Schaupsiel über Künstliche Intelligenz mit Jürgen Tarrach

Statttheater Homberg: Komödie "Fehler im System" begeisterte

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Sie begeisterten das Publikum in Homberg: von links Jürgen Tarrach als Lea, Tommaso Cacciapuoti als Computer-Mensch Oliver, Jantje Billker als Emma und Guido Hammersfahr als Computer-Catcher Chris Müller.

Mit der Komödie „Fehler im System“ von Folke Braband bot das Statttheater Homberg am Mittwochabend aktuelles Schauspiel um Künstliche Intelligenz und Transgender.

270 Besucher erlebten ein spielfreudiges Ensemble, das die Zuschauer zum spontanen Lachen brachte – allen voran Jürgen Tarrach als Vater Leo mitten in der Geschlechtsumwandlung zur Lea.

Nach fast 50 Jahren im falschen Körper möchte er beziehungsweise sie sich ihren Traum erfüllen, eine Frau zu sein. Mit Perücke, Perlenkette und Pumps sieht er so gar nicht dem Rechtsanwalt Eduardo Silva ähnlich, als den ihn viele aus der ARD-Reihe „Lissabon-Krimi“ kennen.

Dabei ist es für Tochter Emma (Jantje Billker) anfangs alles andere als lustig, als plötzlich „Oliver 4.0“ (Tommaso Cacciapuoti) in ihr Leben tritt. Der träumt davon, ein Mensch zu sein und spürt lebendiges Leben in sich – wahrscheinlich ein „Fehler im System“. Der Roboter sieht ihrem gerade geschassten Langzeitfreund Oliver zum Verwechseln ähnlich. Allerdings besitzt er alle guten Eigenschaften, die ihrem echten Oliver fehlen – in der Küche wie im Bett. Oliver 4.0 kann alles, weiß alles und entwickelt sogar Gefühle: „Oliver Vierpunktnull ist eine KI. Eine Künstliche Intelligenz spricht mit einer Sprachentwicklungs- und Stimmerkennungssoftware, und wenn sie was nicht weiß, fragt sie Tante Google.“

Das zieht in der Stadthalle Homberg viele Lacher auf sich, wenngleich manche auch im Halse stecken blieben. Denn so hilfreich ein menschenähnlicher Haushaltsroboter auch sein kann, haftet ihm doch auch etwas Bedrohliches an – danke künstlicher Intelligenz drohen die menschenähnlichen Computer uns selbst zu übertrumpfen, die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen.

Emma, die zwei Jahre zuvor bei er Plattform partnercook.com mehr aus einer Laune heraus eine Haushaltshilfe nachgefragt hatte, bekommt anfangs kalte Füße, als ihr der Roboter gesteht: „Ich will mein Leben mit Dir teilen.“

So ernst der Stoff auch ist, gelingt es dem Ensemble des Schlosspark Theaters Berlin in der Inszenierung eine enorme Leichtigkeit ins Spiel zu bringen, die die Zuschauer am Ende mit starkem Beifall belohnen. Etwa, als der renommierte Film- und Comedy-Star Guido Hammesfahr als schwer bewaffneter Computer-Catcher Chris Müller die künstliche Intelligenz ausfindig machen will und dabei den falschen Oliver – beziehungsweise echten – mitnimmt, um ihn als Elektroschrott zu entsorgen.

Am Ende scheitert die Liebe zwischen Emma und Oliver 4.0 an einem Systemzusammenbruch, und Jürgen Tarrach als aufgehübschte Lea gelingt ein Trumpf – Computer-Catcher Chris Müller ist auf ihn hereingefallen, der Roboter war nur gespielt. Wie gut, honorierten die begeisterten Gäste mit starkem Applaus nach dem zweistündigen Theatervergnügen in der Stadthalle.

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