Er sagt dem Tanzplatz ade

Homberg: Landart-Künstler Dr. Hans Joachim Bauer löst Atelier auf

Wirkungsstätte: Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer gibt sein Atelier in Mardorf am Tanzplatz nach 27 Jahren des künstlerischen Schaffens auf.
+
Wirkungsstätte: Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer gibt sein Atelier in Mardorf am Tanzplatz nach 27 Jahren des künstlerischen Schaffens auf.

Eine Ära geht zu Ende: Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer löst sein Atelier in Mardorf auf. Am 10. März 2021 schließt er die Türen zu seiner Kunst im Homberger Stadtteil. 

Mardorf – Eine Ära geht zu Ende: Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer löst nach 27 Jahren sein Atelier in Mardorf auf. Derzeit verkauft er Kunstwerke und Mobiliar aus seinem Atelier. Am 10. März schließt er die Türen zu seiner Kunst im Homberger Stadtteil. Bauer zieht nach Göttingen – und will dort weiter künstlerisch aktiv bleiben.

Ein alter Tanzsaal in Mardorf wurde 1993 zu dem Ort, an dem der Homberger Berufsschullehrer mit Anfang 50 seine zweite Karriere starten sollte. Der Raum war Atelier und Heimat zugleich. Es sei immer ein Wunsch gewesen, seine Ideen in Kunst umzusetzen – und dafür habe er eben einen speziellen Ort gebraucht, erzählt Bauer. Den fand er in dem großen Saal.

Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer löst sein Atelier in Mardorf auf

Bauer, der damals neben seinem Job als Berufsschullehrer noch in Politik, Geschichte und Philosophie studierte und promovierte, schuf am Tanzsaal als eines seiner ersten künstlerischen Werke die fotografische Inszenierung des Kreuzweges im Fitnessstudio. Während seiner ersten Jahre in Mardorf machte er Bekanntschaft mit Landwirt Erhard Schröder. Mit ihm setzte er seine ersten Landart-Projekte um. Schröder ackerte für Bauer das Zeichen der Unendlichkeit in den Boden.

Es sollte nicht die einzige Idee bleiben, die beide gemeinsam verwirklichten: Da gab es die Hasenjagd an der A 7 bei Malsfeld als Mahnmal der Naturzerstörung und sein berühmtes Kunstwerk „Titanic“. Bauer und Schröder ließen das Schiff als Feldskulptur zum Hessentag 2008 auf einem Mardorfer Feld wieder auferstehen. Zum Lutherjahr dann erschufen sie die Konturen des Lutherkopfes auf einem Feld. Besucher konnten das Kunstwerk nicht nur ansehen, sondern auch darin umher wandeln.

Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer: An die 100 Projekte umgesetzt

An die 100 Projekte hat Bauer von Mardorf aus umgesetzt, ist vom Dorf in die weite Welt gereist. Etwa nach Patagonien, um auf Klimawandel und Schneeschmelze aufmerksam zu machen oder in die libysche Wüste. Die Zerstörung der Natur durch den Menschen und die Vergänglichkeit waren immer wieder Themen des Künstlers. Auch mit seiner eigenen Vergänglichkeit geht er offen um. Sein Projekt: „Ewig on“. Wenn Bauer stirbt, soll es die Möglichkeit geben, sich an seinem Grab mittels QR-Code einzuloggen, um virtuell über seinen Tod hinaus Kontakt mit ihm aufzunehmen.

„Momentan lege ich einen Chatbot mit einer Wiener Firma dazu an“, berichtet Bauer. Grundlage dafür: Sein Tagebuch, das er seit 1957 führt und derzeit in verkürzter Form digitalisiert wird. Es sei ein Rückblick auf sein Leben. „Das wird mein digitales Vermächtnis“, sagt Bauer, der sogar unter die Schauspieler ging: Kürzlich wurde ein Dokumentarfilm zum Thema Unsterblichkeit und seinem Buch „Großvater will ewig leben“ gedreht. Studenten aus München waren eigens dazu nach Homberg gereist.

Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer: Vermieter kündigte Vertrag

Der heute 78-jährige hätte gerne noch seinen 80. Geburtstag mit einer Tangoparty im Tanzsaal gefeiert – sagt er. Ganz wie zu seinem 70. auch. Doch der Vermieter kam ihm zuvor, möchte den Saal zu Wohnungen umbauen, kündigte den Vertrag.

Noch steht der riesige Saal voller Kunstgegenstände, die Bauer in den vergangenen Jahren erschaffen hat. Sein liebster ist der Zentaur, sagt Bauer. Professor Ewald Rumpf hat den Pferdemenschen bildhauerisch umgesetzt. Die Figur ist so klein, dass Bauer sie mitnehmen kann.

Anderes aber nicht: so wie das Goldene Kalb, das als meterhohe Figur den Raum bestimmt. Sie steht für das Wort Geld. „Ich habe es in der Zeit der CDU-Spendenaffäre geschaffen.“ Sich vom Atelier und von vielen dieser Dingen zu trennen, sei kein einfacher Schritt. Nun aber beginne eine Zeit des Loslassens und der Neuorientierung.

Kontakt: Bei Interesse an Kunstwerken: Tel. 0152/01678666. bauer-landart.de

Von Christine Thiery

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.