Altbau entstand vor 140 Jahren

Das war das schönste Haus des Staates: Erinnerungen an das Homberger Lehrerseminar

+
Damals das größte Gebäude in der Stadt: Dieses Stadtpanorama von Homberg, das um 1880 entstand zeigt in der linken Bildecke das Königlich-Preußische-Lehrerseminar. Durch den Ziegelbau erweiterten sich die Grenzen der Stadt. Mit dem Bau war ein wirtschaftlicher Aufstieg der Stadt verbunden

Homberg – Vor 140 Jahren war es soweit: Am 24. Januar 1879 ist der Altbau der Theodor-Heuss-Schule (THS) in Homberg seiner Bestimmung übergeben worden. Damit hatte Homberg ein neues Bildungszentrum bekommen.

Spätestens mit dem Neubau des Seminargebäudes strahlte dies weit in die Umgebung aus. Aber auch in der Kreisstadt hinterließ das Seminar seine Spuren bis in die Gegenwart. Heute noch zeugt die Bezeichnung der „Drehscheibe“ davon. Sie geht auf die Ausgangsgewohnheiten der Seminaristen zurück.

Mit dem Lehrerseminar bekam Homberg ein Gebäude der besonderen Art. Einst überragte es nach der Stadtkirche die Stadt. Allein äußerlich gibt es einiges her. Die Länge von 85 Metern und die knapp 50 Meter Tiefe des fünfstöckigen Hauses zeugen von einer Machtdemonstration der Preußen, die seit 1866 Kurhessen regierten.

Durchschnittlich einhundert Seminaristen verließen nach drei Jahren Ausbildung das Seminar. Viele lebten in Privatpensionen in der Stadt. Rasch verzahnte sich die Welt des Seminars mit der der Stadt und ihrer Bevölkerung. Im gleichen Jahr nahm auch der Bahnhof seinen Betrieb auf. Beide Neubauten führten dazu, dass Homberg eine neue Prachtmeile bekam, die städtebaulich Maßstäbe setze. Der Architekt des Hauses könnte der Berliner Georg Knoblauch gewesen sein – viele seiner gebauten oder geplanten Lehrerseminare weisen große Ähnlichkeiten mit dem Homberger Gebäudekomplex auf.

Die Hessische Schulzeitung schrieb 1879 von einem „Muster der Baukunst“, sogar von einem „der schönsten Gebäude des preußischen Staates“. Für andere galt es als der modernste Bau seiner Art in Preußen. Doch das Lehrerseminar unterschied sich nicht nur in der Größe von den umliegenden Gebäuden, sondern auch im Baustil.

Erbaut wurde es im Stil des Historismus. Vor dem Hintergrund der Veränderungen der Industrialisierung entstand bei Architekten eine Unsicherheit, wie zeitgenössisch gebaut werden könnte. So existierten mehrere Stile nebeneinander. Am Homberger Seminargebäude finden sich deshalb Elemente der Neoromanik und der Neogotik sowie ehemals der Neorenaissance. Beispiele für die Neogotik finden sich noch in der Türform des alten Hauptportals und in den spitzzulaufenden Fenstern der Aula.

Alles – Architektur und Einrichtung, also Stühle, Sitzbänke, Tische, Schränke bis hin zu Notenständern, die Einfriedungen und Grundstücksmauern – wurden eigens für die Gebäude geplant und angefertigt. Das galt auch für die zusätzlichen Gebäude: Turnhalle, Ökonomiegebäude und Latrinengebäude gehörten ebenso zum Bau des Lehrerseminars, wie ein Speisesaal, eine Küche und eine Waschküche.

Dort, wo sich heute der Neubau befindet, waren die Wirtschaftsräume. Richtung Lehrerparkplatz kam ein Ökonomiegebäude hinzu. Der heutige Parkplatz diente als Seminar-Garten. Der Direktorgarten befand sich um den heutigen Pavillon herum. Der Kräutergarten dagegen lag zur Ziegenhainer Straße vor dem heutigen Kunstbereich, die Latrinen befanden sich auf der heutigen Grünfläche zwischen Neubau und Bindeweg.

Bau kostete 700.000 Mark

Mit dem Neubau des Königlich-Preußischen Lehrerseminars wurde am 1. Juli 1873 begonnen, im Herbst 1878 wurde der Bau beendet. Nach fünf Jahren Bauzeit waren 700 000 Mark (heute etwa 1,4 Millionen Euro) verbaut, eine für die damalige Zeit enorme Summe Geld. Von 1869 bis 1873 wurden in der Stadt in Frage kommende Grundstücke vermessen. Auch der Stellbergsweg war für den Bau im Gespräch. Welche Kriterien schließlich dazu führten, dass das Seminar in der Bahnhofstraße (heute Ziegenhainer Straße) gebaut wurde, darüber kann nur spekuliert werden. Der heutige Standort jedenfalls galt in der Planungsphase bereits als verworfen.

Von Thomas Schattner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.