Neue Impulse sind das Ziel

Summer of Pioneers: Team will Leerstände in Homberger Altstadt beleben

Mögen es bunt: Wirtschaftsförderer Johannes Maiwald und die Pioniere Johannes Kramarek und Katrin Hitziggrad an einer Freiraumstation in der Altstadt.
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Mögen es bunt: Wirtschaftsförderer Johannes Maiwald und die Pioniere Johannes Kramarek und Katrin Hitziggrad an einer Freiraumstation in der Altstadt.

Leerstände als Chance und nicht als Last begreifen: In Homberg wollen Teilnehmer des „Summer of Pioneers“ alten Ladengeschäften und leer stehenden Häusern nun die Möglichkeit geben, sich ganz neu zu entwickeln.

Homberg - Katrin Hitziggrad und Johannes Kramarek haben mit einer Arbeitsgruppe die Freiraumstation aus der Taufe gehoben. Vier Leerstände in der Homberger Alstadt wurden von den Teilnehmern des Summer of Pioneers (Sommer der Pioniere) ausgewählt und sollen schon bald bespielt werden.

Kunst, Kultur oder leckeres Essen – in den ehemaligen Geschäften lässt sich einiges machen. Davon sind Katrin Hitziggrad und Johannes Kramarek überzeugt. Wo genau sich in der Altstadt schon bald neues Leben abspielen soll, haben die Pioniere schon kenntlich gemacht: Überall im Zentrum verteilt kann der aufmerksame Beobachter Schaufenster entdecken, die mit grünen, gelben, roten, blauen Streifen beklebt um die Wette leuchten – dort soll etwas passieren.

„Leere Schaufenster strahlen etwas Düsteres aus, Farben aktivieren. Deshalb haben wir die Fenster bunt beklebt“, sagt Katrin Hitziggrad. Sie ist quasi die Leerstandsexpertin der Pioniere. Sie arbeitet im Bereich Standort- und Immobilienmarketing, hilft unter anderem Kommunen dabei, die Attraktivität ihrer Immobilien nachhaltig zu steigern.

Ziel ist es, neue Impulse zu geben und neue Aufmerksamkeit auf die Gebäude in der Altstadt zu legen. „So können neue Nutzungsideen entstehen, damit sich wieder Neues ansiedeln kann“, sagt Kommunikationsdesigner Johannes Kramarek.

Gemeinsam haben Hitziggrad und Kramarek das Projekt initiiert, unterstützt werden sie von Pionieren, Stadt, Eigentümern. Die gewählten Leerstände sollen gemeinwohlorientiert mit Leben gefüllt werden. „Freiraumstation“ haben sie das Projekt deshalb getauft, weil es die Möglichkeit gebe, Ideen frei zu entwickeln. „Es soll der Anfang einer Reise sein“, sagt Kramarek.

Und das so simpel wie möglich. Hitziggrad freut sich über das Gestaltungspotenzial in der Stadt. Großstädte seien stark verdichtet. In Homberg aber gebe es viele Möglichkeiten, etwas zu entwickeln. Kramarek bestätigt das: „Hier gibt es ein gigantisches Potenzial.“ Einer Fußgängerin jedenfalls gefällt es. Beim Rundgang zu den einzelnen Gebäuden sagt sie: „Hoffentlich bringt es was. Schön bunt ist es ja immerhin schon.“ Ein erster Anreiz jedenfalls scheint so geschafft. „Die Menschen sollen wieder in die Stadt gehen wollen“, sagt Kramarek. Mit den Freiraumstationen soll die Aufmerksamkeit zunächst auf einige zentrale Punkte gelenkt werden.

Vier zentral gelegene Gebäude wurden ausgewählt

Vier Leerstände haben sich die Pioniere zum Start ausgesucht, die bunten Aufkleber machen sie kenntlich. Ausgewählt wurden Gebäude, die auf den Sichtachsen mehrerer Straßen und sehr zentral liegen:

Mit dabei ist der Lindy Store am Marktplatz, dessen Zwischennutzung aktuell noch offen ist. Die Ursprungsidee eines Pop-Up-Stores lasse sich nicht verwirklichen, möglicherweise könnten künftig Kurzfilmabende dort angeboten werden, erklärt Katrin Hitziggrad. Denn auch das bedeutet das Projekt: ganz viel Planung und Organisation im Hintergrund, Ideen austesten und wieder verwerfen.

Offene Werkstatt für Jugendliche

In der Untergasse soll im ehemaligen Sportgeschäft auf 200 Quadratmetern eine offene Werkstatt für Jugendliche entstehen. „Dass wir uns diesen Ort ausgesucht haben, ist nicht zufällig“, sagt Hitziggrad. Früher war dort eine Orthopädiewerkstatt untergebracht, die Räume böten eine gute Grundlage. Nach und nach soll sich dort ein außerschulischer Lernort etablieren, an dem etwa unter Anleitung Fahrräder repariert werden könnten. Da das Projekt auf Gemeinnützigkeit ausgelegt ist, sucht das Team aktuell noch eine Förderung, berichtet Kramarek.

Nur wenige Meter weiter liegt das ehemalige Schuhgeschäft Koch. Dort sind Ausstellungen geplant – mit lokalen und überregionalen Künstlern, mit Kunst- und Fotografievereinen. Im September gibt es eine Ausstellung mit einem überregionalen Künstler zu sehen.

An der Ecke Untergasse/Holzhäuser Straße erstrahlt ein städtisches Gebäude bunt „Da soll das ganze Haus bespielt werden“, sagt Hitziggrad. Sobald Fragen der Verkehrssicherung geklärt seien, stünden dort auf jeder Etage jeweils zwei Räume zur Verfügung. Erste Ideen: Lesungen, Ausstellungen, gemeinsame Kochveranstaltungen. Kurzfristig ist geplant, Exponate lokaler Künstler im Schaufenster zu zeigen.

Die ehemalige Touristinfo am Marktplatz wurde ebenfalls beklebt und gilt als Freiraumstation. Sie wird derzeit als Arbeitsplatz der Pioniere genutzt, erfährt also bereits eine temporäre Zwischennutzung. Kontakt: Wer Ideen für leerstehende Gebäude hat, kann sich an die Pioniere wenden: pioneers@homberg-pioneers.de (Chantal Müller)

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