31-Jähriger betreibt Schafzucht

Grünen Landtagskandidat Marcel Breidenstein im Porträt: Einer, der viel lernte

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Regionale Waren und gute Tierhaltung sind ihm wichtig: Marcel Breidenstein aus Gudensberg-Dissen tritt als Direktkandidat der Grünen im Südwahlkreis an. 

Homberg/Dissen. Marcel Breidenstein ist der Nordkreisler, der im südlichen Schwalm-Eder-Kreis (Wahlkreis 8) für den Landtag kandidiert. Das muss für ihn aber kein Nachteil sein, findet der 31-Jährige. 

Entspannt schlendert Marcel Breidenstein auf den Wochenmarkt in Homberg. Dort, wo es regionale Waren gibt, im bestmöglichen Fall noch vom Direktvermarkter, ist er richtig. Denn der Grüne legt Wert auf regionale Lebensmittel. Auch Fleisch isst der ehemalige Vegetarier nur aus eigener Schlachtung – oder dann, wenn er weiß, wie die Tiere gelebt haben.

Auf Fleisch verzichtete der 31-Jährige, weil ihm die Haltungsbedingungen der Tiere nicht gefielen. Dann begann er, Schafe zu züchten, die er zwar nicht selbst schlachtet, deren Lebensweg er aber nachvollziehen kann, erzählt er. „Schlechte Haltungsbedingungen habe ich bei meinen Schafen nicht mehr. Ich begleite ein Schaf quasi vom ersten bis zum letzten Atemzug.“

Die Zucht seiner Weißkopf- und Juraschafe ist es auch, die für Marcel Breidenstein eine gemeinsame Auszeit mit seiner Lebensgefährtin bedeutet. Eine Auszeit von seinem Job, der Politik. Breidenstein arbeitet für die Bundestagsabgeordnete Bettina Hoffmann. Das passt, sagt er. Die Themen Artenvielfalt und -schutz sowie artgerechte Tierhaltung, die sich Hoffmann auf die Fahne geschrieben hätte, lägen auch ihm am Herzen. Und noch einen Vorteil hat er: „Jetzt passt es wieder, dass ich mich mit Büroorganisation auskenne.“

Marcel Breidenstein ist gelernter Bürokaufmann. Und hat auch sonst viel gelernt in seinem Leben. Nach seinem Hauptschulabschluss absolvierte er eine Lehre, schloss direkt den Zivildienst an. „Auf dem zweiten Bildungsweg habe ich erst meinen Realschulabschluss und dann mein Fachabi gemacht“, erzählt der 31-Jährige. Anschließend entschloss er sich zu einem Studium der Ökologischen Agrarwissenschaften in Witzenhausen – auch dieser Entscheidung liegen Tiere zugrunde. Einige Zeit versorgte Breidenstein mit seiner Partnerin Rinder auf einer Alp in der Schweiz.

An die Uni nach Witzenhausen ist Breidenstein, der „noch nie woanders gewohnt“ hat als in Dissen, täglich gependelt. „Es gab schon häufig die Überlegung, zumindest nach Kassel zu ziehen, um Zeit zu sparen. Aber dann hätte ich die Politik hier aufgeben müssen“, berichtet Breidenstein, der sich im Studierendenausschuss engagierte und im Gudensberger Parlament sitzt.

Das kam für den „Nordkreisler, der für den Südkreis kandidiert“, aber nicht in Frage. „Ich lebe gerne auf dem Land. Das möchte ich nicht aufgeben.“ Nicht selbst im Südkreis zu wohnen, sieht er allerdings überhaupt nicht als Problem: „Am Ende sind wir ein Landkreis. Ich glaube nicht, dass mir weniger an der Schwalm liegt als jemandem, der dort auch wohnt.“

Sich in kommunalen Parlamenten zu engagieren, Politik aktiv mitzugestalten, das betrachtet Breidenstein als seine Leidenschaft. Neben dieser Leidenschaft und seinem großen Hobby, den Schafen, liebt der 31-Jährige Sport. Den Eishockey-Sport. Er ist großer Fan der Kassel Huskies. „Mein Vater hat mich mit vier Jahren das erste Mal zu einem Spiel mitgenommen.“ Denn dort könne er zur Ruhe kommen. „Das ist mein Raum. Da kann ich abschalten“, sagt er.

Fünf Fragen an den Direktkandidaten

Jeweils sieben Kandidaten treten in den Wahlkreisen 7 (Schwalm-Eder Nord) und 8 (Schwalm-Eder Süd) zur Landtagswahl an. Mobilität, Sicherheit, Wohnraum, Bildung – wie sind die Standpunkte? Wir fragen nach.

Beamtenticket, Schülerticket, dichtes S-Bahnnetz in Südhessen und im Schwalm-Eder-Kreis fahren Ehrenamtliche Bürgerbusse. Wie könnten alle Menschen von einem funktionierenden ÖPNV profitieren? 

Marcel Breidenstein: Mit Schüler- und Landesbedienstetenticket hat Minister Tarek Al-Wazir bereits einen großen Schritt zur besseren Auslastung des hessischen ÖPNV getan. Wenn wir den ÖPNV im Schwalm-Eder-Kreis stärken wollen, müssen wir alle zum Einsteigen bewegen. Das ist durch ein attraktives Angebot möglich, in dem die Menschen für einen relativ geringen Preis fahren können wie etwa beim Schülerticket und dem von den Grünen geplanten Seniorenticket.

Was würden Sie für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun? 

Marcel Breidenstein: Dafür muss das Betreuungsangebot in den Nachmittagsbereichen ausgebaut werden. Sowohl bei den Kindertageseinrichtungen als auch bei den Schulen. Wir brauchen nur in das europäische Ausland zu schauen, um zu sehen, wie das funktioniert. 

Wie würden Sie das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen stärken?

Marcel Breidenstein: Das Ziel muss sein, durch Aufklärung aus dem subjektiven Angstgefühl ein objektives Sicherheitsgefühl zu machen. Die Kriminalstatistiken auch für den Schwalm-Eder-Kreis zeigen ganz klar, dass die Straftaten zurückgehen. Videoüberwachung verstärkt das Angstgefühl der Menschen. Die aktuelle Landesregierung hat im ländlichen Raum die Polizeistellen aufgestockt.

Wie kann mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden? 

Marcel Breidenstein: Mit dem Abwenden des Verkaufs der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft hat Ministerin Priska Hinz der Preistreiberei einen Riegel vorgesetzt. Zudem stelle ich mir eine Wohnungsbaugesellschaft vor, an der Landkreis und Kommunen beteiligt sind.

Wie kann die Schulbildung verbessert werden? 

Marcel Breidenstein: Förderangebote für schwächere Schülerinnen und Schüler müssen gestärkt werden. Durch eine Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer können diese sich mehr auf ihre Aufgabe des Lehrens fokussieren. Hierbei hilft auch die Schulsozialarbeit, für die die Landesregierung zusätzlich 700 Stellen geschaffen hat.

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