Ungewöhnlicher Platz für ein Praktikum: Tafel statt Kindergarten 

Homberg. Statt im Kindergarten, wie sonst üblich, verbringt Fachoberschülerin Anna Knierim aus Remsfeld ihr Jahrespraktikum im Einladen der Homberger Tafel und verteilt jeden Dienstag Lebensmittel an Bedürftige.

Eines war Anna Knierim von Anfang an klar: „Ich wollte nicht in den Kindergarten.“ Deswegen steht sie seit August hinter der Theke der Homberger Tafel. Die Schülerin verteilt jeden Dienstag Lebensmittel an Bedürftige und hilft in dem Einladen in Homberg mit. Das Jahrespraktikum ist Teil ihres Fachabiturs, das sie an der Radko-Stöckl-Schule in Melsungen macht.

Anna Knierim aus Remsfeld arbeitet gerne bei der Tafel. Während ihre Klassenkameraden zum Beispiel im Kindergarten beim Basteln und Spielen helfen, packt die 16-jährige Kisten. Dabei muss sie an vieles denken: Manche Personen essen bestimmtes Obst nicht, Andere holen gleich für mehrere Personen Lebensmittel ab. Die 16-jährige ist dabei hauptsächlich für das Obst zuständig. Je nachdem, was die Tafel bekommt, muss Knierim abschätzen, wie viele Bananen, Äpfel oder Weintrauben sie in jede Kiste packen kann: „damit jeder etwa gleich viel bekommt.“

An ihr Praktikum ist Knierim zunächst ganz pragmatisch rangegangen. Über einen Bekannten der Familie, der für die Diakonie arbeitet, habe sie mit der Tafel Kontakt aufgenommen. „Ich wusste, dass es die Tafel gibt, aber ansonsten hatte ich keine Ahnung“, erzählt die Schülerin rückblickend. Trotzdem bewarb sie sich. Und wurde genommen. Danach musste sie erstmal erklären was sie bei der Tafel macht - Freunden und Lehrern war die Stelle neu: „Ich war die erste an der Schule, die so ein Praktikum macht“, erzählt die Schülerin.

Die Verantwortung, die sie jetzt jede Woche bei der Tafel hat, gefällt ihr gut: „Ich find’s richtig cool.“ Bei Mitarbeitern und Kollegen ist sie ebenfalls beliebt, meint Tafel-Koordinator Peter Laukner: „Sie kommt durch ihre freundliche, lockere Art sehr gut an.“

Schwierige Situationen gab es bei der Schülerin noch nicht. Allerdings kriegt sie bei Kollegen mit, wenn über die Verteilung der Lebensmittel diskutiert werde. „Aber noch ist das bei mir nicht passiert“, so Knierim erleichtert.

Schicksale der Kunden 

Was sie beschäftigt, sind die Schicksale der Kunden. Manche können nicht lesen und schreiben, sie leben in Armut, sind auf die Tafel angewiesen. Das lässt Knierim auch zuhause nicht kalt. Eine gewisse Distanz zum Kunden zu wahren, damit das eben nicht passiere, das müsse sie noch lernen.

Auf jeden Fall gefällt ihr das Praktikum besser als die Schulstunden, die sie Donnerstag und Freitag noch hat. Es wäre viel abwechslungsreicher: „Man bekommt viel mit, ich darf viel machen.“ Sie ist überzeugt, dass ihr Portfolio am Ende des Praktikums dank der verschiedenen Aktionen und Aufgaben sehr interessant wird.

Auch Peter Laukner ist über die junge Helferin sehr erfreut. Er hoffe, dass noch mehr Menschen sich für die Tafel engagieren würden - vor allem junge Menschen fehlen dem Verein.

Von Benedikt Dittrich

Rubriklistenbild: © dpa

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