ABC zum Summer of Pioneers in Homberg

Summer of Pioneers in Homberg: Von A wie Abenteuer bis Z wie Zusammenhalt

Gärtnern am Marktplatz: Die Pioniere Tobias Kauer, Anna Groos, Johanna Heide haben dort ein Hochbeet angelegt.
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Gärtnern am Marktplatz: Die Pioniere Tobias Kauer, Anna Groos, Johanna Heide haben dort ein Hochbeet angelegt.

Vor fast vier Monaten haben sich Homberg und 20 Großstädter auf einen Versuch eingelassen, um gemeinsam die Lust aufs Leben auf dem Land neu zu entfachen. Einiges ist neu, seit die Pioniere da sind, einiges wurde angestoßen. Von A wie Abenteuer bis Z wie Zusammenhalt:

A wie Abenteuer für Kleinstädter und Großstädter. Die einen lassen ihr Zuhause zurück, die anderen geben den Neuen eine Chance. Wenn beide Seiten an einem Strang ziehen, kann das Abenteuer funktionieren.

B wie Beet: In der Erde graben und die Finger ordentlich schmutzig machen: Für einige Teilnehmer klingt das wie das Paradies. Deshalb haben die Pioniere nicht nur im neu gestalteten Gemeinschaftsgarten mit angepackt. Auf dem Marktplatz wachsen im kleinen Hochbeet Kräuter und Gemüse, auf dem Biohof Groß wurde zu den Hacken gegriffen, um den Spitzkohl vom Unkraut zu befreien.

C wie Coworkingspace: Für den englischen Begriff gibt es keine deutsche Übersetzung. Ein Coworkingspace lässt sich aber am ehesten als eine Art Gemeinschaftsarbeitsraum verstehen, in dem Kreative zusammenarbeiten und sich die Infrastruktur eines Büros teilen. In Homberg ist das zum Beispiel in der Fachwerkerei am Marktplatz der Fall.

D wie Design Thinking, diesen Begriff nutzen die Pioniere. Er beschreibt laut Onlinelexikon Wikipedia einen Ansatz, der zum Lösen von Problemen führen soll. Im gleichen Zuge sollen neue Ideen entwickelt werden.

E wie Eltern: Davon gibt es bei den Pionieren einige. Nicht wenige sind mit ihren Kindern nach Homberg gekommen, bringen sie in die städtischen Kitas, sehen sie hier aufwachsen. Wenn man nur wenig in sein Zuhause auf Zeit mitbringt, ist die Freude über einen Sandkasten, den die Nachbarn vorbeibringen, umso größer.

F wie Facilitator bedeutet ganz einfach: Moderator, also einer der Prozesse in einem Unternehmen begleitet. Er hilft Gruppen und Organisationen dabei, Probleme und Strategien gemeinsam zu lösen beziehungsweise zu erarbeiten. So soll Arbeit effektiver gestaltet werden.

G wie Gemeinschaftsgarten: Den haben die Pioniere, oder Homies, wie sie eigentlich genannt werden wollen, am Schloßberg angelegt. Die Grundidee dabei: Der Garten wird von einer Gemeinschaft betreut und bewirtschaftet – und kann auch von allen genutzt werden. Der Garten ist öffentlich zugänglich.

H wie Homies stammt von dem englischen homeboy oder homegirl ab, also einem Freund aus der Nachbarschaft. Das freie Wörterbuch Wiktionary übersetzt den Begriff so: Kumpel, Freund, mit dem man zusammen in einer Bande oder Gang Mitglied ist. Die Pioniere bezeichnen sich selbst ungern als Pioniere – und stattdessen als Homies.

I wie Influencer: Als Influencer werden Menschen bezeichnet, die aufgrund ihrer hohen Präsenz in den sozialen Medien als Werbepartner für Firmen infrage kommen.

J wie junge Ideen: Ausstellungsräume in leerstehenden Häusern, eine Jugendwerkstatt, Open-Air-Kino – nicht alle Ideen der Pioniere sind neu. Möglicherweise kommen sie jetzt aber zur richtigen Zeit – wenn alle an einem Strang ziehen.

K wie Know-how steht sogar im deutschen Duden. Dabei geht es um das Wissen, eine bestimmte Sache praktisch anwenden zu können.

L wie Leerstand: Davon hat Homberg mehr als genug. Mit den Freiraumstationen ist jetzt ein Anfang gemacht, vier leer stehende Ladenlokale sollen temporär belebt werden. Ob als Kinosaal, Jugendwerkstatt oder Ausstellungsraum.

