Hermann-Schafft-Schule

Selbstverteidigung für seh- und hörgeschädigte Kinder in Homberg

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Lernt, sich zu verteidigen: Die 13-jährige Michelle Hauke blockt den Angriff von Lehrer Thomas Weltin. Im Hintergrund schauen die anderen AG-Teilnehmer der Übung zu. 

Homberg. Die Hermann-Schafft-Schule in Homberg bietet Selbstverteidigung für seh- und hörgeschädigte Kinder und Jugendliche an

Kinder und Jugendliche müssen lernen, selbstsicher aufzutreten und sich im Zweifel auch gegen Angreifer verteidigen zu können - dieser Meinung ist Lehrer Thomas Weltin.

Der 57-Jährige, der an der Homberger Hermann-Schafft-Schule Deutsch, Englisch und Geschichte unterrichtet, leitet seit acht Jahren die Arbeitsgemeinschaft (AG) Selbstverteidigung. Er ist langjähriges Mitglied im Homberger Karateverein. Die Notwendigkeit, jungen Menschen Selbstverteidigung beizubringen, sieht er für alle Schüler - egal ob mit Behinderung oder ohne.

„Es geht darum, sich zu akzeptieren und sich selbstbewusst zu positionieren - nicht ums Kämpfen.“

An Weltins Kurs nehmen seh- und hörgeschädigte Schüler teil. Eine besondere Herausforderung für den Übungsleiter? Je schlechter ein Schüler höre, desto mehr müsse man natürlich gestikulieren, sagt Weltin. Gebärdensprache gehört dadurch zu seinen alltäglichen Instrumenten. Bei Schülern mit einer Sehschädigung sei es wichtig, mehr Hilfestellung zu geben, sie also physisch anzuleiten und den Bewegungsablauf mit Worten zu konkretisieren. Ob es für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung wichtiger sei, sich verteidigen zu können? „Nein“, sagt Weltin, doch es sei nicht auszuschließen, dass durch die Einschränkung im Sehen oder Hören Situationen entstehen könnten, die zu Konflikten führen.

Doch was lernen die Schüler konkret bei Weltin? Das wöchentliche Training ist in fünf Blöcke unterteilt: Aufwärmen, Blocken, Kontern, Befreiungsgriffe und Besprechung. So lernen die Schüler beispielsweise Faustangriffe abzuwehren und sich durch einen Gegenangriff Zeit zur Flucht oder zum Hilfe holen zu verschaffen. Auch wie man sich aus einem Würgegriff oder aus einem Schwitzkasten befreit, bringt Weltin den Teilnehmern bei. Geübt wird auch die gezielte Ansprache von Außenstehenden, wenn man Hilfe benötigt. Dadurch klärt Weltin auch rechtliche Fragen, wie die nach dem Recht auf Notwehr und unterlassener Hilfeleistung.

Am Ende jedes Trainings wird darüber gesprochen, wozu das Erlernte nützlich ist und wie man in verschiedenen Situationen reagieren kann. Auch persönliche Erfahrungen der Schüler spielen eine Rolle.

„Es geht darum, sich zu akzeptieren und sich selbstbewusst zu positionieren - nicht ums Kämpfen“, erklärt Weltin. Man wolle die Schülerfit fürs Leben machen.

Auch Schulsozialarbeiter, Erlebnispädagogen und Jugendkoordinatoren der Polizei arbeiten in mit den Kindern. Das Angebot richtet sich an alle Schüler, von der fünften bis zur zehnten Klasse.

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