Filmvorführung geplant

Von Wernswig in die Welt: Kanonenbahn beim Homberg wird 140 Jahre alt

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Kennt den Bahnhof wie seine Westentasche: Walter Weißing war Techniker bei der Firma, die den Bahnhof in Wernswig betrieben hat.

Sie wurde bombardiert, beschossen, von Fronturlaubern genutzt und diente dem Transport von Basalt in die Normandie: Die Kanonenbahn hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Sie wurde bombardiert, beschossen, von Fronturlaubern genutzt und diente dem Transport von Basalt in die Normandie: Die Kanonenbahn hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. In diesem Jahr wird sie 140 Jahre alt.

Der Wernswiger Walter Weißing hat Filme über die Kanonenbahn zusammengetragen. Er wird sie am Dienstag, 24. September, von 16 Uhr an im Bahnhofsmuseum Wernswig zeigen.

Funkverbindung wurde nie hergestellt

Walter Weißing kennt die Kanonenbahn wie seine Westentasche. Der 85-jährige war früher Techniker bei der Firma, die den Bahnhof in Wernswig betrieben hat. Dort sollte er den Zugfunk auf der Strecke der Kanonenbahn aufbauen, erzählt er. Fertiggestellt wurde die Funkverbindung jedoch nie. Der Funkbetrieb wurde 1964 eingestellt.

Die Kanonenbahn, die auch an Wernswig vorbeiführt, wurde 1871 gebaut. Sie führte auf ihrer 130 Kilometer langen Strecke von Treysa über Homberg, Wernswig und Eschwege bis nach Leinefelde. Dem Halt in Wernswig kam dabei eine besondere Bedeutung zu, berichtet Weißing: „In Wernswig wurde Quarzit und Basalt abgebaut.“ Bis zum Jahr 1943. Das Gestein wurde in die Normandie gebracht.

Güterverkehr auf der Kanonenbahn gab es bis ins Jahr 2002. Das Foto zeigt die Bahnbrücke über das Tal bei Relbehausen.

Als Hauptbahn war die Strecke vor dem Zweiten Weltkrieg auf eine Achslast von 20 Tonnen ausgebaut worden. „Das war ein Riesenvorteil“, sagt Weißing. So konnten die Züge nach Kassel fahren, falls die Main-Weser-Bahn bombardiert wurde. 

Das führte auch zu einem ungewöhnlichen Erlebnis, das Weißing als Kind hatte: „1939 hielt hier ein Zug mit Fronturlaubern. Der Zug fuhr damals von Paris nach Berlin und zurück“, erzählt er. 

In den Hochzeiten der Bahn seien am Tag bis zu 165 Züge durch Wernswig gefahren. Aber auch die Züge auf der Kanonenbahn selbst seien bombardiert worden. Im Jahr 1944 wurden laut Weißing etwa ein Personen- und ein Wehrmachtszug bei Wernswig beschossen.

Niedergang der Strecke begann in den 1980er-Jahren

In den 1980er-Jahren begann der Niedergang der Strecke. Im Jahr 1982 wurde die Kanonenbahn zum Sommerfahrplan für den Personenverkehr stillgelegt. Die Zeit des Güterverkehrs endete 2002, berichtet Weißing. 

Nach der Stilllegung wurde auch der Bahnhof in Wernswig nicht mehr genutzt – bis in den 1990er-Jahren ein kleines Museum daraus wurde. In den Filmen, die Walter Weißing zeigen möchte, soll es nicht nur um den Zustand der Kanonenbahn gehen. 

Auch Aufnahmen aus den Jahren 1990 bis 2002 sind darunter. Sie zeigen Fahrten mit der Dampflok auf dieser Strecke. Außerdem hat er einen Acht-Millimeter-Film mit Personenzugfahrten auf der Kanonenbahn ausfindig machen können. Zu den Filmen, die insgesamt etwa eineinhalb Stunden dauern, soll es Erklärungen geben.

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