Prozessauftakt Martin Wagner: "Werde in den Dreck gezogen"

Hombergs früherer Bürgermeister Martin Wagner muss sich vor dem Landgericht in Kassel wegen Untreue verantworten.

Homberg/Kassel. Hat der frühere Homberger Bürgermeister Martin Wagner Fördermittel des Landes zweckwidrig verwendet? Vor dem Kasseler Landgericht begann am Mittwoch der Prozess gegen ihn.

Wer am Mittwochmorgen im Sitzungssaal E 218 des Kasseler Landgerichts saß, der erfuhr einiges aus dem Leben von Martin Wagner. Der 48-jährige ehemalige Bürgermeister der Kreisstadt, dem Untreue zu Lasten der Stadt Homberg vorgeworfen wird, wurde vom Vorsitzenden Richter Albrecht Simon eingehend zu seiner Person befragt - und gab ausführlich Antwort. Zuvor hatte sein Anwalt Christian Krug von Einem (Mühlhausen/Thüringen) für seinen Mandanten eine Erklärung verlesen, in der Wagner deutlich machte, warum er überhaupt 2002 Bürgermeister geworden sei und was er in den zwölf Jahren von 2002 bis 2014 geleistet habe für seine Geburts- und Heimatstadt Homberg.

Der Hessentag 2008, „einer der besten in der Hessentagsgeschichte“, so hieß es, stand dabei im Mittelpunkt: Dafür habe man der Stadt damals zusätzliche Förderung versprochen für die Stadtentwicklung. Danach habe er den positiven Trend verstärken wollen. „Die Frage war: Wie das Gute verstetigen? Die Antwort: sich um weitere Fördermittel bewerben.“

Daraus resultierte, so drückte es Wagner aus, eine Vielzahl von Überlegungen, was es an Förderprogramme gibt, was geht, was nicht; wie Anträge laufen, welche Richtlinien gelten, wann was bewilligt und auch gezahlt werde.

Zweiter Schwerpunkt: das Stadtmarketing. Wagner betonte, er habe das immer verstanden als „Bündelung aller Kräfte, die am positiven Bild der Stadt arbeiten“. Er habe immer ein überregionales, nicht provinzielles Denken und Handeln befürwortet. So sei sein Handeln bis heute einzuordnen.

Wagner warf dem Oberlandesgericht, das das Hauptverfahren gegen ihn zugelassen hat, eine Unkenntnis der hessischen Förderrichtlinien vor. Man versuche jetzt, einen komplizierten Sachverhalt in ein strafrechtliches Verfahren zu zwingen.

Für ihn fatal: Was hängenbleibe bei den Menschen, seien doch die Vorwürfe „Untreue und Betrug“. Ein unbescholtener Mann und seine Familie würden seit Jahren in den Dreck gezogen, auch durch die mediale Berichterstattung.

Wagner, der inzwischen in einem örtlichen Unternehmen arbeitet und daran auch Anteile erworben hat, betonte auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters, dass er aus rein familiären Gründen auf eine erneute Kandidatur verzichtet habe. Die Entscheidung für eine zwölfjährige Amtszeit sei schon lange zuvor gefallen.

Bedauern würde er nur, dass er nach den ersten Vorwürfen auf Rat seines damaligen Anwalts keine Interviews gegeben habe. „Das war falsch, man muss immer dagegenhalten“, sagte er. Er habe immer regelkonform gehandelt und fühle sich nicht schuldig.

Der Prozess wird am Dienstag, 1. Dezember, 10 Uhr, im Saal E 218, Landgericht Kassel, fortgesetzt. Dann sollen die ersten Zeugen gehört werden.

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