Serie: Gespräche am Gartenzaun

Relbehausen: Ein kleines Dorf mit Zukunft

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Waschechte Relbehäuser: Henning Falk (von links), Justus Falk, Konrad Hess, Stefan Freund und Sohn Lias leben seit ihrer Kindheit im Ort, Jenny Freund zog aus Homberg in den Stadtteil.

Fachwerk, wohin das Auge reicht, an jeder Ecke ein Hof, umringt von jeder Menge Grün und vor allem Ruhe. Relbehausen wirkt wie die pure Idylle. Wir waren für unsere Gespräche am Gartenzaun dort.

Wenn wieder ein Relbehäuser Geburtstag hat, dann kann es passieren, dass er von einem Ständchen geweckt wird – gesungen von Konrad Hess, der beim Zeitungenaustragen Pause macht. Der 80-jährige ist die gute Seele des Dorfes, das am Rande des Knülls liegt. Er kennt jeden, und jeder kennt ihn. Das ist nicht verwunderlich in einem Ort, der nur 65 Einwohner hat. In den vergangenen zwei Jahren kamen etwa 20 dazu – darunter viele junge Menschen. Eines haben sie gemeinsam: Sie leben gerne in ihrem kleinen Ort.

Konrad Hess ist beim Rundgang kaum zu bremsen. Zu jedem Haus, jedem Hof weiß er eine Anekdote zu erzählen, am liebsten würde er jeden einzelnen Relbehäuser vorstellen. Er erzählt von der einzigen Firma im Ort, die Fahrzeugtechnik herstellt, berichtet von der Gärtnerei der Familie Falk und deutet auf eine Scheune, in der es einen Tanzsaal mit Bühne gibt. Auch am Spielplatz und der einzigen Bushaltestelle im Dorf geht es vorbei.

Atemberaubender Ausblick: Karsten Vogel und Stefanie Wittich wohnen im alten Bahnwärterhäuschen oberhalb von Relbehausen. Von dort aus schaute Konrad Hess (rechts) an Silvester oft dem Feuerwerk in der Stadt zu.

Es gibt zwar keine Feuerwehr mehr in Relbehausen, dafür aber einen Feuerwehrverein und einen Skatclub. Einmal im Monat wird ein Dorfabend auf der Wiese an der Efze veranstaltet. „Da tauschen wir Neuigkeiten aus“, sagt Hess.

Es ist ruhig in Relbehausen, die Menschen fühlen sich aber trotzdem oder gerade deshalb wohl. Sie wollen zeigen, wie gut es sich in ihrem Ort lebt. „Ich möchte nirgendwo anders wohnen“, sagt Stefan Freund. Er ist ein waschechter Relbehäuser. Genau wie Henning Falk und dessen vierjähriger Sohn Justus, der als kleiner Indianer verkleidet um die Ecke biegt und mit Pfeil und Bogen hantiert. „Wir haben eine tolle Umgebung für Kinder“, sagt Falk. Es ist nicht viel Verkehr, überall grünt und blüht es.

Gehören zu den Alteingesessenen: Christa Ley lebt seit ihrer Kindheit im Ort, Ehemann Dieter kam 1972 dazu.

Die Umgebung ist ein echter Vorteil: Der Ort liegt direkt an der Bundesstraße, die kaum zu hören ist. Die Wege nach Homberg und Remsfeld sind kurz, auf der Autobahn ist man in ein paar Minuten. „Wir haben auf dem Land viele Freiheiten und wollen nicht weg hier“, sagt Christa Ley. Sie ist in dem Dorf aufgewachsen, Ehemann Dieter lebt seit 1972 dort. Er ist hier heimisch geworden. Lediglich eine Kneipe fehlt ihm. „Einen Wirt könnten wir aber nicht ernähren“, erzählt er und lacht.

Oberhalb des Dorfes leben Stefanie Wittich und Karsten Vogel. Sie sind in das alte Bahnwärterhäuschen gezogen, das früher dem Großvater der 32-Jährigen gehörte. „Es ist abgelegen. Aber nicht einsam“, sagt Vogel. Zu den vielen Neuzugängen zählen auch Anna Spillner und Sebastian Vieth. Sie stammen aus Berlin und Bielefeld, derzeit sanieren sie ein Fachwerkhaus. Fünf Jahre hätten sie gesucht, berichtet Anna Spillner. Als sie das Haus im Homberger Stadtteil gesehen haben, hätten sie gewusst: „Das ist es.“ Relbehausen hat Zukunft – da sind sich alle einig.

Sanieren ein Fachwerkhaus:Sebastian Vieth und Anna Spillner

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