Schnuppertag für Digitalprojekt in Homberg

Summer of Pioneers in Homberg: Zeit-Stiftung prüft wissenschaftliche Begleitung

Junge Menschen, die an der Teilnahme des Summer of Pioneers in Homberg interessiert sind, stehen auf dem Homberger Marktplatz auf einer Treppe, die zur Stadtkirche führt.
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Gekommen, um zu bleiben? Der Summer of Pioneers in Homberg steht in den Startlöchern. Am Wochenende schauten sich einige Bewerber die Kreisstadt an, und wurden von Bürgermeister Dr. Nico Ritz (oben links) und Projektleiter Jonathan Linker (Fünfter von links) informiert.

Der Summer of Pioneers in Homberg könnte im kommenden Jahr unter wissenschaftlicher Begleitung stattfinden: „Die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius“ mit Sitz in Hamburg sondiert derzeit Projekte für einen Schwerpunkt zur Zukunft von Stadt und Land.

Homberg - „Dabei denken wir unter anderem für 2021 an eine Zukunftsstudie“, sagt Daniel Opper, Leiter des Bucerius Lab der gemeinnützigen Stiftung, das sich mit Zukunftsfragen unserer Gesellschaft beschäftigt. Das Homberger Digitalprojekt könnte Fallbeispiel für „vorbildliche Regionalentwicklung“ werden.

Nordhessen stehe vor einer demografischen Herausforderung. In der Region wird sich viel wandeln müssen, glaubt Opper. „Das Projekt in Homberg erforscht das ganz konkret.“ Sechs Monate sollen 20 Großstädter mit Lust am Leben auf dem Land in die Kreisstadt geholt werden, um dort zu leben, zu arbeiten und neue Projekte anzustoßen. Was ursprünglich schon für dieses Jahr geplant war, wegen der Coronakrise aber verschoben werden musste, soll nun von April bis September stattfinden.

Der Leiter des Bucerius Lab war am Wochenende vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Bürgermeister Dr. Nico Ritz und Jonathan Linker, Projektleiter des Summer of Pioneers in Homberg, hatten Interessierte zu einem Schnuppertag eingeladen, zeigten die Stadt und Gemeinschaftsarbeitsraum. 20 junge Menschen kamen. „In Homberg steht ein riesiges Engagement dahinter“, sagt Opper, der sich von der Gruppe beeindruckt zeigte. „Die wollen etwas gestalten, das ist interessant zu beobachten.“

Genau darum gehe es, sagt Bürgermeister Nico Ritz. Es gelte zu analysieren, was Großstädter an einem Umzug aufs Land hindert. Eine Absage des verschobenen Summer of Pioneers sei nie in Frage gekommen: „Würden wir nicht dahinter stehen, hätten wir es schon 2020 nicht umsetzen wollen.“ Die Verlagerung sei sogar positiv, sagt Ritz. Das Projekt falle zeitlich mit der Erstellung des Entwicklungskonzeptes zur Dorfentwicklung zusammen. „In dieser Diskussion erhalten wir einen Blick aus dem Ballungsraum.“

Summer of Pioneers in Homberg: Projekt kommt bei Großstädtern an

Der Sommer der Pioniere will kreative Großstädter mit Lust aufs Land für sechs Monate in die Kleinstadt holen. Homberg als bundesweit zweite Pionierstadt kommt bei jungen Menschen an: Der angebotene Schnuppertag für Interessierte sorgte für volle Gassen. 20 junge Menschen aus Berlin, Köln, Bonn und Hamburg waren gekommen, um sich Lebens- und Arbeitsbedingungen anzuschauen.

Damit das Projekt auch in Homberg ein Erfolg wird, brauche es engagierte Menschen, sagt Christian Soult, Community Manager in Wittenberge, der zu Gast in Homberg war. In der brandenburgischen Stadt wurde das Projekt 2019 umgesetzt. „In Homberg gibt es einen sehr engagierten Bürgermeister. Das braucht so ein Projekt.“ Und den Willen zum Experimentieren. Den sollten nicht nur Teilnehmer und Organisatoren haben, rät Soult.

„Die Einwohner sollten offen auf die Menschen zugehen und sie ansprechen.“ So könnten Ideen eingebracht werden. „Offenheit ist das Wichtigste“, erzählt der Wittenberge-Pionier. Man solle keine Scheu vor den Großstädtern haben, jeder sei eingeladen, seine Zusammenarbeit anzubieten. „Die Pioniere kommen nicht, um unter sich zu sein.“ In Wittenberge etwa habe sich eine Pionierin als Online-Marketing-Managerin selbstständig gemacht. „Sie ist bis Ende des Jahres ausgebucht – von lokalen Unternehmen“, so Soult, der sich in Homberg an die motivierte Stimmung erinnert fühlte, die auch in Wittenberge vorgeherrscht habe.

Summer of Pioneers in Homberg: Auftakt Erfolg für Organisatoren

Auch für Jonathan Linker von den Homebergern, der die Leitung der Summer of Pioneers in Homberg und im nordrhein-westfälischen Altena übernommen hat, zeigte sich zufrieden mit dem Auftakt im Schwalm-Eder-Kreis. Sowohl Bewerber als auch neue Interessenten seien vorbeigekommen, um sich bei einer Stadtführung ihre mögliche Heimat auf Zeit anzuschauen. Neben einer Projektpräsentation wurde der künftige Gemeinschaftsarbeitsraum vorgestellt.

Homberg habe mit einigem punkten können: „Viele waren positiv überrascht vom Stadtbild“, berichtet Linker. Doch besonders von der Wertschätzung seien sie „baff“ gewesen. „Dass sich der Bürgermeister den ganzen Tag Zeit für sie nimmt, kannten viele nicht.“ Einige hätten davon berichtet, wie schwer es sei, Oberbürgermeister einer Großstadt für ihre Projekte zu gewinnen. Die kurzen Wege – in den Augen der Pioniere weiterer Vorteil Hombergs. Projekte seien schnell umsetzbar, denn: die Ansprechpartner gibt’s direkt vor der Haustüre.

Um alle Interessierten nach Homberg zu bringen, hatten Bürgermeister Dr. Nico Ritz und Jonathan Linker Shuttlebusse für die Fahrt vom Waberner Bahnhof nach Homberg organisiert. Die aber wurden gar nicht gebraucht. Viele kamen mit dem Auto. „Wir waren auf urbane Menschen ohne Auto eingestellt.“ (Chantal Müller)

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