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Straßensanierung stellt Fortbestand von Linde auf Holzhäuser Kirchplatz in Frage

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Von: Chantal Müller

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eine große Linde steht auf dem Dorfplatz vor der Kirche in Holzhausen.
Gilt als Kulturdenkmal: Die große Linde in der Bildmitte darf ohne Genehmigung nicht mehr gefällt werden. © Chantal Müller

Es geht um nicht weniger als um einen wohl mehrere Jahrhunderte alten Baum: Im Zuge der Straßensanierung in Holzhausen sollte die alte Linde gefällt werden. So entschied sich der Ortsbeirat – auch der Bauausschuss stimmte mit einer knappen Mehrheit dafür. Die Untere Naturschutzbehörde und die Untere Denkmalschutzbehörde haben das gestoppt.

Homberg - Die Linde auf dem Dorfplatz neben der Kirche steht wohl bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts mitten in Holzhausen. Nach einer Katasterkarte aus dem Jahr 1757, die auf dem Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen einzusehen ist, stand schon damals eine Linde an der heutigen Stelle. Die Linde spendet Schatten und gibt dem örtlichen Lindenblütenfest seinen Namen. Nun soll die Berliner Straße saniert werden. Wasser- und Abwasserkanäle sollen ebenso wie der Straßenbelag erneuert werden. Mehrere Varianten stehen dafür zur Wahl. Mit einem Spül- und Absaugverfahren für die Kanäle könnten die Wurzeln weniger stark beschädigt werden, als bei einer offenen Bauweise, sagt Bernd Herbold, Vorsitzender des Bauausschusses.

Der Holzhäuser Ortsbeirat hat einstimmig für die Fällung gestimmt. „Uns wurde gesagt, das Risiko, dass der Baum nicht überlebt, wäre sehr hoch. Egal bei welchem Verfahren“, sagt Ortsvorsteher Wolfgang Knorr. Darüber hinaus müsse die Fahrbahn im Bereich des Baumes einspurig gebaut werden, würde die Linde erhalten. Ein Kanal führe bereits jetzt am Wurzelbereich entlang. Der Baum ist in der Krone mit einem Drahtseil gesichert, damit er nicht auseinanderbricht. „Wenn es windig ist, fliegen hier Äste durch die Gegend“, sagt Dieter Ide. Zudem gebe es in Holzhausen wenige Bereich für Fußgänger, dafür aber viele Engstellen im Ort. Ohne Linde könne ein Weg angelegt werden, der Spaziergängern Sicherheit biete. Der Sicherheitsfaktor ist es auch, der den Ortsbeirat vor allem bewegt, sich für die Fällung auszusprechen. Im Anschluss an die Arbeiten solle ein neuer Baum gepflanzt werden, sagt Knorr.

Die Grünen lehnen dieses Vorhaben ab. „Die alte Linde ist ein historischer Baum, der nicht nur aus ökologischen Gründen erhalten werden muss“, teilt Fraktionsvorsitzender Klaus Bölling mit. Die Arbeiten seien darüber hinaus möglich, ohne den Baum zu schädigen. „Immer wieder wird viel zu schnell die Fällung alter Bäume geplant, obwohl sie gesund und erhaltenswert sind.“ Es müsse verhindert werden, dass immer wieder jahrhundertealte, vitale Bäume aus dem Stadtbild verschwinden. „Bis der neue Baum wieder so groß ist wie jetzt, vergehen 200 Jahre. Das erleben wir nicht mehr“, sagt Bölling.

Nabu: Linde in Holzhausen muss erhalten werden

In die Diskussion um das Fällen der alten Linde hat sich inzwischen auch der Naturschutzbund (Nabu) eingeschaltet. Auch der Kreisverband Schwalm-Eder fordert den Erhalt des Baumes. „Es ist schon länger aufgefallen, dass zunehmend weniger Rücksicht auf schutzwürdige alte Bäume genommen wird“, teilt der Kreisvorsitzende Rolf Angersbach mit. Bei Bauvorhaben würden diese immer öfter beseitigt, obwohl alternative Vorgehensweisen möglich wären. Auch Angersbach betont, dass es wurzelschonende Bauweisen gebe. Bei einem Ortstermin habe Angersbach, der Diplom-Forstwirt ist, der Linde eine Schutzwürdigkeit bestätigt. Deshalb fordert der Nabu, alternative Vorgehensweisen zu prüfen. 

Im Bauausschuss entschieden sich fünf Mitglieder für, vier gegen die Fällung. Die Untere Naturschutzbehörde bestätigt nun auf HNA-Anfrage: An ein Fällen ist nicht mehr zu denken. Laut der Bewertung von Unterer Naturschutzbehörde und Unterer Denkmalschutzbehörde ist die Linde Bestandteil der Gesamtanlage in unmittelbarer Nähe zur Kirche. „Die Linde steht als Gerichtslinde unter Denkmalschutz und ist als Kulturdenkmal eingestuft. Sie wurde bereits 1757 ins Ortskataster aufgenommen“, heißt es dazu vom Landkreis. Damit seien alle Maßnahmen, die den Baum betreffen, genehmigungspflichtig.

Weil die Linde als ortsbildsprägender Baum naturschutzrechtlich besonders schützenswert ist, wird für eine Fällung auch eine naturschutzrechtliche Genehmigung erforderlich. Gemäß des Bundesnaturschutzgesetzes sind „Verursacher eines Eingriffs“ dazu verpflichtet, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen. Das Fällen stelle einen Eingriff in das Bundesnaturschutzgesetz dar, es würde das Landschaftsbild, hier konkret das Ortsbild Holzhausens, „erheblich beeinträchtigen“. Damit die Linde gefällt werden darf, müssten Untere Naturschutzbehörde und Untere Denkmalschutzbehörde zustimmen. Diese teilen dazu mit: „Die zur Fällung der Linde erforderliche Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde nach dem Bundesnaturschutzgesetz kann wegen des ortsbildprägenden Charakters der Linde nicht in Aussicht gestellt werden.“ (Chantal Müller)

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