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Homberger Rektor kritisiert Hauruck-Verfahren bei Hallenbelegung

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Von: Claudia Brandau, Chantal Müller, Christina Zapf

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Viele Schulsporthallen sind zurzeit in Unterkünfte für Geflüchtete verwandelt: Der Schulsport leidet, klagt Schulleiter Dieter Goldmann.
Viele Schulsporthallen sind zurzeit in Unterkünfte für Geflüchtete verwandelt: Der Schulsport leidet, klagt Schulleiter Dieter Goldmann. © EKS

Der Landkreis hat Sporthallen in Unterkünfte für aus der Ukraine geflüchtete Menschen umgewandelt. Der Schulleiter der Erich-Kästner-Schule in Homberg, kritisiert das Vorgehen dabei.

Schwalm-Eder – Der Krieg in der Ukraine stellt die Menschen vor Herausforderungen: Hilfstransporte, Kleiderspenden und nicht zuletzt Unterkünfte für Geflüchtete werden gebraucht. Genau die hat der Schwalm-Eder-Kreis in einigen Sporthallen eingerichtet. Für Schüler bedeutet das: Auch nach zwei Jahren Corona-Pandemie ist kein sorgloser, normaler Sportunterricht möglich. Dieter Goldmann, Schulleiter der Erich-Kästner-Schule in Homberg, kritisiert deshalb das Vorgehen des Landkreises.

„Ich halte es für absolut wichtig, Kriegsflüchtlingen eine Unterkunft und Perspektive zu bieten“, sagt Goldmann. Doch frage er sich zeitgleich, ob es wirklich „unsere Sporthallen“ sein müssten. Nicht nur Vereine würden so in ihren Möglichkeiten eingeschränkt, sondern auch die zahlreichen Schüler, für die der Sportunterricht enorm wichtig sei – auch und gerade nachdem der nach zwei Jahren Pandemie endlich wieder angelaufen sei.

Sportunterricht kann nicht mehr in vollem Umfang stattfinden

Die Erich-Kästner-Schule (EKS) könne zwar noch ihre kleine Sporthalle nutzen. Die sei jedoch lange nicht ausreichend, bemängelt der Schulleiter. „Wir können nicht den kompletten Sportunterricht abbilden.“ Für die Kinder und Jugendlichen der Haupt- und Realschule bedeutet das nun: Sport nur noch alle 14 Tage. Drinnen und draußen. Equipment für die Einheiten draußen sei kaum vorhanden. Zwar gebe es das Angebot der Stadt Homberg, den Kunstrasenplatz zu nutzen. „Aber wir können ja auch nicht nur Fußball spielen“, sagt Goldmann. Hinzukomme die Wetterabhängigkeit.

Auf HNA-Anfrage teilt Stephan Bürger, Pressesprecher des Schwalm-Eder-Kreises mit, dass es keine Alternativen Unterbringungsmöglichkeiten zu den Schulsporthallen gegeben habe. Schon kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine, 24. Februar, sei dem Landkreis vom Land Hessen mitgeteilt worden, dass er kurzfristig mit einer Zuweisung von wöchentlich bis zu 163 ukrainischen Flüchtlingen aus der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Gießen zu rechnen habe (ohne unbegleitete minderjährige Flüchtlinge). „Da galt es schnell zu handeln und zu organisieren.“

Das sind die Hallen

Der Erstaufnahme von Geflüchteten im Kreis dienen folgende Schulsporthallen:
- Antreffhalle Willingshausen: Belegung noch bis 29. April, danach Rückbau
- Großsporthalle Gudensberg (GAZ): voraussichtlich ab dem 3. Mai belegt
- Großsporthalle Neukirchen (Steinwaldschule): aktuell nicht belegt
- Großsporthalle Guxhagen (GS Guxhagen): aktuell nicht belegt, Rückbau wird vorbereitet.

Längerfristige Unterbringungen erfolgen in:
- Fuldatalhalle Malsfeld: Belegung seit 21. April
- Große Stadtsporthalle Felsberg: aktuell nicht belegt.
- Großsporthalle in Homberg an der Erich-Kästner-Schule (EKS): aktuell nicht belegt. Der Rückbau wird vorbereitet.

Fragen und Antworten an den Landkreis:

Hätte es Alternativen zu den Sporthallen gegeben?

„Nein“, sagt Stephan Bürger, Pressesprecher des Schwalm-Eder-Kreises. Neben den vom Land zugewiesenen Geflüchteten seien noch weitere eigenständig eingereist. „Zu Beginn war völlig unklar, welchen Erfolg der Aufruf des Landkreises, privaten Wohnraum für Geflüchtete zur Verfügung zu stellen, haben wird. Inzwischen wissen wir, dass circa 1800 Personen privat untergebracht werden können.“ Entsprechende Angebote lägen vor. Die geeigneten Unterkünfte würden sukzessive belegt.

Andere Immobilien, die sich als Gruppenunterkünfte eignen (auch ehemalige Hotels), standen nicht kurzfristig zur Verfügung. Inzwischen hat die Stadt Homberg laut Bürger unter anderem ein ehemaliges Kasernengebäude hergerichtet, sodass dort bis zu 150 Personen untergebracht werden können.

Was ist mit der Viessmannhalle am Homberger Herzberg?

Gruppenunterkünfte müssten Sanitäranlagen in ausreichender Größe und Anzahl sowie eine Heizungsanlage haben. Das ist bei dieser Industriehalle im Gegensatz zu Sporthallen nicht der Fall.

Bedeutet die Lösung einen Spagat für den Landkreis, da sie zulasten der Schüler geht?

„Ja,“ sagt Bürger. Selbstverständlich habe man die Entscheidung abgewogen, aber habe man sich mangels Alternativen für die Schulsporthallen entschieden. „Dabei war uns bewusst, dass wir nach den Corona-Einschränkungen erneut den Sportunterricht an den Schulstandorten erschweren.“

Aus Sporthallen wurden Unterkünfte für aus der Ukraine Geflüchtete

Ab wann stehen die Hallen wieder für den Schulsport zur Verfügung?

Aufgrund des aktuell geringeren Zustroms von Geflüchteten in den Landkreis und inzwischen vorbereiteten Immobilien wurde entschieden, dass die Großsporthalle der EKS Homberg sowie die Großsporthalle der Gesamtschule Guxhagen und die Antreffhalle in Willingshausen ab nächster Woche zurückgebaut werden. Sie kann man dann wieder für Schul- und Vereinssport nutzen.

Ziel sei es, dass alle Hallen Anfang September wieder für Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen. Der Rückbau solle in den Sommerferien erfolgen. „Ob wir dieses Ziel erreichen, hängt vom Kriegsgeschehen ab“, so Bürger.

Wie stark musste der Schulsport eingeschränkt werden?

Während der Corona-Pandemie hatten die Sportlehrer kreativ alternativen Sportunterricht im Außenbereich angeboten. „Wir gehen davon aus, dass dies auch jetzt der Fall ist“, sagt Bürger, man könne nicht von einer Streichung des Schulsports sprechen.

An einzelnen Standorten stünden auch Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung. So gebe es etwa kleine Sporthallen in Guxhagen, Felsberg und an der EKS sowie Tartangelände in Guxhagen und an der EKS. (Chantal Müller, Claudia Brandau und Christina Zapf)

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