Teppichmanufaktur Habbishaw: Die Weber von Rückersfeld

Streifen, Dreiecke und auch Sterne als Muster: Teja Habbishaw (links) und sein Vater Dietrich Habbishaw erfüllen Teppichwünsche nach Maß. Fotos: Leissa

Homberg. Wenn es um die Gestaltung eines Fußbodens geht, hat Dietrich Habbishaw von der Teppichmanufaktur Habbishaw in Homberg-Rückersfeld genaue Vorstellungen: „Wir wollen biologisch abbaubare Teppiche herstellen."

Seit 38 Jahren sitzt die Handweberei im 40-Seelen-Ort. Einst Ausdruck einer alternativen Lebensweise, als sich Habbishaw mit zwei weiteren Familien selbst versorgte und von den Produkten ihres Bauernhofes lebte, stellt Habbishaw nun Teppiche aus nachwachsenden Rohstoffen für Kunden aus ganz Deutschland her.

Als der heute 70-Jährige die Teppichweberei seines Vaters Ende der 70er Jahre übernahm, wollte er weg von der industriellen Teppichproduktion. Er zog von Diemelstadt-Wrexen in ein Rückersfelder Bauernhaus und begann dort, Teppiche aus der Wolle eigener Schafe zu schaffen. Seine Teppiche nach Maß und den Designwünschen der Kunden bot er auf Kunsthandwerks- und Kleinmärkten an.

Halb maschinell: Eine Mitarbeiterin von Habbishaw bedient einen der vier Webstühle der Weberei.

Das Model hielt aber nicht lange: Habbishaw musste keine zehn Jahre nach Geschäftsbeginn im Schwalm-Eder-Kreis umdenken, um seine Familie ernähren zu können. Er stellte Mitarbeiter ein und kaufte weitere halbmechanische Webstühle. Statt Wolle von den eigenen Schafen zu verarbeiten wird seitdem Wolle aus der Schweiz und Island eingekauft.

Dass sein Sohn Teja einmal das Geschäft übernehmen sollte, war für Habbishaw keine Selbstverständlichkeit: „Ich glaube nicht an die traditionelle Weitergabe eines Handwerks. Alle meine Kinder haben andere Berufe gelernt und das ist gut so,“ erklärt Dietrich Habbishaw. Doch Teja Habbishaw kehrte nach einigen Jahren beim Homberger Sandalen-Hersteller MyVale zum Familienbetrieb zurück - mit frischen Ideen im Gepäck.

Die Weberei wird seitdem unter seiner Leitung umgebaut. Der 36-Jährige modernisierte bereits die Internetpräsenz mit einem neuen Design und einem Online-Bestellformular, erweiterte die Vermarktungskanäle auf Sozialen Medien wie Facebook und ließ einen Konfigurator für die Internetseite erstellen. Mit diesem können die Kunden ihre eigenen Schafwollteppiche nach ihren Muster- und Farbvorstellungen zusammenstellen.

Und Junior Habbishaw weiß genau, wie sich das Geschäft seiner Familie weiterentwickeln soll: In seiner Vision bleibt zwar der idyllische Kleinbetrieb mit sechs Mitarbeitern und vier Webstühlen im Rückersfelder „Outback“, wie er es liebevoll nennt, erhalten. Doch eine eigene Schafsherde und das zu einem Gästehaus umgebaute Elternhaus sollen einen Besuch der Teppichweberei zu einem Erlebnis machen.

Denn so könne der Kunde sich während eines Kurzurlaubs auch gleich anschauen, wie sein künftiger Teppich gemacht werde.

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