Kinderbetreuung an der Stellbergschule

Syrischer Flüchtling arbeitet als Schulassistent in Homberg

Homberg. Yazan Sabagh flüchtete vor drei Jahren aus Syrien. Heute ist er als Schulassistent in Homberg eine große Hilfe.

Wenn Yazan Sabagh morgens über den Flur in der Homberger Stellbergschule schlendert, dann bleibt er nicht lange unbeachtet: Von allen Seiten toben die Grundschulkinder um den 25-Jährigen herum, grüßen ihn oder fordern ihn zum Spielen auf. Wieso auch nicht? Schließlich gehört er fest zum Kollegium der Grundschule.

Für Yazan ist das jedoch alles andere als selbstverständlich, denn bis vor drei Jahren befand sich der in Damaskus geborene Syrer noch auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg.

„Man kann viel lernen von den Kindern“, sagt Yazan, der mittlerweile als Schulassistent zwei Kinder betreut, ihnen bei den Hausaufgaben und im Unterricht hilft. Durch die großen Fenster im Eingangsbereich beobachtet er das Gewusel auf dem Schulhof.

Große Pause. „Das da sind meine“, sagt Yazan und deutet auf zwei Schulkinder, die in der Menge spielen. Yazan lächelt. Für Birgit Kieburg, Leiterin der Stellbergschule, ist der 25-Jährige eine riesige Entlastung: „Yazan ist Freund und Ansprechpartner für die Schüler. Er hat einen Draht zu den Kindern und ist unglaublich engagiert.“

Im Januar 2016, kurz nach der großen Flüchtlingswelle, mit der etwa zehn Flüchtlingskinder an die Homberger Grundschule kamen, hat sie den jungen Syrer eingestellt. Damals noch als Integrationshelfer. Yazan spricht fließend Arabisch, Türkisch und Englisch. So gelang es ihm, die neuen Sprachbarrieren zwischen den geflüchteten Familien und der Schule zu überwinden. Er half den Eltern bei Anträgen, begleitete sie zu Elternsprechtagen und veranstaltete sogar eine „Party der Begegnung“. Mit den Flüchtlingskindern holte er den Schulstoff nach.

Den „Stress“ vergessen

Sechs Monate später bot man Yazan dann die Stelle als Schulassistenten an. Seitdem arbeitet er täglich neun Stunden in der Stellbergschule. Für Yazan nicht nur eine gute Möglichkeit, seine Wohnung in Melsungen zu finanzieren. Für den 25-Jährigen ist die Arbeit in der Schule auch Ablenkung: „Hier kann ich lachen“, sagt er. „Und den Stress in Damaskus vergessen.“

„Stress“ meint in Yazans Fall den seit 2011 andauernden syrischen Bürgerkrieg, der bereits mehr als fünf Millionen Menschen zur Flucht gezwungen hat. Yazans Reise begann zu Fuß in Damaskus, führte übers Mittelmeer und endete schließlich in Wiesbaden, wo Yazan für einen Monat im Auffanglager untergebracht wurde.

Anschließend ging es für den damals 22-Jährigen nach Spangenberg und von dort aus nach Ostheim. Dort lebte Yazan zusammen mit sieben anderen Jugendlichen in einer Wohngemeinschaft. Über einen Bekannten erfuhr Schulleiterin Birgit Kieburg von dem Engagement des jungen Syrers, der bereits in seiner Zeit im Flüchtlingsheim als Übersetzer ausgeholfen hatte. „Ich habe einfach mal geklingelt“, erzählt Kieburg und erinnert sich, wie Yazan ihr damals seine Hilfe angeboten hat.

Für Yazan, der nach seinem Abitur in Syrien eigentlich Journalismus studieren wollte, ist die Arbeit in der Stellbergschule mehr als nur ein Übergangsjob. Nächstes Jahr will der 25-Jährige ein Studium oder eine Ausbildung zum Erzieher machen.

Rubriklistenbild: © Foto: Mona Linke

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