Kauf von Klinikkomplex

Ehemalige Klinik in Homberg: SPD fordert Bürgerbeteiligung

Nach einer fast zehnjährigen Hängepartie soll die Stadt ran und sich um den verfallenden Klinikkomplex in Homberg kümmern. Die SPD will die Bürger beteiligen.

Wurde vor zehn Jahren geschlossen: Die ehemalige Kreisklinik an der Melsunger Straße in Homberg steht seit einem Jahrzehnt leer. Genauso lange tat sich auf dem Grundstück nichts. Jetzt diskutiert die Politik über das Kaufangebot des Asklepioskonzerns an die Stadt.

Asklepios unterbreitete der Stadt Homberg ein Kaufangebot über einen Euro. Die hat bis zum Sommer 2021 Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Die SPD macht nun einen Vorstoß, der die Diskussionen über das Kaufangebot ins Rollen bringen könnte.

In einem Antrag, über den in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 10. September, abgestimmt werden soll, fordern die Sozialdemokrraten, die Homberger Bevölkerung an den Planungen für einen möglichen Rückkauf und eine zukünftige Nutzung einzubeziehen. Zunächst seien allerdings Folgekosten, Kontaminierung und Wertgutachten vorzulegen, „um uns allen eine faktenbasierte Lagebeurteilung und Meinungsbildung zu ermöglichen“, heißt es dazu.

Ehemalige Klinik in Homberg soll nicht verfallen

Die Schließung der ehemaligen Klinik habe die Homberger Seele verletzt, sagt Fraktionsvorsitzender Stefan Gerlach. „Wir sehen, wie die Gebäude verfallen. Es ist wichtig, jetzt in einen Dialog zu kommen“, begründet er den Antrag. Egal wie die Stadt und das Parlament sich bis zum Sommer 2021 entscheide, sie wird weitreichende Folgen haben. „Entweder wird es uns Geld kosten oder es bleibt ein Lost Place“, sagt Gerlach. Und meint damit einen verlassenen Ort, der für Fotografen einen Reiz als illegalen Treffpunkt hat.

Mit der Forderung, die Bevölkerung in die Entscheidung mit einzubeziehen – die SPD spricht in ihrem Antrag von Infoveranstaltungen, Diskussionsforen, einem Runden Tisch und Bürgerbefragungen – wolle die Fraktion verhindern, dass die Entscheidung im Vorfeld der Kommunalwahl in eine bestimmte politische Richtung gelenkt werde, so Gerlach, der es grundsätzlich gut findet, dass die Stadt mit dem nun vorliegenden Kaufangebot über einen Euro in einen konstruktiven Dialog mit Asklepios einsteigen könne.

Ehemalige Klinik in Homberg: Gutachten sollen erstellt werden

Der Fraktionsvorsitzende betont aber auch: „Es wird Geld kosten. Deshalb brauchen wir belastbare Zahlen.“ Denn auf die Stadt kämen im Falle eines Kaufs erhebliche Folgekosten zu. „Wenn es richtig schlecht läuft, dann ist die Fläche stark kontaminiert. Das ist für die Stadt finanziell nicht zu stemmen.“

Mögliche Wertgutachten sowie Gutachten, die Auskunft über eine mögliche Kontaminierung geben, seien in beiderseitigem Interesse. Man müsse gemeinsam schauen, welche Kosten auf alle Beteiligten zukämen. Doch Gutachten kosten viel Geld. Geld, das die Stadt ausgeben soll? „Normalerweise müsste der Käufer die auf den Tisch legen“, findet Gerlach: „Asklepios will uns den Kauf schmackhaft machen.“ Aus seiner Sicht habe deshalb der Klinikkonzern den wesentlichen Teil der Kosten zu übernehmen – der Sozialdemokrat kann sich vorstellen, dass sich die Stadt beteiligt. Da der Konzern jahrelang nach Käufern gesucht hat, glaubt Gerlach, dass es schon Gutachten geben muss.

Das Kaufangebot sehe er mit „gemischten Gefühlen“. Einerseits sollte das Gebäude nicht verfallen, andererseits könne die Stadt nicht alles finanzieren. „Wir müssen uns auf einen Austausch und kreative Ideen einlassen und die Bürger dabei abholen.“ Foto: maja yüce

Von Chantal Müller

Rubriklistenbild: © Chantal Müller

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.