Homberger Familienbetrieb

Seit 50 Jahren im Schuhhaus Koch: Ruth Schöngart mag keine Plateausohle

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Seit 50 Jahren unverzichtbar für das Schuhhaus Koch in Homberg: Ruth Schöngart aus Sondheim.

Homberg. Mit Schuhen kennt sich Ruth Schöngart aus: Seit sie 15 Jahre alt war, kümmert sich Schöngart um die Buchhaltung des Schuhhauses Koch.

Dabei macht sie vor allem ihr Stilbewusstsein für den Familienbetrieb in Homberg seit 50 Jahren unentbehrlich. Auf manche Entscheidung in Modefragen blickt sie heute allerdings eher zweifelnd zurück.

Insbesondere an ein Paar Plateauschuhe erinnert sie sich noch. Ihr Chef habe sich in den 1970er Jahren geweigert, das trendige Modell mit absurd hohem Plateau zu verkaufen. Aber Schöngart überredete ihn. Sie bewies damit ihr gutes Gespür für Stil: Das Design war schnell ausverkauft. Und das, obwohl es ganz furchtbare Schuhe gewesen seien. „Ich hatte leider auch ein Paar“, erzählt Schöngart und lacht.

Modesünde Plateau 

Über Schuhmode weiß die inzwischen 65 Jährige aus Sondheim bestens Bescheid. Sie selbst hat über 50 Paar Schuhe, Modetrends renne sie allerdings nicht mehr hinterher. „Was es damals gab, als ich angefangen habe, kommt jetzt wieder“, erklärt sie. Auch die furchtbaren Plateauschuhe seien wieder modern.

Den Job ihres Lebens bekam sie 1966 nur durch einen glücklichen Zufall. Der damalige Inhaber des Schuhhauses, Georg Koch, suchte Angestellte. Ein Lehrer schlug Schöngart vor, die damals noch Ruth Finger hieß. Sie war kurz zuvor mit der Schule fertig geworden, das Angebot kam für sie gerade recht. An ihren ersten Arbeitstag am 1. April 1966 kann Schöngart sich noch erinnern, als sei es gestern gewesen. „Ich war furchtbar erkältet“, erzählt sie. Ihre Mutter musste ihr sogar Arznei vorbeibringen.

Dann die böse Überraschung: Gleich am ersten Tag mussten alle Lehrlinge ein Diktat schreiben. Der neue Chef wollte ihre Deutschkenntnisse testen.

Beste beim Diktat 

Trotz Erkältung und Nervosität bestand die damals 15-Jährige die Prüfung nicht nur, sie gewann den Wettbewerb sogar. Georg Koch machte sie prompt zur Buchhalterin seines Geschäfts. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich schon 50 Jahre hier bin“, sagt Schöngart heute. In all diesen Jahren habe sie sich ganz alleine um die Finanzen gekümmert. Und das sehr pflichtbewusst: „Jeden Monat habe ich die Buchführung gemacht.“ Komme, was wolle.

Folglich plante sie all ihre Urlaube so, dass die Monatsabschlüsse rechtzeitig fertig wurden. Selbst die Geburten ihrer zwei Kinder hielten sie nicht von der Buchhaltung ab -- sie arbeitete einfach in Teilzeit weiter.

Gutes Arbeitsklima 

Auf die Frage, warum sie all die Jahre beim Schuhhaus Koch geblieben ist, antwortet Schöngart nur: „Weil’s mir hier so gut gefällt. Ich habe tolle Chefs und tolle Kollegen.“ Ans Aufhören denkt sie gar nicht. „So lange meine Chefs noch arbeiten, arbeite auch ich“, verspricht sie. Mittlerweile steht sie zwar nur noch selten im Laden, um die Buchhaltung kümmert sie sich aber natürlich trotzdem.

Von Marie-Luise Müller

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