Sara-Nussbaum-Zentrum war auf Aktion aufmerksam geworden

Schüler-Protest gegen Hetzplakate: Homberger sind Teil eines Videoprojekts

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Einsatz vor und hinter der Kamera: von links Joshua Biesenthal von Jojo-TV aus Kassel, Makram Naked, Kameramann Johannes Guttenhöfer, David Vyshniak und Gabi Katz bei den Dreharbeiten für das Projekt.

Homberg. Schüler der Homberger Theodor-Heuss-Schule und der Erich-Kästner-Schule hatten eine Aktion gegen Hetzplakate der Partei „Die Rechte“ gestartet. Jetzt standen sie dafür vor der Kamera: Für das Projekt „Speak out! Jetzt sprechen junge Juden“ besuchte sie ein Filmteam.

Leises Stimmengewirr, eine Gruppe Schüler steht auf dem Schulhof der Theodor-Heuss-Schule beisammen, die einen sitzen auf der Treppe, andere lehnen locker an einer Mauer – eine Szene, wie sie täglich in einer Schule zu sehen ist. Wären da nicht Kamera und Mikrofon, die alles aufzeichnen. Die Jugendlichen sind Teil des Projekts „Speak Out! Jetzt sprechen junge Juden“ des Sara-Nussbaum-Zentrums Kassel. Das Zentrum wurde auf sie aufmerksam, weil sie sich gegen rechte Hetzplakate stark gemacht haben.

20 Schüler sitzen gespannt im Klassenraum der THS, unter ihnen Gabi Katz und David Vyshniak aus der jüdischen Gemeinde Kassel. Die beiden Jugendlichen sind die Protagonisten in den Kurzfilmen von „Speak Out“, in denen es um jüdisches Leben in Deutschland geht. „Wir wollten Perspektiven aus Deutschland zeigen und wie es jungen Juden hier geht“, sagt die 18-jährige Gabi Katz.

Um Unterschiede deutlich zu machen, sind sie für das Projekt durch ganz Deutschland gereist und haben junge Juden interviewt. Die Plakataktion der Homberger Schüler gegen die Hetze der Partei „Die Rechte“ hat die Organisatoren so begeistert, dass sie Teil der Filmreihe werden soll. Die Partei hatte in Neukirchen vor der Europawahl Plakate mit der Aufschrift „Israel ist unser Unglück“ verbreitet, die Schüler hatten Schilder dagegen entworfen.

Und so beteiligen sich Schüler der Klassen 6 bis 13 an dem Film, sie alle sind Mitglieder der AG „Schule ohne Rassismus“. Sie helfen sich gegenseitig und packen mit an, wenn etwa für eine Videosequenz ein Plakat auf- und abgehängt werden muss. Zwischendurch heißt es immer wieder: auf den Auftritt warten. So, wie echte Film-Stars eben. Dabei werden die Schüler vom Kamerateam immer wieder in die Entstehung des Films mit einbezogen. „Wollt ihr sitzen oder stehen? Sollen wir die Interviews lieber drinnen oder draußen machen?“, fragt Kameramann Johannes Guttenhöfer.

Dass die Schüler nun Teil des Videoprojekts sein dürfen, macht die Jugendlichen sichtlich stolz. Etwa 200 bis 250 Plakate haben sie vor der Europawahl im Schwalm-Eder-Kreis verteilt, sagt Thomas Schattner. Der Lehrer hat mit den Schülern die Plakataktion initiiert. In etwas mehr als zwei Drittel aller Homberger Geschäfte hängt inzwischen das Plakat mit der Aufschrift „Rechtsextremismus ist unser Unglück! Schluss damit!“, schätzt Schattner. Auch in Schwalmstadt und in Neukirchen sei die Aktion gut angenommen worden. Die katholische Kirche habe die Aktion ebenfalls sofort unterstützt. „Es gab sogar Leute, die wollten ein Plakat für ihr Auto haben“, berichtet der Lehrer.

Die Motivation der Schüler dabei: Sie wollten die Aussagen der rechten Partei so nicht stehen lassen. „Antisemitismus hat eine lange Geschichte. Es wird Zeit, dass das endlich aufhört“, sagt der Abiturient Fabian Freund. Er engagiert sich seit etwa drei Jahren in der AG. Sie hätten gelernt, dass man nur etwas erreichen könne, wenn man etwas tut. Mit ihrem Plakat hätten sie Akzeptanz fördern wollen, sagt Freund. „Wir meinen ernst, was auf dem Plakat steht.“ Und das spürt man auch.

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