Sie verteilen wieder Lebensmittel

Homberger Tafel öffnet unter erschwerten Corona-Bedingungen

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Sortieren die Lebensmittel und verteilen diese an die Tafelkunden: von links Waltraud Schneider, Adelheid Rothauge und Sigrid Wagner am Tag der Wiedereröffnung. 

Nach zehn Wochen Coronapause hat die Homberger Tafel in dieser Woche wieder geöffnet.

„So lange hatten wir in 15 Jahren noch nie geschlossen“, sagt Barbara Redlich, die seit dem ersten Tafel-Tag ehrenamtlich mithilft. Von den 50 erwarteten Kunden kamen 37.

Alles ist streng getaktet: Nur Tafelkunden mit blauen Karten dürfen am Eröffnungstag Lebensmittel abholen, jeder zu einer fest eingeteilten Uhrzeit. „Alles ist anders organisiert als gewohnt“, sagt Redlich.

Homberger Tafel: Kunden werden einzeln aufgerufen

Bereits vor dem Einlass um 14 Uhr stehen acht Menschen vor dem Laden. Sie müssen warten, tragen dabei Mund- und Nasenschutz. Den Bereich zwischen Warteschlange und Bürgersteig hat Peter Laukner, Koordinator der Tafel, mit einer Kordel abgesperrt. „Die Situation ist ungewohnt, angespannter als sonst“, sagt eine Karteninhaberin. Sie sei sehr froh, dass die Tafel wieder geöffnet hat: „Ich bin gespannt, was die ehrenamtlichen Helferinnen in meine Tüten packen.“

Die Kunden werden namentlich aufgerufen, nur einzeln dürfen die Lebensmittel abgeholt werden. Am Eingang werden die Hände desinfiziert, dann führt der Weg direkt zu Adelheid Rothauge. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin trägt ebenfalls Mund- und Nasenschutz, steht an einem Schalter hinter einer Plexiglasscheibe. Sie kontrolliert die Kundenkarten und reicht die Tüten durch eine Öffnung. Zwei Euro kostet dieser Service für jeden Karteninhaber.

Vorgepackte Tüten für Tafelkunden

Der Inhalt ist abgestimmt auf die Größe des Haushalts. Normalerweise können die Bezieher ihre Lebensmittel relativ frei wählen. Das geht derzeit nicht: Der Besuch bei der Tafel soll wegen Infektionsgefahr kurz gehalten werden.

Trotzdem versuchen die Mitarbeiterinnen die braunen Papiertüten bestmöglich zu packen, kennen sie ihre Kunden doch zum Teil seit mehreren Jahren. Vegetarier bekommen beispielsweise kein Fleisch, Muslime kein Schwein. „Auf viel mehr können wir zurzeit aber keine Rücksicht nehmen“, sagt Redlich.

Sammeln Lebensmittel für die Homberger Tafel ein: Theo Lossek (links) und Klaus Bindemann.

Bei der ersten Ausgabe gibt es viel frisches Obst und Gemüse: Radieschen, Salat, Erdbeeren, Granatäpfel. Die Lebensmittel werden von Waltraud Schneider, Sigrid Wagner und ihren Kolleginnen gewaschen und sortiert. Auch Brot, Nudeln und Babynahrung werden an die Tafelkunden verteilt.

Wiedereröffnung: Arbeit unter erschwerten Bedingungen

Die Helferinnen sind sich einig: Die Arbeit unter diesen Umständen ist anstrengender ist als sonst, alleine wegen der Mund- und Nasenschutz. Es ist warm, die Brillengläser beschlagen. Auch bedürfe es intensivere Vorbereitung. Nicht jeder angemeldete Tafelkunde kommt, um seine Tüte abzuholen, der Zeitplan verändert sich. Deshalb muss spontan alles angepasst werden. Kurz wird es deshalb hektisch. „Trotzdem helfen wir gerne“, sagt Rothauge.

Lebensmittel werden mit "Glücksbringer" eingesammelt

Damit die Tüten überhaupt befüllt und anschließend verteilt werden können, fahren etwa 20 Freiwillige mehrmals die Woche zu Lebensmittelgeschäften und Bäckern. Mit einem Sprinter, der den Schriftzug „Glücksbringer“ trägt, sammeln sie Lebensmittel in Märkten in Homberg, Edermünde, Kleinenglis, Singlis, Schwarzenborn, Remsfeld und Holzhausen ein.

Zwei ehrenamtliche Fahrer bei der Homberger Tafel sind Theo Lossek und Klaus Bindemann. Lossek hilft bereits seit vier Jahren, Bindemann ist seit Januar dabei. „Es ist wichtig, auch während der Krise den Menschen zu helfen, die wenig haben“, sagt Bindemann und lädt eine Kiste voller Erdbeeren in den Glücksbringer.

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