„Wir sind überrannt worden“

Riesige Hilfsbereitschaft in der Region – 700 Menschen spenden für Unwetter-Opfer

Der ganze Parkplatz ist voll: Auf dem Rewe-Gelände in Frielendorf packten mehr als hundert Helfer mit an, um die Spenden für die Unwetter-Opfer zu sortieren.
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Der ganze Parkplatz ist voll: Auf dem Rewe-Gelände in Frielendorf packten mehr als hundert Helfer mit an, um die Spenden für die Unwetter-Opfer zu sortieren.

Aus dem Schwalm-Eder-Kreis haben sich hunderte Menschen für eine große Spendenaktion für die Unwetter-Opfern zusammengetan. Eine Organisatorin ist überwältigt.

Schwalm-Eder-Kreis – Die Bereitschaft, den Menschen zu helfen, die durch die große Unwetterkatastrophe alles verloren haben, ist auch im Schwalm-Eder-Kreis riesig. Eine spontane und umfangreiche Spendenaktion am Samstag machte dies überdeutlich. 700 Menschen aus dem ganzen Landkreis brachten Kleidung, Möbel, Lebensmittel und vieles mehr auf das Rewe-Gelände in Frielendorf. Ein 40-Tonner der Rauter Spedition war innerhalb weniger Stunden bis oben hin voll.

Außerdem wurde ein weiterer 7,5-Tonnen-Lkw, ein Anhänger der Tiernothilfe Schwalmstadt sowie ein privater Anhänger beladen, sagt Organisatorin Antje Buttlar. Die Fahrzeuge brechen in diesen Tagen in die Krisenregionen im Westen auf. „Die Bereitschaft ist riesig“, sagt auch Torsten Mattern vom Technischen Hilfswerk, der das Ganze mit koordiniert. Eigentlich sei auch der Rewe in Homberg als Anfahrtsort angedacht gewesen, aber das hätte den Rahmen gesprengt. Denn tatsächlich – schon um die Mittagszeit zeichnete sich am Samstag ab: Bald ist alles voll.

Schwalm-Eder-Kreis: Spenden für Unwetter-Opfer mussten vorerst gestoppt werden

Die Lebensmittel würden nach Ahrweiler gebracht, der Rauter-Lkw steuere den Nürburgring an, bestätigt Antje Buttlar. Die Autos standen Schlange, das Handy der Buttlars nicht mehr still. Buttlar erklärt: „Zurzeit sind die Spenden bis auf Weiteres gestoppt, wir haben keine Lagerkapazitäten mehr vor Ort.“ Ihre eigene Garage habe sie in der Not auch noch vollgepackt. Die nächste Aktion werde es geben, wenn die Lager aufgeräumt sind und aus den Krisenregionen mitgeteilt wurde, was benötigt wird. „Dafür haben wir schon wieder mehrere Lkw angeboten bekommen.“

Tragen unzählige Päckchen hin und her: Björn Franke (links) und Andre Heid.

Zwischenzeitlich habe man auch darüber nachgedacht, selbst mit Bussen und Freiwilligen in die betroffenen Regionen zu fahren, um vor Ort zu helfen. Dort müsse das THW zunächst aber professionell aufräumen. „Frielendorf ist großartig“, staunte auch Bürgermeister Thorsten Vaupel, der sich wie unzählige weitere Feuerwehrkameraden in seine Einsatzkleidung geworfen hatte, um spontan beim Verladen der Hilfsgüter zu unterstützen.

Unwetter in Deutschland: Organisatorin aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu Tränen gerührt

Antje Buttlar, Podologin in Homberg und Frielendorf ist fassungslos. Sie hat Tränen in den Augen. Eigentlich wollte sie in Gedanken an die Unwetterkatastrophe in Teilen Deutschlands am Wochenende einfach nur „etwas tun, irgendwie helfen“. Dass daraus eine gigantische Hilfsaktion würde, bei der Hunderte von Menschen zusammenkommen, die im Nullkommanichts einen tonnenschweren Lkw mit Spenden beladen – das hätte sie nicht gedacht.

„Wir sind überrannt worden“, so das Fazit von Klaus-Dieter Rohr, der gemeinsam mit Michael Buttler den Sachspendenaufruf zur Hochwasserhilfe gestartet hatte und eigentlich nur mit zwei bepackten Anhängern ins Krisengebiet rund um Ahrweiler starten wollte. Doch kaum waren die ersten Minuten am Sammelpunkt am Rewe-Markt verstrichen, war klar, die Anhänger reichen nicht. Viele hatten spontan beim Verladen der Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, Spielsachen, Küchenutensilien, Lebensmittel und Hygieneartikel unterstützt.

Schwalm-Eder-Kreis: Weitere Lieferungen in Unwetter-Krisengebiete möglich

„Über 100 Helfer haben mitangepackt. Ohne die Feuerwehr hätten wir das nicht bewältigen können“, freute sich Michael Buttler, der die Aktion startete, nachdem ein befreundeter Kadett-Schrauber in der Region Ahrweiler von der Not berichtet und um Hilfe gebeten hatte. „Ohne den 40-Tonner und die weiteren Lkw hätten wir keine Chance“, so Rohr, der niemals mit solchen Mengen an Spenden aus der gesamten Region gerechnet hätte und dankbar auf die von Speditionen, Unternehmen und Vereinen zur Verfügung gestellten Transportfahrzeuge blickte. Am Nachmittag war allein ein ganzer 40-Tonner mit Kleiderspenden gefüllt.

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Ein weiterer Anhänger nahm sämtliche Lebensmittelspenden wie Trinkwasser, Konserven, Honig, Nudeln, Süßigkeiten, Tiernahrung und vielen mehr auf, bevor ein weiterer Transporter mit Hygiene- und Babyartikeln gefüllt wurde. Im Nu sortierten Freiwillige wie Steffi Freund Kisten, Taschen und Beutel voller Duschgele, Cremes und Windeln, um wenigstens ein bisschen Ordnung ins Spendenchaos zu bringen.

„Wir werden in Etappen fahren und bestimmt auch in 14 Tagen nochmal eine Nachlieferung in die Region bringen“, so Roth. Hin und wieder hätten Menschen auch versucht, ihren Sperrmüll zu entsorgen. „Was uns hier auffällt, wird gleich aussortiert“, so Buttler. Auch Lebensmittel die eine Kühlkette nötig hätten, konnten die Helfer nicht einpacken. Insgesamt, so schätzten die Helfer, hätten mehr als 700 Menschen gespendet. (zrd/neu)

Darüber hinaus koordiniert die Bundesbereitschaftspolizei Kassel-Fuldatal die Fluthilfe. Die flutartigen Unwetter sorgen für dramatische Szenen in vielen Orten Deutschlands. In einem Video ist eine spektakuläre Rettung zu sehen. 

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