Schlechte Ernte erwartet

Zu wenig Regen: Die lange Trockenheit geht den Bauern an die Existenz

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Mit der Ernte beschäftigt: Nadine Krug auf dem Mähdrescher, mit dem sie zur Zeit die Gerste drescht.

Schwalm-Eder. Es war zu warm und zu trocken: Der Regionalbauernverband Kurhessen stellt sich auf eine schlechte Ernte ein.

„Die Trockenheit wird die Ernte erheblich schmälern“, sagt Stefan Strube, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Teilweise müssten mit Einbußen im zweistelligen Prozentbereich gerechnet werden.

Durch den warmen und trockenen Frühling beginne die Ernte etwas früher als in den Vorjahren, seit etwa einer Woche fahren Landwirte auf die Felder, um die Wintergerste zu dreschen. Auf Regen und damit länger mit der Ernte zu warten, sei keine Lösung. Im Gegenteil: „Die Reife ist abgeschlossen. Regen hat keinen Einfluss mehr auf die Pflanzen. Der könnte nur kontraproduktiv für die Ernte sein“, sagt Strube. Genaue Zahlen könne er zwar noch nicht nennen, dafür sei es noch zu früh in der Erntesaison. „Aber die Ernte wird erheblich geringer sein, als im Vorjahr“, so der Experte.

Auch an Grünfutter für Rinder und Milchvieh würde es erheblich mangeln. Durchschnittlich werde Grünland drei bis vier Mal im Jahr geschnitten, erzählt Strube. „Nach dem ersten Schnitt fehlt jetzt das Gras. Das wächst wegen der Trockenheit nicht mehr.“ Das führe dazu, dass Milchviehhalter Probleme bekämen, Grundfutter für ihre Tiere zu beschaffen. Ein Lichtblick gibt es allerdings: „Wenn es jetzt regnet, wird auch noch etwas wachsen“, sagt Strube. Darüber hinaus würden Landwirte Futter aus anderen Regionen ankaufen. Mais und Zuckerrüben können die Trockenheit besser kompensieren, Ernteausfälle seien deshalb „nicht so gravierend", ist der Experte sicher. Durch eine spätere Ernte sei die Chance auf etwas Regen für die Pflanzen noch vorhanden. Dennoch: Regionen mit schlechteren Ackerböden leiden besonders. „Andere können noch eine akzeptable Ernte abwerfen“, sagt Strube. 

Finanzieller Verlust ist hoch

Der Staub wirbelt nur so durch die Luft, wenn Nadine Krug aus Mardorf mit ihrem Mähdrescher unterwegs ist. Die 28-jährige Landwirtin drischt die Gerste auf ihren Feldern – und auch ihr macht die Trockenheit zu schaffen. „Die Früchte sind vertrocknet“, erzählt sie. Bei der Gerste rechnet Krug mit Einbußen zwischen 20 und 25 Prozent. Beim Raps sogar noch mit viel mehr.

Nadine Krug bewirtschaftet mit ihren Eltern 180 Hektar rund um Homberg, baut dort unter anderem Weizen, Gerste, Raps und Mais an. Mit der Ernte haben die Krugs nun früher begonnen als in den Jahren zuvor. Auch den Weizen werden sie früher ernten müssen als gewöhnlich, sagt Krug. „Auf schwachen Standorten fangen wir vielleicht schon nächste Woche an.“

Nadine Krug, Landwirtin aus Mardorf/Homberg, rechnet mit Ernteeinbußen.

Der Grund: Der Herbst war zu nass und der Frühling zu trocken. Besonders der Mai war zu heiß für die kleinen Pflänzchen. Durch die Trockenheit seien viele Pflanzen notreif geworden, so die Landwirtin. „Wenn es zu trocken ist, leidet die Pflanze und bekommt Stress. Dann wird sie schneller reif und stirbt ab“, erklärt die 28-Jährige. Doch nicht nur die Trockenheit sei ein Problem. „Der Herbst war so feucht, dass er zu Strukturschäden im Boden geführt hat.“ So hätten die Wurzeln der Pflanzen nicht tief genug in die Erde einwachsen und Wasserreserven bilden können.

Für Nadine Krug bedeutet das alles Ernteeinbußen. Bei der Gerste kann sie schon jetzt fehlende Erträge von 20 bis 25 Prozent absehen, beim Raps geht sie von etwa 30 Prozent aus. An schwachen Standorten müsse man durch Schädlingsbefall im Frühjahr sogar Einbußen von bis zu 50 Prozent beklagen, glaubt sie.

Natürlich könne man das Wetter nicht beeinflussen. Dennoch sei es für Landwirte schwierig, unter diesen Bedingungen zu überleben. „Auch wenn es immer heißt, dass man es Landwirten nicht recht machen kann: Da gibt man sich Mühe, betreibt viel Aufwand und dann kommt nicht viel zurück“, sagt Krug.

Der finanzielle Verlust sei hoch. Ihre Familie versuche das über den Verkauf von Schweinen zu kompensieren. „Aber die Preise für Schweine sind momentan auch viel zu niedrig.“ Da werde es schwierig, zu überleben. Lösungen für Extremwetterlagen lassen sich nicht von heute auf morgen umsetzen. „Man muss sich Gedanken machen“, so die 28-Jährige. Möglichkeiten sieht sie darin, resistentere Pflanzen zu wählen und die Fruchtfolge zu überdenken.

Regen jedenfalls wäre jetzt – von Zuckerrüben und Mais einmal abgesehen – kontraproduktiv für die Ernte. Die Pflanzen sind reif, die Körner fertig ausgebildet – auch wenn sie deutlich kleiner und die Anzahl geringer ist. Aber selbst wenn es jetzt regnen würde, wäre das keine Hilfe. Im Gegenteil: Bei heftigen Niederschlägen könnten Landwirte nicht mehr auf die Felder und ernten.

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