Platz für 66 Schüler

Rettungsdienstschule in Homberg: Simulationsraum ist einzigartig

Geschäftsführer des Rettungsdienstes, Marco Hille (von links), steht mit Madeleine Lester und Florian Weber vor einem Bildschirm. Im Vordergrund ist ein Skelett zu sehen
+
In Homberg eröffnete gestern eine DRK-Rettungsdienstschule. Geschäftsführer des Rettungsdienstes, Marco Hille (von links), übernimmt die Projektleitung, Madeleine Lester die Schulleitung und Florian Weber ist Dozent sowie stellvertretender Schulleiter.

Der DRK-Kreisverband des Schwalm-Eder-Kreises hat seine erste Rettungsdienstschule in Homberg eröffnet. Das Angebot ist hessenweit einzigartig.

Bereits am Montag beginnt der erste Ausbildungskurs zum Rettungssanitäter. Diesen nehmen Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) im Rettungsdienst sowie ehrenamtliche Mitglieder des Katastrophenschutzes wahr. Die ersten Auszubildenden zum Notfallsanitäter beginnen am 1.September.

In den vergangenen Jahren mussten die Auszubildenden an die Rettungsdienstschulen in Kassel und Hessisch Lichtenau entsandt werden, erklärt Marco Hille, Rettungsdienstleiter des DRK Schwalm-Eder und Projektleiter der Schule, im HNA-Gespräch.

Homberg habe sich als Ort angeboten, da alle größeren DRK-Standorte im Kreis rund 20 Kilometer entfernt seien. In der Drehscheibe, dem neuen Einkaufszentrum an der Kasseler Straße, befindet sich die Schule mit zwei Klassenräumen und einem fachpraktischen Raum in den Büroräumen über dem Foodcourt. Der Mietvertrag läuft über zehn Jahre.

Der fachpraktische Raum ist als Simulationsraum ein Alleinstellungsmerkmal der Schule. Mit zwei Beamern, fünf Kameras, mehreren Lautsprechern und einem Pflegebett ausgestattet, soll er verschiedene Situationen realitätsnah darstellen – etwa einen Verkehrsunfall auf der A 7 oder einen Schlaganfall im Wohnzimmer. Alle Auszubildenden erhalten zu Beginn der Ausbildung ein Tablet. Somit lernen sie nicht mit Büchern, sondern mit Ebooks. Durch die digitale Ausstattung mit Beamern in jedem Klassenraum ist auch Homeschooling möglich. Eine weitere Neuerung, die durch die Corona-Pandemie zustande kommt, ist die Installation einer Belüftungsanlage.

Im März soll zudem der Aufbau eines Rettungswagens auf der Terrasse montiert werden, der ebenfalls mit Kameras ausgestattet ist. Jeder Handgriff wird also gefilmt und zeitgleich in die Klassenräume oder ins Homeschooling übertragen. Nach der Übung im Rettungswagen ändert sich die Simulation im Raum und stellt beispielsweise eine Intensivstation dar. „So einen Simulationsraum gibt es hessenweit nur in Homberg“, sagt Schulleiterin Madeleine Lester.

Offiziell ist die Rettungsdienstschule seit April staatlich anerkannt. Neben Schulleiterin Lester sollen drei weitere Lehrkräfte sowie Honorarkräfte unterrichten. Nachdem es 2014 eine gesetzliche Änderung gab und der Beruf des Rettungsassistenten durch den des Notfallsanitäters abgelöst wurde, bildete der DRK-Kreisverband 2015 vier Notfallsanitäter aus. 22 Notfallsanitäter beginnen im September ihre Ausbildung. In den kommenden Jahren wird je ein weiterer Jahrgang mit 22 Azubis hinzukommen, sodass 2023 die volle Kapazität mit 66 Schülern erreicht ist.

Die Auszubildenden sind nicht permanent in der Schule, sondern lernen dort in acht- bis zehnwöchigen Blöcken. Neben den 1920 Unterrichtsstunden müssen die Notfallsanitäter 720 Stunden im Krankenhaus und 1960 auf der Rettungswache absolvieren.

Rettungsdienstschule in Homberg: Ausbildung für Sanitäter

In der DRK-Rettungsdienstschule werden Rettungs- und Notfallsanitäter ausgebildet. Bei Letzterem handelt es sich um eine vollwertige, dreijährige Berufsausbildung, in der die Auszubildenden eine Vergütung erhalten. Nach ihrer Ausbildung arbeiten die Notfallsanitäter in der Notfallrettung mit Notärzten zusammen, sind jedoch auch alleinverantwortlich tätig. Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist keine Berufsausbildung und dauert rund drei bis sechs Monate. (Sandra Böhm)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.