Älteste Bäckerei der Kreisstadt findet keine Mitarbeiter

Zukunft der Bäckerei Stübing in Homberg ist ungewiss

Zwei Frauen stehen nebeneinander und  präsentieren Brote
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Wissen noch nicht, wie es für die Homberger Bäckerei Stübing weitergeht: Inhaberin Sandra Zimprich-Fuchs (links) mit Verkäuferin Beate Rejsek.

„Wir wissen nicht, wie es für uns weitergeht.“ Bäckermeister Stefan Stübing macht kein Geheimnis aus der Tatsache, dass die Zukunft der Homberger Traditionsbäckerei ungewiss ist.

Traditionsbäckerei seit 1843: Die Homberger Bäckerei Stübing liefert hochwertige Backwaren. Jetzt aber ist die Zukunft ungewiss. Das

Homberg – Sieben Filialen in der Region hat er zum Jahresende geschlossen, unter anderem in Bad Zwesten, Melsungen, Zimmersrode, Wabern: „Wir haben einfach nicht genügend Personal, um den Betrieb an all den Standorten weiterführen zu können wie bisher,“ sagt der 52-Jährige.

Neue Inhaberin

Mit „wir „meint er sich und seine Lebensgefährtin Sandra Zimprich-Fuchs, die seit dem 1. Januar auch die Inhaberin der Traditionsbäckerei ist, Stübing arbeitet nun als angestellter Bäckermeister in der Backstube. Als einzige Fachkraft, unterstützt von motivierten und fleißigen, aber eben nicht qualifizierten Mitarbeitern. „Einen gelernten Bäcker zu finden ist so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto zu haben“, sagt Stübing: „Dabei brauchen wir dringendst qualifizierte neue Kräfte.“

Sucht überall Verstärkung

Er hat Aushänge an den Ladentüren angebracht, inseriert, überall Verstärkung fürs Team gesucht. „Aber wenn überhaupt Leute anriefen und sie dann hörten, dass wir ab dem frühen Morgen backen und ausliefern, haben sie dankend abgelehnt und aufgelegt.“

Einzelkämpfer

Was es bedeutet, Einzelkämpfer zu sein, hat er erst wieder vor wenigen Wochen gemerkt, als er krank wurde – und keiner da war, der ihn vertreten konnte. Also schmiss er, Krankheit hin oder her, wie jeden Tag den Backofen an.

Handwerksbetrieb braucht Handwerker

Die Frage aber, wie lange diese Situation haltbar ist, treibt Stefan Stübing und Sandra Zimprich-Fuchs um. Vor zwei Jahren hatte die Bäckerei Insolvenz angemeldet, dann aber doch wieder die Kurve bekommen. Heute, und das sei der Unterschied zu damals, gehe es aber nicht um Geld, sondern um die Frage, wie ein Handwerksbetrieb ohne Handwerker bestehen könne, sagt Stübing.

Zudem habe sich das Einkaufsverhalten geändert. Auch wenn die Bäckerei viele treue Kunden habe, gebe es doch immer mehr menschen, die beim Einkauf im Supermarkt auch gleich die Backwaren holten – weil es bequem ist, und weil viele es in Coronazeiten vermeiden, noch mehr Geschäfte aufzusuchen als nötig.

Was würden Stübing und Zimprich-Fuchs am liebsten machen? „Bis 65 hier in unserem Betrieb arbeiten“, sagt die 45-Jährige. Das würde der Bäckermeister natürlich auch gerne, immerhin hält er in fünfter Generation die Familientradition am Backofen aufrecht. „Mit Tradition alleine kann man aber auch keine Familie ernähren“, habe ihm neulich ein Anwalt gesagt. Aber ohne Angestellte kann man auch keinen Betrieb führen – das weiß der 52-Jährige selbst am Besten, das muss ihm niemand sagen.

Backofen soll nicht ausgehen

Das Telefon klingelt, der Inhaber einer Verkaufsstelle hat die Gerüchte gehört, dass die Bäckerei schließen würde, hat Sorge, nicht mehr beliefert zu werden. Er ist nicht der einzige, der diese Woche anruft: „Doch, ja natürlich bekommen Sie weiter unsere Ware geliefert“, sagt Sandra Zimprich-Fuchs zum Anrufer. „Und falls sich etwas ändern sollte, geben wir Ihnen natürlich rechtzeitig Bescheid.“ Die Stammkunden der Bäckerei hoffen, dass dieser Bescheid noch lange nicht kommt. Es wäre ein Jammer, wenn Hombergs ältester Backofen demnächst ausginge. (Von Claudia Brandau)

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