Zäune sollen verstärkt werden

Nach Wolf-Ausbrüchen: Jetzt äußert sich der Wildpark Knüll

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Wird noch gesucht: Zwei Wölfe sind aus dem Wildpark Knüll entkommen. Einer von ihnen wurde getötet, der zweite wird noch gesucht. 

Der Wolf, der am Freitag aus dem Wildpark Knüll entkommen konnte, wird immer noch gesucht. Außerdem gibt es jetzt eine Erklärung dafür, warum der zweite Wolf erschossen wurde. 

Zuletzt aktualisiert um 15.45 Uhr. Für Menschen besteht nach Einschätzung der Parkleitung derzeit keine unmittelbare Gefahr. Das teilte der Landkreis am Montag mit. Die Tiere können am Tag Strecken von bis zu 50 Kilometern zurücklegen.

Der zweite Wolf wurde noch am Freitagabend im Wildpark erschossen. Grund dafür sollen Sicherheitsgründe gewesen sein. Eine Betäubung sei nicht möglich gewesen, sagt Sprecher des Landkreises, Stephan Bürger. Für einen gezielten Betäubungsschuss hätten sich die Experten den Tieren nicht ausreichend nähern können. „Das Schießen war notwendig, da die Gefahr bestand, dass die entlaufenen Wölfe, die sich im Park frei bewegenden Wildtiere weiter aufscheuchen.“ Es hätte zu einer Panik unter den Tieren kommen können. Außerdem habe die Gefahr bestanden, dass sie sich verletzen und durch ihren natürlichen Fluchtinstinkt den Außenzaun des Parks durchbrechen. „Das hätte eine Verkehrsgefährdung dargestellt“, berichtet Bürger. 

Wildpark Knüll: Zäune werden verstärkt

Die Zäune der Anlage, in der die Bären und Wölfe untergebracht sind, werden nun verstärkt. „Wir bedauern diesen erneuten Ausbruch sehr“, sagt Bürger. Trotz regelmäßiger Kontrollen des Geheges sei es den Wölfen gelungen, den Zaun zu beschädigen und durch das Loch „die Flucht anzutreten“. 

Es seien inzwischen mehrere Wolfssichtungen gemeldet worden, die nun überprüft würden. Es wird weiter zur Vorsicht geraten, auch wenn Experten die Gefahr für Menschen als gering einschätzen. Hunde sollen an der Leine gehalten werden. Dass Tiere in Freilandhaltung gefährdet sind, könne nicht ausgeschlossen werden. Der Wolf kennt die Jagd im Freien bisher nicht. Es besteht die Möglichkeit, dass er sich potentiellen Beutetieren nähert, sagt Bürger.

Drei Ausbrüche in drei Jahren aus der Anlage, in der die Bären und Wölfe untergebracht sind, hat es in den vergangenen Jahren gegeben. Der erste ereignete sich im Jahr 2016. Damals brach die Braunbärin Alexa aus, wurde betäubt und ins Gehege zurückgebracht. Die Bärin hatte sich durch einen Gang für die Wölfe gequetscht und war von dort auf die Besucherbrücke gelangt. Das Gehege wurde mit Strom ausbruchssicherer gemacht. Anfang 2018 büxten zwei Wölfe aus und gelangten in den Außenbereich. Jetzt überwand ein Wolf auch die Außenanlage des Parks.

Hintergrund: So verhalten sich Wölfe gegenüber Menschen

Wie reagiert ein Wolf auf den plötzlichen Freigang und wie sollten sich Menschen verhalten? Hier klären wir mit Franziska Mehlhorn die wichtigsten Fragen. Sie ist Wolfsexpertin bei dem Nabu-Projekt „Wolf in Hessen“.

Wie reagiert der Wolf auf den plötzlichen Freigang?

Es ist schwierig, das Verhalten mit einem wildlebenden Wolf zu vergleichen, es kann aber von dem arttypischen Verhalten abweichen. Das Tier ist Menschen und deren Verhalten gewohnt. Die Reaktionen des Tieres auf plötzlichen Freigang lässt sich aber schlecht einschätzen, sagt Mehlhorn.

Der Wolf ist es gewöhnt, gefüttert zu werden. Wie versorgt er sich jetzt mit Futter?

Das Jagdverhalten des Tieres lasse sich schlecht einschätzen, da es in Gefangenschaft nie jagen musste. Der Wolf könnte deshalb Menschen mit Nahrung in Verbindung bringen und sich ihnen gegenüber weniger scheu und neugieriger zeigen, als es ein wilder Wolf tun würde. Er wird vermutlich Nahrungsquellen suchen, die er mit wenig Energieaufwand erlegen kann. Grundsätzlich benötigt ein ausgewachsener Wolf laut Mehlhorn zwei bis drei Kilo Fleisch pro Tag. Die Tiere könnten aber bei Beutetiermangel auch zwei Wochen lang hungern.

Welche Strecken kann das Tier zurücklegen? Wie schnell ist er?

In einer Nacht kann ein wildlebender Wolf bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von acht bis zehn km/h bis zu 70 Kilometer wandern. Das normale Territorium eines Rudels liegt laut Mehlhorn bei etwa 250 Quadratkilometern Fläche.

Viele sorgen sich vor dem Wolf. Wie gefährlich kann er für den Menschen werden?

Wilde Wölfe verhalten sich in der Regel scheu bis gleichgültig gegenüber Menschen, erklärt Mehlhorn. Dennoch ist ein gewisser Respekt nötig. „Jungtiere lernen schon von den Eltern, dass der Mensch gefährlich sein könnte“, sagt sie. Ein Wolf, der Menschen kennt, besitzt aber weniger Scheu vor ihnen Auch das Anfüttern könne die natürliche Scheu des Wildtieres verringern.

Wie sollte man reagieren, wenn man auf einen Wolf trifft?

Hunde sollten angeleint werden, Menschen sollten sich ruhig verhalten und nicht wegrennen. Das Tier sollte beobachtet werden, außerdem sollte man auch sich aufmerksam machen. „Lautes Rufen oder Klatschen kann das Tier vertreiben“, berichtet Mehlhorn. Durch das Fotografieren könnte sich der Wolf bedroht fühlen.

Wo liegen die größten Unterschiede zwischen einem Hund und einem Wolf?

Ein Wolf ist etwa so groß wie ein Deutscher Schäferhund, er besitzt graue Haare mit verschiedenen Schattierungen und weiße Zeichnungen im Schnauzenbereich. Derzeit hat er ein dichtes Winterfell und wirkt damit kräftiger als ein Hund. Außerdem, so die Expertin, läuft ein Hund oft neugierig im Zick-zack durch die Natur. Ein Wolf wirkt zielstrebig, um Energie zu sparen.

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