Experiment auf dem Land

Summer of Pioneers: Teilnehmer blicken auf Zeit in Homberg zurück

Jörg Jessen (links) und Jens Best lehnen sich über das Geländer der Treppe, die zur ehemaligen Löwenapotheke in Homberg führt.
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Wollen die Zeit nicht missen: Jörg Jessen (links) bleibt nach dem Summer of Pioneers in Homberg, Jens Best zieht wieder zurück nach Südhessen.

Wenn man sich auf etwas einlässt, dann ergibt sich etwas Gutes. Für Jörg Jessen und Jens Best war die Teilnahme am Summer of Pioneers in Homberg genau das.

Homberg - Sich auf etwas einlassen, Vorurteile hinterfragen, Neues entdecken. Der eine bleibt, der andere geht. Einig sind sie sich darin, dass sich der Sprung ins Unbekannte gelohnt hat.

„Ich verstehe jeden, der hier bleiben möchte“, sagt Jens Best. Der gebürtige Frankfurter ist Politikwissenschaftler und wollte als Südhesse einmal unbedingt Nordhessen kennenlernen. „Ich bin vorher noch nie bewusst nach Nordhessen gefahren.“ Besonders die Hohenburg hatte es ihm angetan, als er im Auto die A 7 entlang fuhr, erzählt er. „Und ich habe mich nach wie vor nicht sattgesehen. Es ist einfach schön hier.“

Dennoch stand für Best schon zum Start des Projekts fest, dass er im Anschluss wieder zurück nach Heusenstamm ziehen wird. Er lebt dort auf einem alten Zehnthof, hat seine Kleinstadt dort. Seine Motivation, nach Homberg zu gehen: Er wollte eine Kommune kennenlernen, die Nachhaltigkeit lebt und Digitales ausprobiert. Denn Best arbeitet als Projektentwickler in Digitalprojekten für Verbände, Institutionen und Politik. Trotz seines Umzugs will er auch weiterhin Projekte in Homberg betreuen.

Es sei die Mischung der Menschen gewesen, die das Projekt so ganz anders habe verlaufen lassen, als er es sich vorgestellt hatte. Diskutieren, Meinungen austauschen, kreativ sein. „Wir dachten, es entsteht tagsüber eine Gemeinschaft“, sagt Jörg Jessen, der sich schon früh zum Bleiben entschieden hat. Dieses Gemeinschaftsgefühl aber sei in der Gruppe erst aufgekommen, als sie begonnen hätten, auch in der Freizeit etwas gemeinsam zu unternehmen.

Das war zu Beginn gar nicht so einfach. Lange wurde diskutiert, wie ein Summer of Pioneers unter Coronabedingungen aussehen könnte. Ein Computerprogramm erinnerte die Teilnehmer daran, sich zwei Mal wöchentlich testen zu lassen. Gemeinsam waren sie nie alle im Coworking Space, berichten Jessen und Best. „Das war schade, aber notwendig“, sagt Best.

Zur neuen Lebenssituation kam die ungewisse Coronasituation. „Ich bin mit der fröhlichen Erwartung nach Homberg gekommen, dass die Gruppe gut miteinander funktioniert. Das hat sich erfüllt“, sagt Jessen.

Trotz der Doppelbelastung, Job, Projekt und neues Leben unter einen Hut zu bekommen, hätten sie ihre Freizeit gut nutzen, Homberg, den Schwalm-Eder-Kreis, die Region kennenlernen können. „Ich habe mir jedes Gewässer angeguckt“, sagt Jessen. Best sagt von sich, anfangs zu wenig erlebt zu haben. „Als die anderen Pioniere von ihren Erlebnissen erzählten, habe ich gemerkt, ich muss auch mal durchatmen.“ Jetzt könne er Freunden, die in Homberg Urlaub machen wollen, Freizeittipps geben.

Best und Jessen spielen sich im Gespräch die Bälle hin und her. Es wird spürbar, wie gut sich die Gruppe kennengelernt hat. Sie haben Verständnis, tauschen sich aus, finden neue Ideen. Und sie sagen: Es ist ein großer Luxus sich ein solches Projekt sechs Monate lang erlauben zu können. Sie wissen das zu schätzen.

Es gehe darum, den Mut zu haben, etwas Neues anzufangen. Auch die, die Homberg wieder verlassen, würden die Idee weitertragen. So wolle eines der Paare in ihrem Darmstädter Quartier eine Gemeinschaftsküche etablieren. „Es ist mehr Tolles passiert als gedacht“, sagt Best. Schlussendlich gehe es nicht um die Differenz zwischen Stadt und Land. Sondern darum, gemeinsam zu leben. (Chantal Müller)

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