Homberger seit 20 Jahren gegen die Schulpflicht

Homberger Schulverweigerer kämpfen weiter: Gang vor Europäischen Gerichtshof?

Homberg. Das Ehepaar Schaum aus Homberg-Hülsa schickt seine drei noch schulpflichtigen Kinder nicht in die Schule, sondern unterrichtet sie zu Hause. Bereits seit über 20 Jahren kämpfen die streng gläubigen Eltern gegen die Schulpflicht.

Derzeit prüfe man, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen, sagt der Anwalt des Paares, Dr. Andreas Vogt, im HNA-Gespräch.

Das Ehepaar war wegen Entziehung seiner Kinder von der Schulpflicht wiederholt zu Geldstrafen verurteilt worden. Die Schaums waren kürzlich mit einer Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gescheitert. Das Gericht hatte entschieden, dass Schulverweigerer-Eltern in Hessen sogar ins Gefängnis geschickt werden dürfen. Die im Land geltende Regelung hatte das Bundesverfassungsgericht gebilligt und damit eine Klage der Schaums zurückgewiesen.

Der Anwalt des Ehepaares sprach von einer „schrecklichen Entscheidung“ des Gerichts: „Die Bestrafung ist das schärfste Schwert des Staates, mit dem wird auf die Eltern eingedroschen“, sagt Vogt. Es sei völlig unstrittig, dass der Hausunterricht der Schaums erfolgreich, das Kindeswohl nicht gefährdet sei. Man werde doch nicht nur dann gesellschaftsfähig, wenn man auf der Schulbank gesessen habe. „Ich bin entsetzt“, so Vogt.

Und weiter: Das Gericht nehme den Begriff vom Vater Staat wörtlich. „Der Staat wird zum dritten Elternteil und ist dabei mehr als gleichberechtigt.“ Man müsse sich fragen, was Elternrechte noch wert seien. Vogt geht von Menschenrechtsverletzungen aus. Daher erwäge man den Gang vor den Europäischen Gerichtshof.

Die Schaums, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, sehen es als ihre Aufgabe an, ihre neun Kinder selbst zu unterrichten. Heimschulunterricht ist in vielen Ländern erlaubt, etwa in England, Frankreich, Österreich, Italien, den USA.

Von Maja Yüce 

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