldautomaten um 30 Prozent gesunken. Das kontaktlose Zahlen via Smartphone und EC-Karte erfreue sich zunehmender Beliebtheit. Daher orientiere sich die KSK an dem Nutzungsverhalten ihrer Kunden. Neben dem Onlinebanking biete die KSK nun die Überweisung per Telefonbanking an. Das könne bequem und einfach von zu Hause erledigt werden.

Ebenso gebe es in der Geschäftsstelle an der Drehscheibe Freiumschläge, um Überweisungsaufträge per Post an die KSK zu senden. Wer den Service vor Ort in Anspruch nimmt, dem böten sich an der Drehscheibe ausreichend Parkmöglichkeiten sowie ein barrierefreier Zugang zum Beratungscenter. (Christine Thiery)

Andere Probleme mit Geldautomaten gibt es in Guxhagen, wo kürzlich ein Automat der Sparkasse gesprengt wurde. In dem Gebäude befinden sich auch Wohnräume.

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