Museum zeigt alte Fundstücke aus der Altstadt

Großer Erfolg bei Ausgrabungen in Homberg

Das Foto zeigt den Archäologen Thomas Lehmann mit einem Krug in der Hand.
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Ein einziges Exponat ist vollständig erhalten: Der Archäologe Dr. Thomas Lehmann zeigt einen kleinen Krug aus dem 15./16. Jahrhundert. Lehmann half bei der Auswahl der Stücke fürs Museum.

Mitten in der Homberger Altstadt entsteht ein Multifuntionshaus. Bei Arbeiten tauchten historische Keller auf. Die Funde werden jetzt im Museum gezeigt.

Homberg – Es wurde gezockt, getrunken und Handwerk betrieben in der historischen Altstadt von Homberg. Für den einen oder anderen mag das nichts Neues sein. Was aber sehr wohl überrascht: Das Stadtgebiet war als Siedlungslage schon früh interessant. Sehr früh. Bei den Ausgrabungen auf dem Gelände des Multifunktionshauses ist eine urgeschichtliche Wandscherbe aufgetaucht, die sich auf die römische Kaiserzeit datieren lässt. Genauer: Wohl auf das Jahr 4 nach Christus. Diese Scherbe wird neben weiteren Funden im Haus der Geschichte ausgestellt.

„Es könnte sich um eine Scherbe der Chatten handeln“, stellt der prähistorische Archäologe Dr. Thomas Lehmann eine Vermutung an. Genauer jedoch lasse sich dieser bemerkenswerte Fund nicht einordnen. Zu alt, zu klein ist das Überbleibsel aus einer vergangenen Zeit. Bernd Herbold vom Vorstand des Museums Haus der Reformation ist stolz darauf. „Einen solch alten Fund hatten wir hier bisher noch nicht.“

Es ist aber nicht nur die Wandscherbe, die Aufschluss über das frühere Leben in der Altstadt gibt. Ein winziger Würfel aus Rinderknochen wurde ebenfalls entdeckt. Gerade so groß, dass er in eine Hosentasche passte. Er wurde vermutlich aus alten Schlachtabfällen hergestellt und ist ein Nachweis „für die mittelalterliche Spielwut“, sagt Lehmann, der das Museum bei der Auswahl der Stücke unterstützte.

Zu sehen sind nun etwa 50 Exponate, die die Wohnverhältnisse, Hausausstattung und das Siedlungsgeschehen veranschaulichen. Artefakte, an denen man erklären kann, dass etwa mit der gefundenen Pengsdorferkeramik klar wird, dass es Handel mit dem Rheinland in Homberg gab. Erkennbar wird das an der weißtonigen Streifenverzierung, die ins späte 12., aber auch ins 13. und 14. Jahrhundert datiert werden kann, erklärt der Archäologe.

Zeigen lässt sich auch, dass schon die frühen Homberger daran interessiert waren, hübsche Gefäße im Küchenschrank zu haben. Einige sind außen mit Glasuren versehen, ein anderes Fragment von innen. „Das wurde gemacht, um zu verhindern, dass das Essen, das häufig direkt im Feuer gegart wurde, anbrennt“, sagt Lehmann. Gleichzeitig wurde auf Äußerlichkeiten keinen Wert gelegt. Die Scherbe ist von außen unbehandelt, eine verkohlte Stelle lässt noch erkennen, dass sie zum Kochen genutzt worden sein muss.

Die Funde lassen sich laut Lehmann in vier Bereiche teilen: technische Keramik, zu denen der Experte Dachziegel zählt; Haushaltskeramik, die sich in Koch- und Vorratsgefäßen wiederspiegelt; flache Keramikschalen, sogenannte Milchsatten, die genutzt wurden, um Rohmilch zu entrahmen; und farbig glasierte Keramiken, die in die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts fallen.

Ein langer Zeitraum von der Ersterwähnung der Stadt 1231 bis ins 18. Jahrhundert. „Das zeigt, dass das Innenstadtgelände intensiv genutzt wurde. Es blieb alles an einem Ort“, sagt Lehmann. Und damit auch der Müll. „Er wurde einfach umgewälzt.“ Gefundene Schlackereste geben sogar Hinweise über die Buntmetallverarbeitung in Homberg. „Das trägt zur Identitätsbildung bei“, ist Lehmann überzeugt. Die ausgestellten Stücke zeigten, dass in Homberg nicht nur Häuser stünden – sondern auch pralles Leben herrschte.

Museum: Das Haus der Geschichte am Marktplatz 16 mit den Museen Haus der Reformation und Hohenburgmuseum ist bis zum 17. Januar geschlossen. Danach ist es montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr bzw. freitags bis 16 Uhr geöffnet. Samstags kann es von 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr besichtigt werden.

Von Chantal Müller

Gerade so groß wie ein Fingernagel: Museumsmitarbeiter zeigt den winzigen Würfel aus Rinderknochen, der bei der Ausgrabung entdeckt wurde.
Bemalte Keramik, Scherben mit Kammstrichverzierung und kleine Fragmente liegen in der Vitrine im Museum Haus der Reformation aus.

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