Schwalm-Eder-Kreis stellt im Haushalt drei Millionen Euro zur Verfügung

Tablets statt Bücher: Schulen im Landkreis setzen auf digitale Medien

+

Schwalm-Eder. Die Schulen im Schwalm-Eder-Kreis setzen auf die Digitalisierung und Medienbildung im Unterricht. An der Theodor-Heuss-Schule in Homberg etwa greifen die Schüler immer häufiger zum Tablet anstatt zum Buch.

Auch Kreide und Tafeln gehören zu den Auslaufmodellen. Heute schreiben Lehrer auf Smartboards, das sind interaktive Tafeln, die mit dem Computer verbunden sind.

„Der Umgang mit modernen Medien sollte zu einem Bestandteil aller Unterrichtsfächer werden“, sagt Burkhard Schuldt vom Schulamt in Fritzlar. Das sei erforderlich, um am politischen, kulturellen und sozialen Leben in der Informationsgesellschaft teilzunehmen und sie aktiv mitzugestalten. Grundvoraussetzung sei, dass die Schulen die Digitalisierung als positive Weiterentwicklung akzeptieren, so Schuldt.

Für die erforderliche technische Ausstattung und eine ausreichende Internetverbindung ist der Landkreis als Schulträger gefragt. Das sei auf dem Weg, sagt Landrat Winfried Becker, jedoch gebe es noch etliche Stolpersteine, was Förderung, den Anschluss der Schulen ans Glasfasernetz und die Anschaffung von digitalen Medien betreffe.

Außerdem können Tablets, Smartboards und Laptops auch in Zukunft nicht ohne Lehrer eingesetzt werden. „Es braucht eine gute Mischung aus digitalen Lernplattformen und einer hohen Beziehungsdichte zu einem Pädagogen“, sagt der Schulamtsleiter.

Grundsätzlich müssen die Schulen auf ihrem digitalen Weg drei Bereiche abdecken: Die Bildung durch, über und mit Medien/Informations- und Kommunikationsmitteln. Zusätzlich sei die Sensibilisierung für Gefahren im Internet entscheidend, sagt Schuldt.

Die THS bietet deswegen für die jüngeren Klassen die Kurse Medienerziehung und -etikette an. „Die Schüler sollen erkennen, was durch das Internet schief laufen kann“, erklärt Weskamp.  

Tablets lösen Gang zum Schwarzen Brett ab

Der Gang zum Schwarzen Brett oder der Blick auf einen analogen Stundenplan ist an der Theodor-Heuss-Schule (THS) in Homberg zunehmend Geschichte. Schüler und Lehrer informieren sich nämlich mit einer speziellen App über den täglichen Unterricht, Vertretungsstunden oder Ausfall. „Untis“ heißt das Programm, mit dem jeder seine individuellen Daten abfragen kann. 

„Wir wollen ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit handelt und versuchen, viele Prozesse zu digitalisieren, um vom Papier wegzukommen“, erklärt Schulleiter Dr. Ralf Weskamp. Dabei hilft das Programm „Moodle“, das vermehrt an Universitäten eingesetzt wird. Dort können sowohl Lehrer als auch Schüler Inhalte hochladen. „Das verlangt natürlich von den Jugendlichen, dass sie ein Endgerät besitzen und sich das Material herunterladen.“ Darauf wollen sich noch nicht alle Lehrer an der THS verlassen. „Wir stellen das System zur Verfügung, wie es genutzt wird, liegt im pädagogischen Ermessen der Kollegen“, erklärt Weskamp. 

Grundsätzlich gilt für die Schüler der THS das Prinzip „Bring your own device“. Das heißt, sie dürfen ihre Handys oder Laptops in den Unterricht mitbringen und nach Freigabe der Lehrer nutzen. „Das wird unterschiedlich angenommen. Manche bringen zum Beispiel im Deutschunterricht ihren Computer mit, um eine Kurzgeschichte zu schreiben“, sagt Weskamp. 

Die THS selbst stellt eine umfangreiche Ausstattung an digitalen Medien. Dokumentenkameras, die vom Schulheft Inhalte direkt an die Wand projizieren, lösen den altbekannten Overheadprojektor ab. „So können die Schüler schneller und leichter Arbeitsergebnisse präsentieren“, sagt der Schulleiter. Auch interaktive Whiteboards, mit dem Computer verbundene Tafeln, stehen den Pädagogen zur Verfügung. Für Lehrerin Jutta Kühlborn sind die Geräte eine gute Ergänzung im Unterricht.

„Ich kann den Schülern, zusätzlich zu Abbildungen in Büchern, auch Simulationen von Prozessen zeigen.“ Das sei für die Klasse oft verständlicher. Hinzu kommen 30 iPads, die Lehrer und Schüler im Unterricht einsetzen. Lehrerin Alice Schneider nutzt die Geräte zur Zeit im Sportunterricht. „Die Schüler bereiten eine Gummitwist-Choreografie vor, die sie auch filmen.“ So vergessen die Jugendlichen nicht, welche Bewegungsabläufe sie einstudiert haben. Auch Korrekturen sind leichter möglich.

 Letztendlich seien die digitalen Medien in jedem Fach einzusetzen, verlangten aber auch einen höheren Aufwand in der Vorbereitung, sagt Schulleiter Weskamp. Dass bei einigen Lehrkräften die Ausstattung nur geringfügig eine Rolle spielt, findet er nicht schlimm. „Die Medien sind nicht verpflichtend, sondern sollten da eingesetzt werden, wo es pädagogisch sinnvoll ist.“ 

Zusätzlich sei es wichtig, dass die Jugendlichen mit der digitalen Welt nicht ständig in Kontakt sein sollten, also in der Schule und der Freizeit, findet Weskamp. „Die Schüler dürfen nicht vergessen, wie es sich anfühlt, ein Buch in der Hand zu halten und darin zu blättern.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.