Verdi sagt Nein zu mehr Leiharbeit bei der Bettenwelt in Homberg

+
Das Logistikzentrum in Homberg: Die Bettenwelt beliefert etliche Filialen des Dänischen Bettenlagers.  

Homberg. Die Gewerkschaft Verdi und der Homberger Logistikbetrieb Bettenwelt streiten um einen Tarifvertrag für weniger Leiharbeit sowie für Beschäftigungssicherung.

Der Abbau der Stammbelegschaft in der Homberger Niederlassung der Bettenwelt verärgert die Dienstleistungsgesellschaft Verdi. Deshalb möchte nach Angaben von Manuel L. Sauer, Fachsekretär Handel Verdi Nord- und Osthessen, die Gewerkschaft mit der Bettenwelt einen Tarifvertrag zur Standortsicherung abschließen.

Nach Angaben von Sauer waren vor zehn Jahren 180 Mitarbeiter bei der Homberger Bettenwelt angestellt. Zurzeit zähle die Stammbelegschaft etwa 85 Mitarbeiter. Dazu kämen 35 Leiharbeiter sowie 60 Beschäftigte bei Werkvertragsunternehmen. Sein Fazit: „Der Abwärtstrend geht weiter. Festangestellte werden durch Leiharbeitnehmer ersetzt. Die eigenen Mitarbeiter werden offensichtlich zur Minderheit.“

Um ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag zur Standortsicherung Nachdruck zu verleihen, hat die Dienstleistungsgewerkschaft eine Tarifkommission gebildet. In einem Brief wird die Geschäftsleitung der Bettenwelt zu Verhandlungen aufgefordert. Ziel von Verdi sei eine Beschäftigungssicherung der gesamten Stammbelegschaft für mindestens 36 Monate.

Ferner soll die Quote der Leiharbeiter maximal zehn Prozent betragen, gemessen an der Stammbelegschaft. Darüber hinaus sollen Leiharbeiter nach sechs Monaten den gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft erhalten. Nach zwölf Monaten soll für sie ein unbefristeter Arbeitsvertrag folgen.

Mit dieser Forderung geht die Gewerkschaft über die seit dem heutigen 1. April geltenden gesetzlichen Vorgaben hinaus. Sie schreiben eine gleiche Bezahlung nach neun Monaten und eine Festanstellung nach 18  Monaten vor.

Reaktion auf ihre Forderungen und die Aufnahme von Verhandlungen erwartet die Gewerkschaft seitens der Bettenwelt bis Montag, 3. April.

Bisherige Angebote an die Betriebsrat seine nicht ausreichend gewesen, erklärt Sauer. Mit den Verhandlungen möchte die Gewerkschaft ein Ende der „Drei-Klassen-Gesellschaft in der Bettwelt“ erreichen. Vor allem soll die Stammbelegschaft nicht das Gefühl haben, sie werde nach und nach ausgetauscht.

Auch wenn die Gewerkschaft eine Verhandlungslösung vorziehe, machte Sauer deutlich: „Sollte es zu keinen belastbaren Zusagen seitens der Bettwelt kommen, bereitet sich Verdi auf Arbeitskampfmaßnahmen vor.“

Leiharbeiterquote

Die Bettenwelt beabsichtigt laut Michael Rotermund, Pressesprecher des Dänischen Bettenlagers, keinerlei Abbau fester Stellen und wolle auch keine festangestellten Arbeitnehmer durch Leiharbeiter oder Beschäftigte mit einem Werkvertrag ersetzen. Im Gegenteil: „Die Forderung von Verdi, den Anteil der Leiharbeiter auf zehn Prozent zu begrenzen, ist für uns sehr realistisch“, so Rotermund.

Derzeit seien 113 Mitarbeiter bei der Bettenwelt in Homberg beschäftigt. Auch arbeiteten aktuell 35 Leiharbeiter in dem Werk. Man habe die Kapazitäten in Homberg vorrübergehend erweitern müssen. Aus technischen Gründen könne das neue Logistikzentrum im bayerischen Kammlach erst zum Jahresende in Betrieb genommen werden. Daher versorge Homberg einen Teil derjenigen Filialen mit Ware, die eigentlich aus Kammlach beliefert werden sollten.

Man habe dem Betriebsrat in Homberg kürzlich eine Beschäftigungssicherung von 15 Monaten zuzüglich einer bis zu 27 Monate umfassenden Kündigungsfrist angeboten. Leiharbeiter sollten außerdem nur im Ausnahmefall bei saisonalen Schwankungen oder bei besonders hohem Krankenstand eingesetzt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.