Landwirte gründen Netzwerk

Schwalm-Eder-Kreis soll Öko-Landbau-Modellregion werden

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Sie haben ein Netzwerk Naturschutz durch Biolandwirtschaft gegründet: von links Dietmar Groß, Michael Pillkowsky, Michael Gießler, David Heppe und Malte Groß.

Kartoffeln, Hafer und Weißkohl anbauen, Rinder, Schafe und Schweine halten und dabei dafür sorgen, dass Rebhühner, Feldlerchen und Ackerrittersporn geschützt sind – das geht, sind sieben Biolandwirte aus dem Raum Homberg überzeugt.

Sie haben sich den Erhalt der Artenvielfalt auf die Fahne geschrieben und ein Netzwerk Naturschutz gegründet.

„Mit politischen Debatten in Berlin und Brüssel, staatlichen Auflagen und Flächenprämien kommen wir nicht weiter“, sind die sieben Landwirte überzeugt, die sich unter dem etwas sperrigen Namen Erzeuger-Verbraucher-Zusammenschluss Efze (EVZE) einen Verein für das Projekt gegründet haben. „Wir wollen aktiv etwas verändern“, so Dietmar Groß (Mühlhausen), der die Fäden des Netzwerks in der Hand hält.

Dazu gehören bislang die Biohöfe von Till Döring (Zennern), Michael Gießler (Empfershausen), Malte Groß (Mühlhausen), David Heppe (Rodemann), Hubertus Nägel (Hombergshausen), Michael Pillkowsky (Nassenerfurth) und Robert Wilks (Roppershain).

Die Sieben sind Biolandwirte und Direktvermarkter, die umweltschonend wirtschaften und vorm Aussterben bedrohte Tiere wie das Angler Sattelschwein oder das Vorwerk-Huhn auf ihren Höfen halten. „Unsere Arbeitsweise geht oft über die Kriterien der Bioverbände hinaus“, sagt Michael Pillkowksy, der auf dem Schmiedehof in Nassenerfurth umweltschonend mit viel Handarbeit und Hilfe von Pferden Gemüse anbaut.

Dies könne im Rahmen des Projekts öffentlichkeitswirksam dokumentiert werden. Und Luft nach oben, Landwirtschaft und Naturschutz im Sinne eines Bio plus zu verbinden, gebe es auch, sind die dynamischen Biolandwirte überzeugt: „Wir wollen unsere landwirtschaftliche Arbeit unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten optimieren und mit wissenschaftlicher Begleitung dokumentieren.“ Schon jetzt stehe für sie fest: Naturschutz und Ertrag schließen sich nicht aus, so David Heppe vom Biolandhof Hartel-Heppe, einem der ersten in der Region.

Mit Hilfe von Naturschutzverbänden, der Unteren Naturschutzbehörde und einer naturschutzfachlichen Beratungskraft soll herausgefunden werden, was an Artenvielfalt und Naturschutz auf den Höfen bereits vorhanden ist und was konkret verbessert werden kann. Dazu sei das Netzwerk auf öffentliche und finanzielle Unterstützung angewiesen. So versuche der EVZE, auf verschiedenen Ebenen Fördergeld zu erhalten, um eine notwendige Fachkraft zur Koordinierung des Projekts finanzieren zu können – zunächst gehe es dabei um fünf Jahre.

Die Projektförderung soll unter anderem im Zusammenhang mit dem Ziel erfolgen, den Schwalm-Eder-Kreis als Öko-Landbau-Modellregion zertifizieren zu lassen. „Da ist unser Landkreis bislang auf der Hessenkarte ein schwarzer Fleck“, so Groß.

Ziel sei es, mithilfe der fachlichen Koordinationsstelle die Naturschutzmaßnahmen auf den einzelnen Höfen Schulen, Kindergärten und Besuchergruppen zu präsentieren. Denn ohne öffentliche Unterstützung nütze der beste Artenschutz nichts, sind die sieben Projektbeteiligten überzeugt: „Nachhaltiger Naturschutz lebt davon, dass wir den Verstand und die Herzen der Menschen in der Region erreichen.“

Kontakt: Dietmar Groß, Dorfbrunnen 1, 34576 Homberg, Tel. 0152/34198060. Spenden-Konto: Kreissparkasse Homberg, IBAN: DE 02 5205 2154 0081 0003 58

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