Erweiterung ist wegen starker Gerüche nicht möglich

Wegen Schweine-Geruch: Mardorfer Kindergarten bangt um seine Zukunft

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Spielen neben dem Schweinemastbetrieb: Die Kinder des Kindergartens Mardorfer Mäuse stört es nicht. Trotzdem darf am Dorfgemeinschaftshaus keine Erweiterung für eine weitere Gruppe entstehen.

Mardorf. Dem Mardorfer Kindergarten „Mardörfer Mäuse“ droht das Aus. Die Sondergenehmigung, mit der der Kindergarten fast 40 Jahre im Dorfgemeinschaftshaus betrieben werden konnte, läuft aus.

Um sie zur verlängern, war eine Erweiterung an das Gebäude für eine weitere Kindergruppe angedacht.

Doch diese Erweiterung sei laut dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Kassel nicht möglich. Der Grund: Der Geruch eines benachbarten Schweinemastbetriebs ist zu stark. Die Bauaufsicht im Schwalm-Eder-Kreis hatte im Zuge des Genehmigungsverfahrens ein Immissionsschutzgutachten gefordert.

Ein im vom Regierungspräsidium Kassel beauftragter Gutachter stellte daraufhin hohe Geruchsemissionswerte fest. Diese seien zum Teil um 20 Prozentpunkte höher als die zugelassenen Jahresstunden in Mardorf. Der Sachverständigte äußerte zwar keine Bedenken gegen die geplante Kindergartenerweiterung, aber das HLNUG sprach eine Empfehlung gegen den Bau aus.

Die Eltern und der Ortsbeirat in Mardorf bangen nun um die Zukunft des Kindergartens. „Ich selbst wohne seit fast 70 Jahren in diesem Dorf und habe in dieser Zeit noch nie von irgendjemandem Kritik an der Lage unseres Kindergartens gehört, geschweige denn eine Rücknahme eines Kindes aufgrund einer Geruchsbelästigung aus dem Kindergarten“, sagt Fritz Vaupel, Ortsvorsteher von Mardorf. Im Gegenteil habe der Kindergarten eine erhöhte Nachfrage für Betreuungsplätze.

Der Orts- und Elternbeirat stellen daher eine Unterschriftenliste für den Erhalt des Kindergartens im Dorfgemeinschaftshaus auf. Die fast 400 Unterschriften umfassende Petition soll an der kommenden Ortsbeiratsitzung an den Landrat übergeben werden.

Die Stadt Homberg währenddessen nach Grundstücken in Mardorf, um den Kindergarten neu zu bauen.

Eltern verstehen die Entscheidung nicht

Zum Landleben gehören Schweine, Kühe und Schafe dazu. Aber riechen soll man die Tiere am Besten nicht – vor allem nicht, wenn gleich neben dem Schweinemastbetrieb ein Kindergarten liegt.

Weil es neben den Mardorfer Mäusen in Dorfgemeinschaftshaus am Rande des Homberger Stadtteils mieft, kann der Kindergarten nicht erweitert werden. Und, schlimmer noch: Dem seit 40 Jahren in Mardorf existierenden Kindergarten droht nun das Aus.

Die circa 20 Kinder umfassende Gruppe sollte vergrößert werden. Vorgesehen war eine Vollbelegung auf 40 Kinder. Der Bauantrag wurde laut Ortsvorsteher Fritz Vaupel vor einem Jahr gestellt, für den Bau wolle man Geld aus dem Kommunalen Investitionsprogramm nutzen.

Keine Gefahr

Es kam aber anders als gedacht: Ein Gutachten stellte hohe Geruchsemissionswerte aufgrund des benachbarten Schweinemastbetriebs fest.

Die zulässigen Werte von 15 bis 20 Prozent der Jahresstunden werden demnach in der gesamten Ortschaft teils deutlich überschritten. „Laut Gutachten geht für die Kinder keine Gefahr vom Schweinemastbetrieb aus“, stellt Vaupel fest.

Kopfschütteln im Ort

Das sah das Hessische Landesamt für Umwelt und Bau anders. Die Eltern der Mardorfer Mäuse und der Elternbeirat des Kindergartens verstehen die Welt nicht mehr: „Wir wohnen gleich neben dem Kindergarten. Hier im Dorf zu leben ist erlaubt, aber die Kinder sollen am besten künftig nicht mehr in diesen Kindergarten gehen?“, klagt Julia Krug, Mutter einer Tochter und Stellvertretende Ortsvorsteherin von Mardorf, und schüttelt den Kopf.

Petition geht an den Landrat

Mit einer Petition kämpfen der Elternbeirat und der Ortsbeirat von Mardorf nun um den Erhalt des Kindergartens im Dorfgemeinschafthaus. Die fast 400 Unterschriften umfassende Liste soll in der kommenden Ortsbeiratssitzung an den Landrat übergeben werden. „Wir lassen nichts unversucht“, sagt Fritz Vaupel zuversichtlich. • Termin: Ortsbeiratssitzung am Freitag, 31. März, ab 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus.

Die Bauförderung läuft nur bis 2018

Die Bauaufsicht gehe laut Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz davon aus, dass es rechtlich nicht möglich sein werde, den Kindergarten in Mardorf zu erweitern. „Ein Neubau wird immer wahrscheinlicher. Wir werden nun Alternativstandorte prüfen und den Bau des Kindergartens in Mardorf intensiv verfolgen“, sagt Ritz.

Im Gespräch seien derzeit drei Grundstücke, für die die Machbarkeit geprüft werden soll. Denn ein neu gebauter Kindergarten müsse nun in einem Bereich in Mardorf errichtet werden, wo die Geruchsemissionswerte im Normalbereich liegen. „Bei aller Überlegung: Wir können den Kindergarten aber auch nicht in den letzten Winkel Mardorfs verlegen“, sagt Ritz.

Die Zeit drängt währenddessen: Die ursprünglich geplante Kindergartenerweiterung sollte mit Mitteln des kommunalen Investitionsprogramms gefördert werden.

Langfristig denken

Die Bundesregierung stellt dem Land Hessen insgesamt 42 Millionen Euro für den Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung. Auch der Neubau könne damit finanziert werden – allerdings nur, wenn das Gebäude bis Ende 2018 vor dem Auslaufen des Investitionsprogramms fertiggestellt ist und bezogen werden kann. Es sei sinnvoll, langfristiger zu denken, sagt Ritz. „Wenn wir ein passsendes Grundstück gefunden haben, sollten wir überlegen, ob wir nicht gleich einen Kindergarten für vier Gruppen bauen sollten.“ Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen sei in der Kreisstadt immerhin noch sehr hoch.

Bis die Entscheidung fällt, ob der jetzige Kindergarten erweitert oder neu gebaut wird, bleibe alles wie es ist. Die Kinder können vorerst im Dorfgemeinschaftshaus bleiben. 

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