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Das hohe Lied der Freundschaft

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Von: Claudia Brandau

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Sprach vor vollem Haus: Die Theologin und Autorin Margot Käßmann las am Freitag aus ihrem Buch „Freundschaft, die uns im Leben trägt“. Es war das erste Mal seit über zwei Jahren, dass die Stadthalle voll besetzt war. Neben ihr Bürgermeister Dr. Nico Ritz.
Sprach vor vollem Haus: Die Theologin und Autorin Margot Käßmann las am Freitag aus ihrem Buch „Freundschaft, die uns im Leben trägt“. Es war das erste Mal seit über zwei Jahren, dass die Stadthalle voll besetzt war. Neben ihr Bürgermeister Dr. Nico Ritz. © CLAUDIA BRANDAU

Eine solche Menschenansammlung in der voll besetzten Stadthalle hatte es zwei Jahre lang nicht gegeben. Am Wochenende sprach Theologin Margot Käßmann in Homberg, ihre Lesung wurde von Markus Klöpfel am Klavier, Paula Klöpfel an der Flöte und Emil Klöpfel am Cello begleitet. Alle sorgten für einen beeindruckenden Abend.

Homberg - Wer am Freitagabend Margot Käßmann in der Homberger Stadthalle erlebt hat, der wird sich künftig freuen, wenn er Einladungen folgt und es bei den Gastgebern zwar wie immer nett, aber doch auch ein bisschen chaotisch aussieht.

Homberg - Denn wahre Freunde, und das ist eine Erkenntnis des Abends und fürs Leben, wahre Freunde sind auch dann willkommen, wenn man nicht das Wohnzimmer aufgeräumt und die Küche auf Hochglanz gebracht hat.

Mit dieser These, mit der die Theologin und Autorin ihren Freundschaftsbegriff auf einen sehr alltagstauglichen Punkt brachte, beglückte sie das Publikum, das diese Definition von Verbundenheit so wohl noch nicht konnte.

Eine Hommage an Menschen, denen man vertrauen kann

Käßmanns Auftritt war ein herzerfrischender Mix aus Lesung und dem Erzählen lustiger, lebendiger Geschichten – durch die bei allem Witz auch immer die Liebe zu den Frauen schimmerte, die sie seit Jahrzehnten durchs Leben begleiten. Es war also das hohe Lied der Freundschaft, von dem Margot Käßmann da sprach: Eine Hommage an das Glück, Menschen vertrauen zu können, sich für nichts schämen zu müssen, auch mal weinen zu dürfen.

Neid ist ein Freundschaftskiller

Doch das bedarf auch klarer Voraussetzungen: Interesse am anderen, ein zwangloser Umgang miteinander, Augenhöhe und vor allem – die totale Abwesenheit des Freundschaftskillers Neid. Margot Käßmann erzählte mit Freude von ihrer Freundin, der begnadeten Köchin – eine Gabe, die ihr selbst völlig abgehe. Das Talent der anderen zu bewundern, statt es zu beneiden – das ist eines der Geheimnisse, die hinter langen Verbindungen steht.

Für Margot Käßmann, für die der Besuch in Homberg ein bisschen wie ein Heimspiel war – sie war bis 1992 Pfarrerin in Spieskappel – machte auch Mut, neue Freundschaften zu knüpfen, gleich, wie alt man ist. Tipp: Wer nicht weiß, wie er zu einem Mitmenschen stehe, solle sich vor Verabredungen einfach fragen: „Freue ich mich auf den anderen oder denke ich ´Oh nein, den Termin habe ich ja auch noch!´“

Am Schluss zitierte die 63-Jährige den großartigen Bilderbuchkünstler Helme Heine: „Es ist schön, ein warmes Bett und gute Freunde zu haben.“ Ein Satz, den man sich über eben dieses Bett nageln möchte. (Von Claudia Brandau)

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