Schwindfugen machen viele Probleme

So gibt es keine Risse mehr im Fachwerk: Homberger stellt neue Technik vor

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Tüftler in Kellerwerkstatt: Der Bauingenieur Georg Ritter hat ein Verfahren entwickelt, um die Schwindfuge an Gefachen der Fachwerkhäuser zu beseitigen. 

Homberg. Das Problem ist nur ein bis drei Millimeter breit, doch es treibt den Homberger Bauingenieur Georg Ritter schon sein vielen Jahren um. Die Rede ist von der Schwindfuge, die an Fachwerkhäusern zwischen Gefach und Balken entsteht.

Die Folgen dieses winzigen Risses sind erheblich. Das Gefach ist nicht mehr wind- und wasserdicht. Es dringt Regenwasser ein, das den Lehm aufweicht und sich im Zapfloch des Gefaches sammelt. Dadurch wird das Holz faul, verrottet und am Haus entstehen große Schäden. Dieser Konstruktionsmangel unter dessen Folgen die Fachwerkhäuser seit vielen Jahrhundert leiden, ärgerten den 81-Jährigen so sehr, dass er nach einer Lösung suchte, um die Schwindfuge zu verfüllen zu können und so verschwinden zu lassen.

Die Schwindfugen in den Gefachen entstehen, weil der Lehm, der feucht in die Wand gedrückt wird, dem Druck ausweicht und sich nach dem Trocknungsprozess zwangläufig der nur Millimeter kleine Riss bildet. Um den Lehm vor Wind und Regen zu schützen, wird das Gefach verputzt und damit ist auch die Schwindfuge nicht mehr zu sehen.

Bröckelt allerdings der Putz und die Lehmausfachung wird sichtbar, entstehen Schäden, die nur teuer und mit viel Aufwand beseitigt werden können. So suchte Ritter nach einer kostengünstigen Lösung und hat sie seinen Angaben zufolge auch gefunden. Dafür werden in den Ecken des Gefachs vier Löcher mit sieben Millimeter Durchmesser gebohrt. Im nächsten Arbeitsschritt wird der Lehm mithilfe von Düsen angefeuchtet und abgespült. Wasser und Lehm werden auf der anderen Seite abgesaugt. Danach wird ein Lehmbrei unter Druck über ein Rohr mit verschiedenen Löchern eingespritzt. Der neue Lehm verbindet sich mit dem alten, angefeuchteten Lehm und füllt die Schwindfuge, Hohlräume und das Zapfloch aus. Wenn der Lehm trocken ist, werden die Bohrlöcher verschlossen und das Fachwerk ist geschützt und winddicht, erklärt Georg Ritter. Um seine Verfahren zu testen, hat er in seiner Kellerwerkstatt ein Gefach als Modell nachgebaut. Damit Zimmerleute und Restauratoren die Funktionsweise kennenlernen, hat Ritter mit seinen beiden Enkeln ein Video gedreht. Vorgestellt hat er es beim Verein „Bürger für Homberg“, in dem er Mitglied ist, und vergangene Woche bei einem Workshop im Freilichmuseum Hessenpark in Neu-Anspach.

Auch am Sonntag, 9. September, beim Tag des offenen Denkmals, präsentiert er beim Verein „Bürger für Homberg“ im Fachwerkhaus in der Enge Gasse 3, das Verfahren. Von 11 bis 15 Uhr will er mit seinem Modell Rede und Antwort stehen.

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