M wie Mitmachen: Dazu sind alle Homberger aufgerufen. Wer Ideen hat und sich einbringen will, ist willkommen. Ganz praktisch geht das zum Beispiel am 24. und 25. August bei der Utopie-Konferenz der Leuphana Universität Lüneburg. Eines der mehr als 100 Camps, in denen Ideen für die Zukunft gesammelt werden sollen, befindet sich in Homberg. Das Thema: utopisch teilen.

N wie New Learning Designerin: das macht zum Beispiel Teilnehmerin Inga von Göler beruflich. Sie konzipiert und moderiert virtuelle Workshops mit dem Schwerpunkt auf Interaktion.

O wie offen sein gegenüber Neuem, gegenüber den Großstädtern, gegenüber Versuchen. Wenn irgendwas kein Erfolg wird: eine Erfahrung ist es allemal.

P wie Pop-Up-Küche: Die hat zwar nicht direkt etwas mit dem Summer of Pioneers zu tun, dafür aber mit dem Projekt „Ideenküche – Rezepte für die Zukunft“, das Homberg zeitgleich umsetzt. Pop-Up-Küchen sind Küchen oder Restaurants die temporär an einem bestimmten Ort aufgebaut werden, um ein bestimmtes Konzept zu testen.

Q wie Qualität verbessern – Lebensqualität. Das wollen Stadt, Pioniere und engagierte Homberger. Jeder zwar auf seine Weise, im Endeffekt aber doch mit dem gemeinsamen Ziel, die Zukunft positiv zu gestalten.

R wie rasend schnell stand die Idee im Raum, das Projekt zu verlängern. Kaum drei Monate hat es gedauert, da gab es schon die ersten Überlegungen, in eine zweite Runde zu gehen. Vormerken lassen können sich Interessierte dafür zumindest schon jetzt.

S wie Sundowner: Dieser Begriff lässt sich wohl am ehesten mit Dämmerschoppen übersetzen. Man trifft sich gemeinsam zur After-Work-Party, also abends nach der Arbeit, sitzt zusammen, redet, hört Musik – und trinkt und isst das eine oder andere. Die Pioniere veranstalten das je nach Wetterlage immer donnerstags auf der Burg.

T wie Tengen: Im badenwürttembergischen Tengen und im südwestfälischen Altena sind fast zeitgleich zum Summer of Pioneers in Homberg Großstädter unterwegs, um dort ihre Lust aufs Leben auf dem Land zu wecken. Der bundesweit erste Summer of Pioneers fand 2019 im brandenburgischen Wittenberge statt. Homberg sollte 2020 die zweite Stadt deutschlandweit sein – dann kam Corona.

U wie urbanes Leben auf dem Land: Dabei geht es darum, Vorzüge aus beiden Welten zu genießen und miteinander zu verbinden – das Leben auf dem Land, im Grünen, in der Natur einerseits. Andererseits braucht es zum Beispiel schnelles Internet, eine gute ärztliche Versorgung, eine große Auswahl an Restaurants wie in der Großstadt, um sich wohlzufühlen. Diese Idee verfolgt zum Beispiel das Projekt Kodorf von Frederik Fischer, der den Summer of Pioneers zuerst in Wittenberger ins Leben gerufen hatte.

V wie Versuch: Das ist der Summer of Pioneers in Homberg – ein Versuch. Der kann nur zum Erfolg werden, wenn sich Pioniere wie Einheimische aufeinander einlassen, sich auf Augenhöhe begegnen und zusammen arbeiten. Das bedeutet für jeden, sich aus seiner Komfortzone bewegen zu müssen.

W wie Wandel: den wollen die Pioniere aktiv mit gestalten. Zum Einen für sich ganz persönlich, zum Anderen für die Stadt, in der sie ihr Wissen einsetzen wollen.

X wie xxx: Für Teilnehmer Jörg Jessen ist es schon längst klar, für Julian Schmelzle und Christina Schmelzle-Böhm auch: Sie bleiben der Stadt auch nach dem Projekt erhalten. Wie viele Teilnehmer des Projekts tatsächlich in Homberg bleiben werden, ist noch unklar. Viele wünschen sich allerdings eine Verlängerung. Geht es weiter, beginnt die neue Runde im November.

Y wie Yoga: Auch das haben die Pioniere ausprobiert. Eine Teilnehmerin hat über mehrere Wochen hinweg öffentliche Yogastunden an der frischen Luft angeboten. Das Projekt ist inzwischen aber ausgelaufen.

Z wie Zusammenhalt: Die Gruppe versteht sich gut. Das ist längst keine Selbstverständlichkeit, wenn 20 Großstädter aus dem gesamten Bundesgebiet wild zusammengewürfelt werden und dann auch noch gemeinsam leben und arbeiten sollen. Ein wahrer Glücksfall für die Stadt und die Projektteilnehmer, das zumindest steht jetzt schon fest. (Chantal Müller)

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