Weihnachtsgeschäft war kurz

Lockdown trifft Einzelhandel in Fritzlar-Homberg hart

Jutta Keim (von links) und die Filialleiterinnen Yvonne Nowak und Manuela Wagner stehen im Schuhgeschäft K+K Schuhservice.
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Alles lief gut an im neuen Geschäft: Der K+K Schuhservice hat erst letzte Woche eröffnet. Jutta Keim (von links) wurde am Montag noch von den Filialleiterinnen Yvonne Nowak und Manuela Wagner eingearbeitet.

Ein harter Lockdown hatte sich bereits in den vergangenen Tagen abzeichnet: Die Regeln der Regierung reichten nicht aus, um die Infektionszahlen zu reduzieren. Nun muss der Einzelhandel schließen – und das kurz vor der umsatzstärksten Zeit des Jahres, dem Weihnachtsgeschäft.

Fritzlar-Homberg - Besonders bedauerlich ist es für die Einzelhändler im Homberger Einkaufszentrum Drehscheibe. Gerade einmal drei Tage hatten sie ihre Läden geöffnet, als der Lockdown beschlossen wurde. Dabei war alles gut angelaufen: „Besonders am Samstag war richtig viel los“, sagt Yvonne Nowak, Filialleiterin des K+K Schuhcenters, das voll ist mit Winterware. Im Januar dränge bereits die Frühjahrskollektion in die Geschäfte. „Das muss jetzt alles zurück ins Zentrallager“, erklärt die Filialleiterin. Die drei Mitarbeiterinnen werden in Kurzarbeit geschickt – Jutta Keim hatte am Montag ihren ersten Arbeitstag.

Auch das Modegeschäft Jeans-Fritz wird wohl auf Winterware sitzen bleiben. Dabei waren die Lieferungen bereits reduziert. „Dass der Lockdown jetzt so schnell kommt, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Filialleiterin Angelika Perkins. Noch am Samstag hatte das dreiköpfige Team zwei Stunden an die regulären Öffnungszeiten dran gehängt. Jetzt geht es für sie in die Kurzarbeit.

Anders als beim ersten Lockdown im Frühjahr müssen auch die Baumärkte schließen. Das lockte die Menschen am Montag in die Fachmärkte, sagt Frank Lukas, Marktleiter der Homberger Werkers Welt. „Seit Mittwoch bemerken wir einen deutlichen Anstieg der Kundenzahl.“ Am Montagmorgen standen Kunden schon Schlange, bevor der Markt überhaupt geöffnet hatte. Unklar sei noch, ob es die Möglichkeit eines Lieferservice gebe, dazu soll es heute eine Entscheidung geben. „Wir haben in diesem Jahr höhere Umsätze gemacht als sonst – trotzdem müssen wie schauen, wie es weiter geht.“

Das muss auch Jacqueline Roscher: Sie schließt heute ihre Boutique „Modeglück“ an der Borkener Bahnhofstraße für die nächsten Wochen ab. Roscher steht hinter dem Lockdown: „Die Lage ist noch viel beängstigender als bei der ersten Welle im Frühjahr. Jetzt geht es um die Gesundheit von uns allen.“ Sie hofft inständig, dass es beim geplanten Wiedereröffnungstermin am 10. Januar bleibt: „Das klappt nur, wenn wir uns alle an die Vorgaben halten.“ Auch wenn das Geschäft geschlossen sei, bleibe das Modeglück für den Kauf von Gutscheinen telefonisch erreichbar, betont Roscher. Der Kontakt ist ihr wichtig. „Wir vertrauen darauf, dass unsere Kunden solidarisch und loyal sind, damit der Versandhandel nicht alles abgreift.“

Sowohl Katja Jankowski, Inhaberin der Bad Zwestener Buchhandlung „Akzente“ als auch viele Kunden haben den Lockdown erahnt. „Am Samstag haben wir viel zu tun gehabt“, sagt Jankowski. Sie sei gut vorbereitet auf die Schließung. Die Kunden habe sie bereits auf Facebook und mit Flyern informiert. Für heute hat sie die Öffnungszeiten verlängert: Ihre Buchhandlungen in Bad Zwesten und in Borken sind durchgehend von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Ab Mittwoch können Bestellungen über Facebook, E-Mail, die Internetseite „geniallokal“ oder per Anruf abgegeben werden. Die Ware wird dann entweder nach Absprache zur Abholung bereitgestellt oder geliefert. „Wir versuchen, alle Buchwünsche zu erfüllen“, sagt Jankowski. Bis jetzt ist sie mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden.

Noch wichtiger als der Kauf von Bekleidung, Büchern und Werkzeug ist für viele die Frage der Kinderbetreuung. Für die Kindergärten in Hessen gilt ab Mittwoch ein eingeschränkter Regelbetrieb. Viele Eltern zögen schon die Weihnachtsferien vor, berichtet Petra Drüsedau, Leiterin des Kindergartens Hand in Hand in Jesberg: Von den 66 Kindern, die dort betreut werden, haben sich am Montag viele schon in die Ferien verabschiedet. Drüsedau sieht einen deutlichen Unterschied zur ersten Schließung im Frühjahr: Die meisten Eltern gingen gut mit der Situation um, sähen die Notwendigkeit ein und seien auf Nummer sicher gegangen, indem sie sich selbst organisieren. Auch wenn die Kontakte fehlten, helfe doch alles nichts. „Wir müssen das Beste aus der Situation machen“, sagt Petra Drüsedau. (Linett Hanert, Claudia Brandau, Christina Zapf, Chantal Müller)

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