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Sechs Monate Ukraine-Krieg: Fast 100 Ausgabetage im Alles-Laden in Homberg

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Von: Lea Beckmann

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Der Alles-Laden in der Dörnbergkaserne Homberg: Gitta Conrad (von links) Sergej, Victor, Liuba, Uliana, Petra Virnau und vorne Tanja Fennel-Trieschmann.
Der Alles-Laden in der Dörnbergkaserne Homberg: Gitta Conrad (von links) Sergej, Victor, Liuba, Uliana, Petra Virnau und vorne Tanja Fennel-Trieschmann. © Lea Beckmann

Die Kleiderkammer oder auch Alles-Laden genannt in der Homberger Dörnbergkaserne bietet Geflüchteten aus der Ukraine Kleidung, Haushaltsartikel und vieles mehr.

Homberg – Ein Einkaufswagen voll mit Kuscheltieren, Kartons mit Kleidung stapeln sich, hinter der nächsten Ecke findet man Schuhe, Bettwäsche und Handtaschen. Die Kleiderkammer in der Homberger Dörnbergkaserne bietet seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine den Geflüchteten eine Grundausstattung. „Bei uns gibt es einfach alles, was die Menschen benötigen – daher ist es mittlerweile der Alles-Laden“, sagt Tanja Fennel-Trieschmann.

Vor sechs Monaten fing der Krieg in der Ukraine an. Die Menschen flüchteten und tun es immer noch. Der Partnerschaftsverein Homberg-Stolin hat, nachdem die Fahrt nach Belarus nicht mehr zustande kam, kurzerhand beschlossen, sein Lager zu öffnen und eine Kleiderkammer für ukrainische Flüchtlinge einzurichten. Die können dort kostenlos mitnehmen, was sie brauchen.

Seit dem Ukraine-Krieg hatte der Alles-Laden 460 Öffnungsstunden

„Am 14. März haben wir die Türen geöffnet“, sagt Tanja Fennel-Trieschmann. Am Anfang war das Lager eigentlich nur für ukrainische Geflüchtete in Homberg geöffnet. „Mittlerweile kommen sogar welche aus Frankenberg zu uns“, so Fennel-Trieschmann. 96 Ausgabetage hatten sie seitdem. „Am Montag sind es dann 100 Tage.“ Insgesamt seien das ungefähr 460 Öffnungsstunden, in denen rund 3500 Menschen da waren. „Die meisten stammen aus der Ukraine, aber mittlerweile kommen auch Menschen aus Syrien und Afghanistan zu uns“, sagt Petra Virnau, die auch in dem Alles-Laden hilft.

Im Schnitt kommen zwischen 30 und 80 Menschen. „Wir hatten auch schon Tage, da waren über 100 Geflüchtete bei uns“, erinnert sich Gitta Conrad, die auch zum festen Team der Kleiderkammer gehört. Derzeit habe der Zulauf ein wenig abgenommen, aber das liege an den heißen Temperaturen. Denn: Flüchten tun immer noch genügend Menschen aus der Ukraine „Die nächste Generation ist jetzt da“, sagt Fennel-Trieschmann.

Ukraine-Krieg: Die Spenden werden weniger im Alles-Laden in Homberg

Vor Kurzem kam eine Mutter mit ihren beiden Söhnen. Die Kinder von ihr konnten nun auch flüchten und standen mit Flip Flops und kurzen Sachen im Alles-Laden. „Wir sehen jeden Tag das Leid“, sagt Fennel-Trieschmann. Das nehme man mit nach Hause, so Petra Virnau. Doch die Spenden werden weniger. Es kommen nur noch zeitweise Spenden in die Kleiderkammer. „Der Krieg verschwindet aus den Köpfen der Menschen“, sagt Fennel-Trieschmann.

Das Team der Kleiderkammer versucht, die Ukrainer abzulenken. Es wird gelacht und sie geben ihnen Arbeit. „Weil die Stimmung manchmal sehr gedrückt war, haben wir jetzt immer das Radio mit Musik laufen“, sagt Fennel-Trieschmann. Einige der Ukrainer helfen im Alles-Laden aus. Uliana ist seit fünf Monaten bei der Kleiderkammer. Zurzeit empfängt sie die Menschen am Eingang und führt eine Strichliste, wie viele kommen. Sergej und Victor reparieren Fahrräder. Und Liuba hilft beim Sortieren der Spenden. Sie sind alle sehr dankbar für die Hilfe des Vereins.

Wie es weitergehen wird, das kann niemand sagen. „Zu Beginn haben wir gedacht, wir brauchen die Spenden der Winterkleidung gar nicht – mittlerweile wissen wir, wir brauchen sie“, so Fennel-Trieschmann. Das Team der Kleiderkammer und der Vorstand des Vereins sind dankbar für die Spenden, die bislang eingetroffen sind. Aber es reiche noch nicht. Denn: „Der Krieg geht weiter“, so Fennel-Trieschmann.

Was dringend benötigt wird

Konserven aller Art, Zucker, Mehl, Reis, Süßigkeiten, Tee und Ähnliches werden gebraucht. „Wir nehmen auch gerne Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten“, sagt Gitta Conrad. Zudem werden Hygieneartikel benötigt, wie Schampoo, Duschgel, Zahnpasta, Toilettenpapier und auch Babyartikel. „Vor allem nach Deo ist die Nachfrage wegen der Hitze groß“, sagt Tanja Fennel-Trieschmann. Auch an Haushaltsspenden mangelt es: Töpfe, Pfannen, Besteck, Suppenkellen, Reiben und Schneidbretter sind willkommen. Und auch Spielsachen, Fahrräder, Koffer mit Rollen, Kissen und Rucksäcke werden benötigt. „Wir brauchen nur keine Kleidung, davon haben wir mehr als genug“, sagt Fennel-Trieschmann. Nur Sportsachen inklusive Sportschuhe für Männer werden benötigt.

Öffnungszeiten: Montag und Mittwoch 10.30 bis 18 Uhr, Freitag 16 bis 19 Uhr und Samstag 10 bis 13 Uhr. Dörnberg-Kaserne, Hans-Scholl-Straße, Gebäude A1, Homberg.

(Lea Beckmann)

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