Praxis in Wernswig

Reha für Vierbeiner: Physiotherapeutin behandelt Hunde

Gesunde Haltung: Physiotherapeutin Anke Tauscher (links) in ihrer Praxis in Wernswig. Kollegin und Hundebesitzerin Meike Burghardt mit ihrer Hündin Amy.

Wernswig. Bei Bandscheibenvorfällen, Arthrose oder nach Operationen zieht es nicht nur Menschen zu Anke Tauscher.

Die Physiotherapeutin hat eine Weiterbildung zur Hund-Physiotherapeutin gemacht und kümmert sich jetzt in der Praxis in Wernswig auch um Hunde mit Handi-cap.

Einen eigenen Praxisraum hat sie dafür eingerichtet. Dort gibt es ein Laufband, Physiobälle und Liegen - fast wirkt es wie in einer Praxis für Menschen. Aber eben nur fast. So wäre zum Beispiel das Laufband für einen Menschen zu klein, und beim Miniatur-Hürdenlauf würden Menschen wohl ins Straucheln kommen.

Ein Jahr hat die Ausbildung gedauert, berichtet Anke Tauscher. Ihre Leidenschaft für die vierbeinigen Patienten hat ihre Hündin Sunny bei ihr geweckt. „Ich habe gemerkt, dass bei Sunny auch die Techniken wirken, die ich bei Menschen anwende“, sagt sie. Und schon war das Interesse der Fachfrau am Bewegungsapparat der Hunde geweckt.

Hunde-Training: Anke Tauscher mit ihrer Zwergpudelhündin Sunny. Fotos: Yüce

Die Schwierigkeit beim Umgang mit den tierischen Patienten: Sie können nicht schildern, wo es zwickt. „Deshalb ist ein ausführlicher Befund wichtig für die Analyse“, sagt Tauscher. Und sie müsse schnell das Vertrauen der Hunde gewinnen. Auch spiele das Motivieren der Patienten mit der kalten Schnauze und ihrer Besitzer eine entscheidende Rolle. Auch der Mensch sei bei der Reha für die Vierbeiner gefragt. „Hunde sind fester Bestandteil der Familien. Bei ihrer Therapie müssen die Besitzer mitmachen.“ Diese müssten nach den Therapiestunden die Übungen mit ihrem Vierbeiner fortsetzen, so die 47-Jährige, die in Melsungen lebt. Das sei eine Regel, die auch für die Menschen gelte, die sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Meike Burkhardt in einer weiteren Praxis im Haus behandele.

Es sei eine sehr kreative Arbeit, sagt Tauscher. Habe sie aber erstmal herausgefunden, wo das Problem liege, schlage die Behandlung bei den Hunden schneller an als bei den Zweibeinern. „Hunde spüren, dass es ihnen etwas besser geht und reagieren prompt darauf. Sie denken nicht viel nach und antworten direkt.“ Währenddessen spiele bei Menschen die Psyche eine große Rolle.

Gerne erinnert sie sich an einen ihrer ersten Fälle: Ein Hund, der vor ein Auto gelaufen war. Seine Hinterläufe waren gelähmt. „Jetzt läuft er wieder. Noch keine weiten Strecken und etwas schlacksig, aber er läuft“, sagt Anke Tauscher. Solche Erfolgsgeschichten berührten sie sehr. „Das geht ans Herz.“ Hunde, die sich plötzlich anders verhalten, merkwürdig laufen oder lahmen, stiller werden, das Fressen verweigern, könnten Probleme mit dem Bewegungsapparat haben. „Das sollte aber ein Tierarzt herausfinden“, rät Tauscher, die eng mit Medizinern kooperieren will. Letztlich gebe es viele Ursachen für eine Verhaltensänderung.

So unterschiedlich ihre Patienten auch sind, Anke Tauscher macht die Arbeit mit Zwei- und Vierbeinern Spaß.

Von Maja Yüce

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