Ehrenamtliche sind im Landkreis unterwegs

Ein Engel für Eltern: Familienzentrum Homberg hilft im ersten Jahr nach der Geburt

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Sie sind ein eingespieltes Team: Ute Fleischhut (links) hilft beim Projekt Wellcome und unterstützt Konstanze Maurer und ihre Tochter Elsa.  

Homberg/Stolzenbach. Es war ein Treppensturz, der Prellungen und eine Gehirnerschütterung verursachte und die junge Mutter Konstanze Maurer dazu brachte, sich Hilfe zu suchen. 

Mehr als ein Jahr lang wurde sie von Ute Fleischhut unterstützt. Ute Fleischhut ist Teil des Wellcome-Projekts des Familienzentrums Schwalm-Eder, das jungen Familien im ersten Jahr nach der Geburt hilft. Die Ehrenamtliche ist inzwischen aber viel mehr als eine Hilfe, sie ist für die Maurers fast so etwas wie ein Familienmitglied.

Einmal die Woche hat Ute Fleischhut Konstanze und Elsa zu Hause in Stolzenbach besucht – manchmal nur eine Stunde, manchmal aber auch drei Stunden. „Im Grunde war ich einfach nur da“, sagt sie. Die Unterstützung nach Elsas Geburt reichte von „einfach nur mal das Kind halten“ bis hin zum gemeinsamen Plätzchenbacken.

Für die 22-jährige Konstanze Maurer war der Wellcome-Engel weniger eine Entlastung: „Es hat mir vor allem dabei geholfen, nicht zu vereinsamen“, erzählt sie. Ihr sei wichtig gewesen, mit jemandem über alltägliche Dinge sprechen zu können – so wie mit ihrer Mutter. „Die wohnt aber mehrere 100 Kilometer weit weg.“

Sich für ein Jahr Hilfe zu holen, sei auch für ihren Partner kein Problem gewesen, sagt Konstanze Maurer. „Wir haben kein Problem damit, auf andere zuzugehen.“

Das falle aber nicht allen so leicht, sagt Marina Otteni, Koordinatorin des Programms. „Oft melden sich Frauen bei uns und fragen nach Unterstützung.“ Häufig käme eine Hilfe aber nicht zustande, weil die Väter dagegen seien, oder es problematisch ist, dass die Ehrenamtlichen die Familien zu Hause besuchen. „Manchmal passt es auch einfach nicht zusammen“, sagt Otteni. Dann wird versucht, eine andere Ehrenamtliche für die Familie zu finden. Die sind alle keine ausgebildeten Erzieher, besuchen aber regelmäßig Schulungen im Familienzentrum, sagt Otteni.

Und so können mit dem Angebot nicht nur Eltern und Kinder glücklich gemacht werden: „Ich hatte lange auf ein eigenes Enkelkind gehofft“, erzählt Ute Fleischhut. Als das auf sich warten ließ, habe sie sich nach Möglichkeiten umgeschaut, anderen Familien mit Kindern zu helfen. Zu Elsa und ihrer Mama pflege sie inzwischen ein freundschaftliches Verhältnis. Auch wenn die Hilfe bereits ausgelaufen sei, würden sie sich noch etwa einmal im Monat sehen. „Sie wird auch zu Elsas Geburtstag und ihrer Taufe eingeladen“, sagt Konstanze Maurer.

Das Angebot der Wellcome-Engel soll eine Starthilfe sein, Eltern helfen, sich nach der Geburt ihres Kindes zu orientieren. Besonders Frauen sollen sich mit einem kleinen Kind nicht allein gelassen fühlen, sagt Otteni. Dennoch nehmen bisher nur wenige Familien diese Hilfe an, erzählt sie. Von den Engeln profitieren nicht nur die Mütter, sagt Konstanze Maurer. „Ute Fleischhut half meinem Verlobten zum Beispiel dabei, seine

Prüfungsangst zu überstehen.“ 

Die Hilfe der ehrenamtlichen Wellcome-Engel ist auf ein Jahr angelegt. Das Angebot des Familienzentrums finanziert sich durch den Bund und ist auf Spenden angewiesen. Familien müssen lediglich so viel zahlen, dass die Fahrtkosten der Ehrenamtlichen gedeckt sind. Ziel ist es, die Helfer in der Nähe ihres eigenen Wohnorts einzusetzen.

Die Unterstützung der Wellcome-Engel kann ganz unterschiedlich sein. Die einen brauchen Zeit für Gespräche, anderen hilft es, einmal in Ruhe zu duschen oder nicht alleine mit drei Kindern ins Schwimmbad zu müssen, sagt Martina Otteni. Die Ehrenamtlichen geben die Hilfe, die für die Mutter entlastend ist. Die soziale Schicht ist dabei völlig gleich, melden können sich alle Familien – auch schon vor der Geburt des Kindes. (chm)

Ansprechpartnerin: Marina Otteni, Tel. 0 56 81/938 2301, E-Mail: homberg-efze@wellcome-online.de, Familienzentrum Schwalm-Eder, Obertorstraße 5, in Homberg.

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