Wolfsriss vermutet

Totes Reh in Relbehausen gibt Rätsel auf

Stefanie Vogel-Wittich, Rissgutachter Gerhard Becker und Karsten Vogel bei dem toten Reh, von dem DNA-Spuren genommen wurden.
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Untersuchung: Stefanie Vogel-Wittich, Rissgutachter Gerhard Becker und Karsten Vogel bei dem toten Reh, von dem DNA-Spuren genommen wurden.

War es ein Wolf oder nicht? Am Ortsrand von Relbehausen war am Dienstagmorgen ein gerissenes Reh entdeckt worden. Nun war ein vom Land Hessen eingesetzter ehrenamtlicher Rissgutachter vor Ort, um DNA-Proben zu nehmen.

Relbehausen - Stefanie Vogel-Wittich war mit ihrem Hund spazieren, als sie das Tier morgens im Feld entdeckte. Die 34-Jährige wohnt mit ihrem Mann Karsten Vogel im ehemaligen Bahnhofshäuschen am Ortsrand. Die Pressesprecherin des Kreisbauernverbands Eschwege hat auch beruflich mit dem Thema Wolf zu tun – aufgrund des Rissbildes entlang der Wirbelsäule wurde sie aufmerksam.

Ein befreundeter Jäger sei ebenfalls der Meinung gewesen, es könne sich um einen Wolfsriss handeln. Also informierte die Relbehäuserin das Wolfszentrum am Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Aufgrund ihres Berufes wisse sie, wie wichtig eine Registrierung von Wölfen in der Region ist, erklärt Vogel-Wittich den Anruf.

Gutachter Gerhard Becker aus Melsungen konnte zunächst jedoch nicht mehr zum Vorfall sagen, als das: Vermutlich waren mehrere Tiere am Kadaver des Rehs. Kopf und Hals fehlen, das sei eher untypisch für Wolfsrisse. Becker hat bereits viele Kadaver begutachtet. Der 79-Jährige ist Jäger und seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Region als Gutachter unterwegs. In der näheren Umgebung gibt es ein Wolfspärchen, das sich zwischen Pommer, Ludwigsau und Ersrode aufhält. Gerüchten zufolge soll es in diesem Jahr Nachwuchs bekommen haben. Es gebe aber keine Beweise dafür, sagt Becker.

Die Proben, die Becker genommen hat, werden jetzt ins Wolfszentrum geschickt. Von dort aus geht es für sie weiter in das wildtiergenetische Labor nach Gelnhausen. Dort werde festgestellt, ob die DNA eines Wolfs unter den Proben ist. Die Spezialisten könnten sogar die individuelle DNA eines speziellen Wolfes bestimmen, wie etwa im Fall der Stölzinger Wölfin, die schon viele Tiere gerissen hat, erklärt Becker. Auch Kotproben von Losungen werden dafür herangezogen.

Die Auswertung der DNA-Analyse dauert in der Regel mindestens zwei Wochen. Bei Wildtieren kam es in der Vergangenheit häufig vor, dass die Auswertungen kein Ergebnis brachten – weil bei ihnen, häufiger als bei Nutztieren, sogenannte „Nachnutzer“ am Kadaver waren.

Die Bestimmung möglicher Aufenthaltsorte der Wölfe sei wichtig für das Wolfs-Monitoring. Für die beiden Relbehäuser jedenfalls ist es nicht nur wegen der Pferde, die sie auf der angrenzenden Koppel halten, wichtig zu wissen, ob es ein Wolf war. Das Haus liegt abgelegen. Waschbären und Füchse beobachten sie öfter im Garten. Einen Wolf haben sie dort noch nie gesehen, sagen sie. Handele es sich wirklich um einen Wolfsriss, wäre dies der erste, der in der Gegend rund um Homberg beobachtet wurde. (Christine Thiery)

Hessische Wolfshotline: wolf@hlnug.hessen.de, Tel. 06 41/20 00 95 22.

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