Bundesweites Digitalprojekt

Raus aus der Großstadt: Summer of Pioneers startet in Homberg

Blick über Homberg aus der Vogelperspektive.
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Bietet jetzt ein Zuhause auf Zeit: 20 kreative Köpfe leben und arbeiten ab Mai ein halbes Jahr in Homberg.

Der Homberger Marktplatz wird von nun an für sechs Monate zu einem Campus für Großstädter, die Lust aufs Leben auf dem Land haben. Im Gepäck haben sie Ideen und Wissen, um neue Konzepte für die Stadt zu entwickeln – der Summer of Pioneers (Sommer der Pioniere) startet.

Auf jede Menge Ideen setzt Bürgermeister Dr. Nico Ritz: „Das Projekt muss als Teil der Stadtentwicklung begriffen werden.“ Die Digitalisierung sei eine große Chance für den ländlichen Raum. „Wir können das ganz praktisch ausprobieren und davon profitieren.“ Die Pandemie ist dabei wohl Fluch und Segen zugleich. Während sie digitales Arbeiten an Orten ermöglicht, an die vorher niemand dachte, bedeutete es für die Macher vor allem: umplanen.

Denn außer der Grundidee, Großstädtern das Leben auf dem Land schmackhaft zu machen und gleichzeitig von ihrem Wissen zu profitieren, ist nicht viel geblieben. „Wir mussten ganz viel neu planen und sind sehr glücklich, dass es endlich losgehen kann“, sagt Projektleiter Jonathan Linker. Hygienekonzepte und Arbeitsstätten mussten an die Regeln angepasst werden, die die Pandemie vorgibt, viele Wohnungen neu gesucht werden. „Es musste viel aktiviert und renoviert werden“, sagt Ritz. Vor allem der planerische Aufwand sei nicht zu unterschätzen. „Alles, was wir gemacht haben, soll nachhaltig sein und in sechs Monaten weiter genutzt werden können.“

Elf Wohnungen gibt es nun rund um den Marktplatz, sie seien für WGs sowie Paare nutzbar – mit dabei sind drei Familien mit Kindern, berichtet Linker. Belebt werden die Wohnungen von 20 Frauen und Männern aus den urbanen Zentren Deutschlands. Sie stammen unter anderem aus Jena, Berlin, Hamburg, Darmstadt und Bonn. Mehr als 100 Bewerbungen sind eingegangen. „Das ist super“, freut sich Linker. Sechs der Pioniere gehörten zu denen, die sich im vergangenen Jahr am Homberger Summer of Pioneers beteiligen wollten. Sie alle müssen Homberg nun erst einmal kennenlernen. „Die Ideen sprudeln aber schon“, verrät Linker.

Summer of Pioneers in Homberg: Premiere für Teilnehmer und Stadt

Es ist für alle eine Premiere – für die Großstädter und vor allem für Homberg selbst. Mit den 20 Pionieren, die morgen erwartet werden, will die Stadt das Thema Digitalisierung und Stadtentwicklung anpacken. Besonders Ersteres sieht Bürgermeister Dr. Nico Ritz als größte Chance für den ländlichen Raum. Der Charme für die Pioniere? „Sie können der Enge der Großstadt entfliehen“, sagt Ritz. Der Bürgermeister und Projektleiter Jonathan Linker über Herausforderungen, Veränderungen und die Teilnehmer.

Die ältesten und jüngsten Teilnehmer: Wer glaubt, dass beim Summer of Pioneers nur junge Menschen durch die Straßen Hombergs ziehen, der täuscht sich. Ein 61-Jähriger aus der Nähe von Hannover ist laut Jonathan Linker der Stubenälteste. Das Küken der Gruppe hingegen eine 30-Jährige aus Berlin.

Die weiteste Anreise: „Die haben sicher die Teilnehmer aus Berlin“, sagt Linker. Je nach Route liegt die Entfernung zwischen der Bundeshauptstadt und der Kreisstadt des Schwalm-Eder-Kreises zwischen 410 und 447 Kilometern.

Die größte Stadt, aus der ein Pionier stammt: Die Pioniere ziehen aus Städten wie Hamburg, Bonn, Frankfurt, Jena und Darmstadt nach Homberg. Die meisten Teilnehmer kommen aber aus Berlin, so Linker. Dort leben mehr als 3,5 Millionen Menschen. In Homberg sind es etwas mehr als 14 000.

Der außergewöhnlichste Job: Die Wahl fällt Projektleiter Linker nicht leicht. „Wir haben Leute ausgesucht, die Homberg weiterbringen können.“ Unter den Teilnehmern finden sich viele Menschen aus der Medienszene. Besonders interessant ist der Job einer Jenaerin. Sie ist Teil der LeerGut-Agenten, einem Thüringer Netzwerk zur Belebung von Leerstand. Darüber hinaus seien einige dabei, die an der Gründung von Coworking-Spaces, einer Art Gemeinschaftsarbeitsräumen, beteiligt waren. „Damit können sie Konzepte für Homberg entwickeln“, so Linker.

Die interessanteste Bewerbung kam aus Jena, findet Linker. In den neuen Bundesländern gebe es ähnliche Probleme, die es auch hier auf dem Land gibt. Dort wurden bereits junge Initiativen gegründet, deren Ziel die Belebung von Leerstand sei. Umso erfreulicher sei es, dass nun jemand mit diesem Wissen nach Homberg komme.

Die größte Herausforderung: „Für eine kleine Stadt wie unsere ist das ganze Projekt eine Herausforderung“, sagt Ritz. Ohne Wohnungsbaugesellschaften und Ähnliches habe die Stadt vieles auf die Beine stellen müssen. Vor allem das Bereitstellen von Wohnraum habe einen großen organisatorischen Aufwand bedeutet. „Denn wir wollten einen dauerhaften Nutzen daraus ziehen“, sagt Ritz. Das bedeutet: Alles, was die Stadt für die Pioniere jetzt anpackt, soll auch nach deren Abzug weiterhin für die Homberger nutzbar bleiben. So arbeitet die Stadt bei der Möblierung der Wohnungen unter anderem mit dem Möbel-Einladen zusammen.

Die größte Veränderung: „Ich mag die Atmosphäre auf dem Wochenmarkt, wenn man sieht, wie magisch dieser Ort ist“, sagt Linker. Genutzt werde er jedoch nur selten. „Da wird sich etwas tun“, ist er überzeugt. In leerstehenden Büroeinheiten seien zudem Satellitenbüros entstanden, in denen die Pioniere arbeiten werden. Sowohl Linker als auch Ritz wünschen sich Offenheit der Homberger. „Wir können etwas aus dem Projekt entwickeln“, sagt Ritz. „Ich wünsche mir, dass wir uns darauf einlassen.“ (Chantal Müller)

Unter homberg-pioneers.de/pioniere/ stellen sich die Pioniere vor

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