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Nachruf: Vater von Schlagersänger Matthias Reim prägte die Homberger Theodor-Heuß-Schule

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Georg Friedrich Reim ist tot: Der ehemalige Direktor der Homberger THS 1969 bis 1993 starb im Alter von 94 Jahren.
Georg Friedrich Reim ist tot: Der ehemalige Direktor der Homberger THS 1969 bis 1993 starb im Alter von 94 Jahren. © Thomas Schattner

Nachruf auf den ehemaligen Direktor Georg Friedrich Reim: Er war 22 Jahre der Leiter der Homberger Theodor-Heuß-Schule. Reim hinterlässt vier Söhne und deren Familien - darunter Schlagersänger Matthias Reim.

Homberg – Er war über Jahre hinweg das Gesicht der Homberger Theodor-Heuß-Schule: Georg Friedrich Reim leitetet das Gymnasium 22 Jahre lang. Jetzt starb er im Alter von 94 Jahren.

Hinter der THS lagen sowohl schulisch als auch gesellschaftlich sehr unruhige Jahre durch die Außerparlamentarische Opposition und die 68er-Bewegung als Reim 1969 nach Homberg kam.

Er war ein Mann, dem Ordnung und Disziplin viel bedeuteten. Vermutlich war dies der Grund, warum er zum Schulleiter der THS ernannt wurde, die 1968 in den großen Zeitungen als „Gegenschule“, vertreten war.

Ehemalige THS-Direktor Georg Friedrich Reim zog in der Homberger Schule auch mal den Stecker

Fast schon legendär waren seine Kontrollgänge freitags kurz vor 13 Uhr durch den Altbau, wo er nach dem Rechten sah. Und wenn es bei den Abschluss-Gags der Abiturienten zu dolle zuging, zog er auch mal den Stecker aus der Steckdose.

Legendär waren seine Ansprachen aus dem Flurfenster des Lehrerzimmers mit der „Flüstertüte“, wenn die Schüler Schneebälle auf dem Schulhof warfen: „Das Schneeballen ist strengstens verboten“.

Reim galt als fair unter den Schülern in Homberg

Reim verschaffte sich als Schulleiter so bei den Schülern großen Respekt, wurde aber von etlichen Schülern gemocht, weil er fair in seiner Notengebung war.

Reim wurde 1929 in Kleindöbbern in der Nähe von Cottbus geboren. Zeitbedingt besuchte er mehrere Gymnasien, unter anderem in Treysa. Er studierte Deutsch, Englisch und Theologie in Mainz und Marburg. Nach dem Studium trat er 1957 in Korbach seine erste Stelle als Lehrer an. Hier fungierte er ab 1965 als Seminarleiter, ehe er nach Homberg berufen wurde.

Kulturelle Glanzlichter von Reims Amtszeit

In seine Amtszeit fielen bedeutende Umbauten. Schließlich hatte er als Schulleiter ein Architekturensemble übernommen, das als Königlich-Preußisches-Lehrerseminar 1879 konzipiert wurde. Als in den 1970ern enormer Platzmangel im Haus herrschte, trug er eine radikale bauliche Entscheidung mit: Teile der historischen Bausubstanz wurden abgerissen, 1977 ein schmuckloser, zweistöckiger Flachbau errichtet, der 1995 aufgestockt und erweitert wurde., auch der Pavillon auf dem Schulhof wurde errichtet.

Es waren vor allem die fundierte vorwissenschaftliche Ausbildung, auf die Reim gern zurück blickte und die kulturellen Glanzlichter seiner Amtszeit, zu der die Schülergalerie im Keller des Nordflügels gehörte, die kurz vor seiner Pensionierung im 1991 eingeweiht wurde.

Reim als Vorkämpfer der gymnasialen Bildung

Reim engagierte sich auch schulpolitisch. Er verstand sich als Vorkämpfer der gymnasialen Bildung in der alten Bundesrepublik. Seit 1973 vertrat er als Sprecher der Obleute der hessischen Gymnasien und nach 1980 als Landesvorsitzender der Bundesvereinigung der Oberstudiendirektoren die Interessen der Gymnasien. In diesem Kontext verließ er 1976 die SPD, der er seit den 1960er Jahren angehörte.

Da aber die hessische SPD immer stärker die Gesamtschule als Schulmodell der Zukunft sah, Reim aber ein stringenter Verfechter der Gymnasien war, sah er nur den Weg des Austritts aus der Partei. Später engagierte er sich im Homberger Rotary Club, dessen Präsident er von 1983 bis 1985 war.

Georg Friedrich Reim schrieb als Pensionär ein Buch

So konservativ Reim in manchen Dingen war, so besaß sein Charakter sehr fortschrittliche Züge. Er entschied, 62-jährig in den Ruhestand zu treten. 1991 sagte er: „Man soll gehen, solange alle sagen: Schade!“ Auf seine Pläne als Pensionär angesprochen, antworte er, dass er reisen, lesen und schreiben wolle. So entstand das Buch „Kloppe, Klipp und große Klappe“, das 1993 erschien, in dem Reim seine Jugend in Brandenburg thematisierte.

In den letzten Jahren wurde es still um Reim. 2012 verstarb seine Frau Renate. Er hinterlässt vier Söhne und deren Familien. Darunter auch Schlagersänger Matthias Reim. (Thomas Schattner)

Matthias Reim hat sich auch schon mit seinem Tod beschäftigt. Der Schlagersänger plant aber noch länger zu leben als sein Vater. Lesen Sie hier, wie alt er werden möchte.

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