Lässig den Burgberg rauf 

Stadt Homberg bietet kostenlos E-Bikes an - Wir machen den Test

Tankstelle für Elektrofahrräder: Klimasc hutzmanagerin Helene Pankratz und Projektbetreuer Timo Kopke an der E-Bike-Ladestation am Homberger Marktplatz.

Mal schnell eine Tüte Milch kaufen – und sich dafür ins Auto setzen. Das tut weder dem Klima noch der Figur gut. E-Bikes können eine Alternative sein. In Homberg können die Räder mit Antrieb getestet werden.

Es ist unglaublich: Entspannt und ohne Schweißperlen auf der Stirn geht es den Homberger Burgberg rauf – und zwar nicht mit dem Auto, sondern mit dem Rad. Jeder, der das schon einmal versucht hat, weiß, dass das ein nahezu unmögliches Unterfangen ist. Wir haben uns an den Berg gewagt – mit E-Bikes, die die Stadt noch bis Ende August kostenlos verleiht.

Das Projekt

Homberg beteiligt sich für drei Monate an dem Projekt „Radfahren neu entdecken“. Die Aktion ist Teil der Nahmobilitätsstrategie „Mobiles Hessen 2030“ und wird vom Land Hessen unterstützt. Die Stadt selbst habe sich nur um die Bewerbung kümmern müssen, sagt Klimaschutzmanagerin Helene Pankratz. Die zehn Räder – fünf Pedelecs (Pedal Electric Cycle), ein E-Bike und vier Lästenräder – wurden der Stadt geliefert und können für eine Woche beziehungsweise einen Monat (Lastenräder) kostenlos ausgeliehen werden. Nutzer müssen nur eine Kaution von 50 Euro zahlen und eine Nutzungsvereinbarung unterschreiben.

70 bis 80 Homberger hätten sich bereits angemeldet, berichtet Pankratz. „Wir dachten, dass wir sehr viel mehr dafür werben müssen. Man merkt, dass die Menschen umdenken.“ Die Klimaschutzmanagerin glaubt aber auch, dass der Zeitpunkt für die Aktion von der Stadt gut gewählt wurde: „Viele melden sich, weil sie Urlaub haben.“

Die Strecke

Wir düsen mit zwei Pedelecs los, die im Sprachgebrauch bereits als E-Bikes bezeichnet werden. Sie können mit elektrischer Unterstützung bis zu 25 km/h schnell fahren – auf dem Weg von der Burg hinunter in die Stadt sind wir allerdings sogar mit 34 km/h unterwegs.

Vier verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten bieten die Räder an. Wir sind bei unserem Test knapp 26 Kilometer gefahren.

Mit den Rädern wollen wir eine Runde durch Homberg bis nach Harle drehen. Schon beim Start am Marktplatz macht sich bemerkbar: Es geht ganz schön flott vorwärts. Wir fahren durch das Mühlhäuser Feld, durch Mühlhausen nach Berge und von dort auf dem Radweg nach Hebel und Unshausen bis nach Harle, drehen eine kleine Runde durch den Ort und fahren wieder zurück nach Homberg.

Dabei dauert es keine zwei Kilometer, bis wir von den E-Bikes überzeugt sind. Bisher gehörten wir immer zu der Kategorie Radfahrer, die sich aus sportlichem Ehrgeiz nie auf ein Fahrrad mit E-Motor gesetzt hätte. „Aber der Schub beim Anfahren ist schon ganz gut“, sagt Kollegin Daria Neu. Trotzdem sitzen wir nicht nur bequem im Sattel. Wir treten kräftig in die Pedale – im Durchschnitt sind wir mit 16 Stundenkilometern unterwegs. Das ist so rasant, dass uns der Fahrtwind kalt ins Gesicht bläst.

Vier verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten bieten die Räder an. Wir sind bei unserem Test knapp 26 Kilometer gefahren.

Weiterer Pluspunkt der Räder: An dem kleinen Tacho am Lenker lässt sich einstellen, wie viel Unterstützung Radler durch den kleinen Motor auf ihrer Tour haben wollen. Es kann zwischen den Einstellungen Eco, Tour, Sport und Turbo gewählt werden.

