Ehemaliger Friedhof des Klosters wird zur Abstellfläche für Autos

Kloster St. Georg: Dr. Alfons Gethmann (von links) zeigt auf den neuen Schotterplatz. Vorher war dort eine Wiese mit großem Nussbaum. Auch die Nachbarn Horst Gernhardt und Gabriele Lauer ärgern sich über den Umbau. Foto: Hartung

Homberg. Ein neuer Schotterplatz auf dem Gelände des ehemaligen Klosters St. Georg sorgt bei einigen Hombergern derzeit für Ärger.

Denn an der Kreuzung zur Waßmuthshäuser Straße, wo sich noch vor ein paar Wochen eine Wiese mit einem großem Nussbaum befand, ist jetzt ein Schotterplatz. Wie Thomas Horn von der Bauaufsicht Schwalm-Eder mitteilt, soll der neue Platz als Abstellfläche für Autos dienen. „Allerdings ist die Baumaßnahme bisher gar nicht genehmigt.“ Der Eigentümer sei nun aufgefordert worden, einen Bauantrag vorzulegen.

„Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich aus dem Urlaub kam und die Wiese plötzlich weg war“, erzählt Dr. Alfons Gethmann, der gegenüber des St.-Georg-Geländes wohnt. „Jetzt stehen bald Schrottautos vor einem denkmalgeschützten Gebäude, das passt doch gar nicht“, sagt der Homberger.

Das geschützte Nonnenhaus an der Waßmuthshäuser Straße, in dem heute Privatleute wohnen, sei das älteste Gebäude der Stadt, betont Horst Gernhardt, der ebenfalls in der Nähe des ehemaligen Klosters wohnt. Auf dem neuen Schotterplatz seien vor vielen hundert Jahren die Nonnen beerdigt worden. „Da kann man doch keinen Parkplatz hinmachen.“ Das bestätigt auch Eckhard Preuschhof, Leiter des heimatkundlichen Archivs in Homberg. „Ja, der Platz war tatsächlich mal ein Friedhof.“ Die Anwohner ärgern sich auch, dass ein alter Nussbaum für den Parkplatz gefällt worden ist. „Hier haben immer viele Leute Nüsse gesammelt. Es war eine Tradition“, sagt Gabriele Lauer, die direkt neben dem ehemaligen Kloster wohnt. Über viele Jahre gehörte die Rasenfläche der Speditionsfamilie Braun, sie verkauften das Grundstück vor drei Jahren an Marc Duda-Malczyk, der in der Kasseler Straße einen Autohandel betreibt.

Dass sich die Anwohner nun über den Schotterplatz beschweren, kann er nicht nachvollziehen. „Dann müssen sich die Leute vorher überlegen, wenn sie in ein Mischgebiet ziehen. Das ist Industrie“, sagt Duda-Malczyk. Der große Nussbaum sei ohnehin schräg über die Straße gewachsen und habe eine Gefahr dargestellt. „Den hätte man sowieso fällen müssen“, sagt Duda-Malczyk. Bisher sei die Fläche noch nicht fertig. „Es wird ein ordentliches Grundstück. Uns liegt daran, dass es für Homberg ein ansehnlicher Platz wird.“

In einem nachträglichen Baugenehmigungsverfahren muss laut Thomas Horn von der Bauaufsicht nun geklärt werden, ob auf dem ehemaligen Klosterfriedhof aber überhaupt ein Parkplatz entstehen durfte. „Es geht jetzt darum, die Interessen der Denkmalpflege zu verteidigen."

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.