Schornstein an ehemaliger Molkerei in Homberg wird abgetragen

Homberg. Ein bisschen leid tut es Gerhard Michel, Besitzer der ehemaligen Molkerei in Homberg: „Der Schornstein hat für mich immer untrennbar zu diesem Komplex gehört."

Doch seit gestern wird dieser untrennbare Schornstein nun doch vom Gebäude getrennt. Zumindest teilweise. Das Mauerwerk des 34 Meter hohen Bauwerks bröckelt, der Turm ist damit instabil.

Damit keine Gefahr entsteht für die vielen Menschen, die in der ehemaligen Molkerei wohnen und arbeiten - dort sind 24 Wohnungen und zehn Gewerbebetriebe untergebracht - wird der Schornstein jetzt auf die Hälfte der Höhe verkürzt. Bis dahin, wo der sichere Bereich beginnt, das Mauerwerk wieder fest und stabil wird.

Ganz soll und darf der Schornstein aber nicht verschwinden. Denn wo früher die Abluft der Molkerei in die Luft gepustet wurde, sind heute Teile der Lüftungs- und Heizungstechnik untergebracht. Der Schornstein reicht bis in den Keller und ist tiefer, als man sieht, da ihn Gebäudeteile umrahmen. Ganz unten ist er sogar begehbar.

Eine Sanierung des Mitte der 1920er-Jahre errichteten, aber nicht unter Denkmalschutz stehende Bauwerk wäre zwar möglich gewesen, aber teuer geworden. So teuer, dass sich Gerhard Michel dafür entschied, es kappen zu lassen - auch wenn es so markant war, dass man es schon fast als ein Homberger Wahrzeichen hätte bezeichnen könnte.

Grund für die hohen Kosten ist vor allem die Tatsache, dass jeder Stein Sondermüll ist: Das fast 100 Jahre alte Mauerwerk ist so vollgesogen mit Ruß und Öl, dass es gesondert entsorgt werden muss. Darum kümmert sich eine Firma aus Eschwege, die auch den Abbruch erledigt. Mit Hilfe eines Autokrans, der im Wilhelm-Volckmar-Weg steht und den Arbeitskorb hinauf und runter hievt, tragen Tino Strohmeyer und seine Mitarbeiter den Schornstein Stein für Stein ab. Das geht leichter als gedacht: Ursprünglich waren zwei Wochen veranschlagt, Strohmeyer geht aber davon aus, dass die Arbeits bereits morgen fast geschafft ist.

Die meisten Steine, sagt der Eschweger, säßen so locker, dass man sie bequem per Hand Reihe für Reihe abtragen könne. Wer den Schornstein noch in fast voller Höhe sehen will, sollte ihn sich bald ansehen - er steht nicht mehr lange.

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