Widerstand gegen geplante Stromtrasse Südlink: Der Protest macht viel Arbeit

Ein gemeinsames Ziel: Ingmar Theiß und Bernd Herbold setzen sich dafür ein, die Stromtrasse Südlink zu verhindern. Foto: Yüce

Fritzlar-Homberg. Der Widerstand gegen die geplante Stromtrasse Südlink wächst weiter. Ingmar Theiß aus Fritzlar und Bernd Herbold aus Homberg sind die Vorsitzenden der beiden größten Bürgerinitiativen im Landkreis. Wir haben über ihr Engagement mit ihnen gesprochen.

Der eine ist Stadtverordneter der SPD, der andere bei der CDU. Der eine war bereits 1968 protestierend auf der Straße, der andere hat noch nie demonstriert. Der eine ist 64 Jahre, war Lehrer, ist jetzt Rentner und lebt in Homberg, der andere ist 36 Jahre, Anwalt und wohnt in Fritzlar. Es gibt viele Dinge, die Ingmar Theiß und Bernd Herbold unterscheiden, doch eine Sache eint sie: Der Protest gegen die Stromtrasse Südlink. Ihr Ziel: Die Trasse verhindern. Und wenn es dafür tatsächlich keine Alternative geben sollte, dann fordern sie die Erdverkabelung.

„Wir haben anfangs gegen Windmühlen gekämpft, dabei geht das Thema alle etwas an“, sagt Ingmar Theiß. „Aber es gab ein starkes Desinteresse. Das hat sich geändert.“

Seit sechs Monaten beschäftigen sich Theiß und Herbold mit dem Widerstand gegen die Monstertrasse, wie sie sie nennen. „Täglich bis zu drei Stunden“, sagt Bernd Herbold. Seine einstige Schultasche sei jetzt eine Widerstandstasche, erklärt er und klopft auf seinen Aktenkoffer.

Froh über Unterstützung

Er fahre die 15 Verteilstellen ab und sammele Unterschriften ein, beantworte Mails und Telefonate mit Fragen zu Südlink und lese viel über das Thema. Es sei verrückt, wie viele Informationen auf einen einstürzen, sagt Theiß. „Eine Halbtagsstelle ist es schon“, sagt er und Theiß nickt ihm zu. „Wir beantworten alle Anfragen.“ Alleine könnten sie all das nicht schaffen, sagen sie und sind froh über die Unterstützung, die sie bekommen.

Etwa bei der Pflege der Internetseite, beim Auswerten von Informationen und vielen Dingen mehr. So wurde jetzt neues Infomaterial gedruckt, Kugelschreiber, Aufkleber und Buttons gekauft. „Die Kosten dafür haben Privatleute übernommen“, erklärt Theiß. Deshalb will Ingmar Theiß eigentlich auch gar nicht lange über sich sprechen. „Hinter uns stehen feste Teams, hier geht es nicht um persönliche Profilierung, sondern um unsere Region“, sagt Theiß.

Für ihn sei es selbstverständlich, dass er sich gegen Südlink stark macht. „Ich komme aus dem Ruhrgebiet und kenne riesige Strommasten. Was hier geplant wird, ist beispiellos“, sagt Theiß. Und das sei vielen Menschen noch immer nicht klar. „Unsere Augen kennen bis zu 30 Meter hohe Masten, es sollen bis zu 75 Meter hohe aufgebaut werden“, erklärt er. Das wäre der Supergau für die Region. Genau das sei der Grund dafür, dass er sich gegen Südlink wehre. „Das können wir uns nicht gefallen lassen, deshalb haben wir die Bürgerinitiative gegründet.“

Derzeit sprechen sie auch andere Städte und Gemeinden an, die noch nicht aktiv gegen Südlink sind. „Um Geschlossenheit im Protest zu zeigen.“ Zudem erhoffen sie sich noch mehr Unterstützung von den heimischen Bundespolitikern und vom Land Hessen. „Die Bundesfachplanung darf nicht beginnen“, sagen beide.

Die Grundstruktur der Betreiberfirma Tennet sei es, die Bürger in Unwissenheit zu lassen, das ärgere sie. Der Dialog mit Tennet sei gescheitert, sagt Theiß. Der sogenannte Bürgerdialog sei jedenfalls Fassade. „Sie geben keine ehrlichen Antworten“, sagt Theiß. Das enttäusche ihn.

Eigentlich hatte er sich vorgenommen sachlich zu arbeiten. „Ich bin eher ein Schreibtischtäter.“ Doch das habe sich geändert: Vor einigen Wochen habe er zum ersten mal demonstriert - in Fritzlar, gegen Südlink. Und Herbold betont, dass es wichtig sei, dass viel mehr Menschen kritisch das Wort ergreifen, „wenn von Berlin aus über unsere Köpfe hinweg entschieden wird.“ Damit ihr Protest gehört wird, wollen sie sich mit anderen Bürgerinitiativen verbinden. „Es gibt welche, die waren schon aktiv, als wir noch im Dornröschenschlaf waren.“

• Ein Bürgerforum veranstalten die Bürgerinitiativen am 28. November ab 19 Uhr in der Homberger Stadthalle.

Von Maja Yüce

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