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Schülerhilfe Bolivien um Dr. Canaviri sammelte 115 000 Euro

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Von: Claudia Brandau

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Stellen nach 25 Jahren die Schülerhilfe Bolivien ein: Dr. German Canaviri Grandon (links) und Professort Herbert Wassmann haben im vergangenen Vierteljahrhundert zusammen mit ihren Mitstreitern 115 000 Euro für Schüler in den Anden gesammelt.
Stellen nach 25 Jahren die Schülerhilfe Bolivien ein: Dr. German Canaviri Grandon (links) und Professort Herbert Wassmann haben im vergangenen Vierteljahrhundert zusammen mit ihren Mitstreitern 115 000 Euro für Schüler in den Anden gesammelt. © Claudia Brandau

Er hat dafür gesorgt, dass tausende südamerikanische Schüler Bildung und eine Mahlzeit erhielten: Genau 25 Jahre hat Dr. German Canaviri Grandon aus Homberg zusammen mit seinem Verein „Schülerhilfe Bolivien“ Schüler finanziell unterstützt und sie so auf den Weg in Bildung und Beruf gebracht.

Homberg/Körle – Jetzt beendet er sein Engagement aus Altersgründen. Der Mediziner, der viele Jahre am früheren Homberger Krankenhaus als Anästhesist arbeitete, ist 82 Jahre alt. Und blickt zurück auf ein Vierteljahrhundert, in dem er zusammen mit seinen Mitstreitern mehr als 115 000 Euro für Schüler in Bolivien sammelte.

Dr. Canaviri stammt aus der Stadt Potosi in Bolivien. Er kennt die oft bedrückenden Bedingungen für junge Leute. Er weiß, dass es dort zwar eine offizielle Schulpflicht gibt, dennoch aber ungezählte Kinder als Lastenträger, Schuhputzer, Busausrufer und Minenarbeiter Geld verdienen müssen.

„Unser Ziel war es, dass die Bildung trotz der Armut nicht zu kurz kommt, unser Motto lautete Schule statt Armut“, sagt Dr. German Canaviri. Und das strebte er ohne jeden Umweg an. Er kennt dort Menschen, die dafür sorgten, dass jeder Cent der Spenden dort ankam, wo er gebraucht wurde. Die vielen Dankesschreiben von bolivianischen Schulleitern und Lehrern, die er in einem dicken Ordner gesammelt hat, zeugen davon.

Private Initiative zur Unterstützung von Schulen

Canaviri kam vor 35 Jahren nach Homberg, trat seine Stelle in der Klinik an, gründete eine Familie, baute ein Haus – und hat dabei nie die Menschen in seiner Heimat vergessen.

Er gründete eine private Initiative, mit der er Schulen unterstützen wollte. Doch er fand schnell weitere Unterstützer, und so wurde aus der Eigeninitiative ein Verein. Professor Herbert Wassmann aus Homberg gehörte von Anfang an dazu. Anfangs war es nur eine Schule, die von den Sammelaktionen profitierte, mit dem Geld Schulmaterialien anschafften und Frühstück für die Kinder austeilen konnte.

Dann kamen weitere hinzu, auch aus dem Melsunger Raum und Körle. Auch die Zahl der Unterstützer wuchs, wie beispielsweise Rotary Club, Lions Club, Kreissparkasse Schwalm-Eder. „Wir haben uns beharrlich eingesetzt: Die Menschen hier haben gemerkt, dass wir wirklich helfen wollen und ihr Geld auch ankommt“, sagt Canaviri.

Dr. Canaviri stellt ehrenamtliche Arbeit ein

Möglich gemacht haben Letzteres vor allem sein Bruder Claudio und sein Neffe Enzo, die beide in Bolivien lebten. Der Bruder, der selbst Lehrer an einer Schule war, ist nun gestorben – auch das ein Meilenstein auf dem Weg zur Entscheidung, die ehrenamtliche Arbeit einzustellen, von der am Ende 23 Schulen und sage und schreibe 7353 Kinder profitierten. Canaviri führt genau Buch über die Schulen und deren Schülerzahlen. Macht ihn denn eine solche Bilanz nicht sehr stolz? „Ja, natürlich“, sagt Canaviri und verweist auf den hohen Stoß an Briefen, Fotos, Zeichnungen aus Bolivien.

„Die Kinder waren dankbar und glücklich – und ich war es auch.“ Vor allem dann, wenn er selbst drei bis viermal im Jahr nach Bolivien flog und Schulen besuchte. Und dem Team vor Ort dankte, das Lebensmittel kaufte, das Frühstück für die Kinder vorbereitete. All das hatte er von Homberg aus auf die Beine gestellt, über Jahrzehnte hinweg zuverlässige Hilfe und Unterstützung geboten.

Dr. Canaviri half 7353 jungen Bolivianern

„German Canaviri ist ein Beispiel dafür, wie man sich für eine Sache einsetzen und wirklich etwas erreichen kann“, sagt sein Freund und Unterstützer Herbert Wassmann. „Die Schülerhilfe lebte von persönlichen Kontakten, sie haben uns immer sehr be- und gestärkt.“

Jetzt endet diese Ära des Helfens über den halben Erdball hinweg. 7353 junge Bolivianer werden Dr. Canaviri und sein Team gewiss nicht vergessen. Auf eine solche Bilanz kann man wirklich stolz sein. Sehr stolz sogar. (Claudia Brandau)

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