Der Turbo-Gang wird eingelegt, als es Richtung Burg geht. Die E-Bikes sollen herausgefordert werden. Und mit ihnen bezwingen wir sogar den Berg. Radfahrer müssen zwar auch auf der höchsten Stufe ordentlich strampeln, die Muskeln brennen aber bei Weitem nicht so sehr, als hätte man den Aufstieg ganz ohne Unterstützung gewagt. Der Ausblick auf die Stadt lässt sich so gleich viel mehr genießen.

Das Fazit

Nach etwas mehr als 1,5 Stunden haben wir knapp 26 Kilometer zurückgelegt. Auf dem Weg von Homberg nach Harle wurden 106 Höhenmeter überwunden, zum Burgberg sind es von der Kasseler Straße aus 118 Höhenmeter.

Beim E-Bike-Fahren ist etwas Übung erforderlich, besonders beim Abbiegen und in Kurven wird weniger Schwung und Kraft benötigt als mit einem normalen Rad ohne Antrieb. Auch beim Anfahren bieten E-Bikes tatkräftige Unterstützung. Das sollte beim Start beachtet werden, sonst kann es sicher schnell zu einem Sturz kommen. Den Dreh hat man aber schnell raus.

Die E-Bikes sind eine umweltfreundliche Alternative zum Auto. Besonders die Lastenräder seien für Familien geeignet, sagt Pankratz. Eine Getränkekiste und ein Wocheneinkauf finden in den Kisten der Räder Platz, meint Timo Kopke vom Bauhof, der das Projekt betreut. Klar ist aber auch: E-Bikes sind mit etwa 20 Kilo schwerer als normale Räder – und mit Kosten von mehreren Tausend Euro deutlich teurer.

Mit dem kostenlosen Angebot der Stadt kann aber jeder testen, ob ein E-Bike für ihn in Frage kommt. Und wenn die Aktion schon jetzt für so viel Begeisterung bei den Hombergern sorgt, wäre ein langfristiger E-Bike-Verleih sicher eine Überlegung wert.

Stadt will mehr Sicherheit für Radfahrer

Mehr Sicherheit, mehr Radwege: Die Stadt Homberg will das Radwegenetz erweitern und verbessern. Die Stadtverordneten haben jüngst für die Vorbereitung von Förderanträgen gestimmt. Geplant ist, den Geh- und Radweg ins Industriegebiet zu verbessern. Der Weg führt bisher auf der Robert-Bosch-Straße in Richtung Sondheim. Eine Anbindung des Industriegebiets in Richtung Altstadt fehlt. Viele Menschen würden den Weg nutzen, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen, sagt Bürgermeister Dr. Nico Ritz. Es gibt drei Möglichkeiten: 

  • ein Geh- und Radweg, der von der Robert-Bosch-Straße und der Ziegenhainer Straße über die Brücke hinauf in die Stadt führt
  • ein Geh- und Radweg, der über die Zorngrabenstraße, alte Bundesstraße und die „alte“ Ziegenhainer Straße wieder auf die Ziegenhainer Straße führt
  • ein Geh- und Radweg, bei dem Nutzer über die Zorngrabenstraße und die alte Bundesstraße an der Kreuzung zu Ziegenhainer Straße und Robert-Bosch-Straße auf die Ziegenhainer Straße zurückgeleitet werden. Außerdem soll die Hersfelder Straße saniert werden. „Wir wollen den Osterbach für Radfahrer besser erschließen“, sagt Ritz. Dabei muss sich die Stadt mit der Frage beschäftigen, wie Radfahrer von den Efzewiesen zur Wallstraße geleitet werden können. Die Idee: eine Linksabbiegespur für Fahrräder zur Welferoder Straße und den oberen Teil des Steinwegs als Fahrradstraße ausweisen. Darüber hinaus soll ein Radwege-Entwicklungskonzept erarbeitet werden, in dem auch die Stadtteile berücksichtigt werden sollen, berichtet der Bürgermeister. Der Lückenschluss des Stellbergradwegs bei Mühlhausen sei inzwischen vom Landkreis bewilligt. 

    E-Bikes ausleihen

    Noch bis Ende August können die Fahrräder getestet werden. Die zehn Räder sind allerdings schon fast komplett ausgebucht. Bei der Radspaß-Aktion zum Familientag im Stadtpark am 25. August sind die Projektverantwortlichen aber mit den E-Bikes vor Ort. Dort können die Räder noch getestet werden. Eine Anmeldung dafür ist nicht nötig.  Infos gibt es bei Timo Kopke unter Tel. 0 56 81/994 243 oder per E-Mail timo.kopke@homberg-efze.de. 

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