Sorge um die Straße

Autofahrer umkurven Vollsperrung zwischen Gilsa und Reptich

Sorgt bei Fremden für Verwirrung und bei Ortskundigen für Staunen: Laut diesem Schild kommt man von Bischhausen direkt nach Reptich, und erst danach nach Gilsa. Umgedreht ist es richtig.

Gilsa. Die einen führen ihre Ortskenntnisse, die anderen ihre Navis auf die alte Straße zwischen Gilsa und Reptich. Doch Bürgermeister Kai Knöpper ist es gleich, wie die Autofahrer auf den Schleichweg kommen, auf dem sie unerlaubterweise die Baustelle und Vollsperrung an der Gilsatalbrücke umkurven.

Denn Knöpper hat eine große Sorge: Dass der Ausweichverkehr die alte Straße vollends ruiniert. Denn ihr Belag weist jede Menge Risse und Löcher auf.

Seit Mitte April wird die Gilsatalbrücke saniert, die Straße nach Reptich ist gesperrt. Schilder weisen auf die Vollsperrung und die Umleitstrecken hin, die voraussichtlich bis Ende Juli dauern sollen.

Dennoch landen Tag für Tag verwirrte und verirrte Autofahrer in Gilsaer Einfahrtenum, um zu wenden oder nach dem Weg zu fragen. Aber viele fragen nicht einmal: Sie folgen der Abkürzung, die das Navi vorschlägt - und tuckern über die alte Straße. Die wenigsten hätten überhaupt so etwas wie ein Unrechtsbewusstsein, sagt Knöpper.

„Es ist erstaunlich, dass für so viele Autofahrer Straßenschilder keine Gültigkeit mehr besitzen, sobald das Navi einen Vorschlag macht.“ Denn auch wenn die Geräte die alte Straße kennen, darf man sie doch nicht befahren.

Doch der eigentliche Zorn von Knöpper richtet sich gegen das Verkehrsministerium. Denn sein Vorschlag sei es gewesen, die Sperrung der Landesstraße mit der für Juli geplanten der A 49 zu verbinden. In wenigen Wochen wird die Autobahn zwischen Neuental und Borken dicht gemacht, weil die Fahrbahn erneuert werden soll. „Hätten wir die beiden Baumaßnahmen zusammen gelegt, wäre der komplette Verkehr über die B 3 geleitet worden - so haben wir erst diese, im Sommer dann die nächste Sperrung.“

Doch diese Idee, die er zusammen mit seinen Kollegen Günter Schlemmer aus Jesberg und Michael Köhler aus Bad Zwesten vorgelegt habe, sei im Ministerium abgelehnt worden. Die Begründung: Die Umleitung gewährleiste die Sicherheit aller Autofahrer und die Mobilität der Anwohner.

Das sieht Kai Knöpper ganz anders. Diese Umleitungsform bedeute in erster Linie, dass der Verkehr über die marode Gemeindestraße rolle, deren Fahrbahn und Bankette nicht auf solche Lasten ausgelegt seien. Die Kosten für die Wiederherstellung beliefen sich schon jetzt auf mindestens 25 000 Euro, schätzt Knöpper. Eine Summe, für die auch die Jagdgenossen mit ins Boot genommen werden, befürchtet Volprecht von und zu Gilsa.

Vor allem aber, sagt Knöpper, will er dafür das Land Hessen mit ins Boot nehmen. „Das Ministerium hat so geplant, dass Schäden entstehen, jetzt muss es sich auch an den Kosten beteiligen, die für deren Beseitigung anfallen,“ sagt er. Bislang hat er noch keine Antwort aus Wiesbaden, ob man das dort genauso sieht.

Seine Behörde habe das Zusammenlegen der Baustellen auf der A 49 und auf der Landesstraße sehr kritisch gesehen, sagt Horst Sinemus. „Die Beeinträchtigungen wären zu groß, der Umleitungsverkehr zu stark gewesen“, ist sich Sinemus sicher.

Aber selbst, wenn beide Baustellen zugleich eröffnet worden wären, so sein Einwand, würden wohl trotzdem viele Autofahrer von ihren Navis auf den Schleichweg geleitet. „Da muss dann die Gemeinde als Ordnungsbehörde ein- und auch durchgreifen.“

Von Claudia Brandau

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