Diskussion in der Homberger EKS: Wie begeistert man Jugendliche für Politik

Themen reichten von der Rente bis zum Cannabis

 Schüler diskutieren in der Homberger EKS über Politik:  Vorne stehen die Politiker und Lehrer, dahinter stehen die Jugendlichen.
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Diskutierten mit Schülern in der Homberger EKS über Politik: von links stellvertretender Schulleiter Ulf-Dieter Fink, Philipp Brämer, FDP Homberg, Lehrer Sascha Kurzrock, Christoph Sippel, Landessprecher der Grünen Jugend Hessen, Jan-Hendrik Schmidt, Juso-Vorsitzender Schwalm-Eder und MdB Armin Schwarz (CDU) aus Bad Arolsen.

Ein bisschen schien es, als hätten sich die Schüler der Homberger Erich-Kästner-Schule (EKS) in der Diskussion mit Politikern aus dem Landkreis die wichtigste Frage bis zum Schluss aufgehoben. Erst nachdem politisch korrekte und gesellschaftlich relevante Themen wie Frauenquote, Rentensicherung, Mobilität auf dem Lande beackert waren, als gar schon die Schlussrunde fürs Podiumsgespräch eingeleitet war – da stand die Frage im Raum, bei der die Schüler sichtlich aufmerkten:„Sollte man Cannabis legalisieren?“

Homberg - Die vier Politiker am Podium, die sich gestern Vormittag Zeit nahmen, um mit den 15- bis 17-jährigen Haupt- und Realschülern zu sprechen, kamen nicht um eine klare Antwort herum. Christoph Sippel, Landessprecher der Grünen Jugend Hessen, Jan-Hendrik Schmidt, Juso-Vorsitzender Schwalm-Eder, Philipp Brämer, Fraktionsvorsitzender der Homberger FDP, waren sich einig: Sie sprachen sich für ein Umdenken und eine kontrollierte Abgabe aus, Armin Schwarz, Bundestagsmitglied der CDU aus Waldeck-Frankenberg dagegen sah nur medizinische Gründe, die den Cannabiskonsum erlauben könnten.

Diskussion soll Demokratie stärken

Es war ein breites Spektrum, dass sich da vom Cannabiskonsum über Mobilität auf dem Lande bis zur Rentensicherung auftat und das die Politiker mit den EKS-Pädagogen Ulf-Dieter Fink und Sascha Kurzrock und den Schülern besprachen. Das Datum war nicht zufällig gewählt: Der 1. Dezember war der 75. Jahrestag des Inkrafttretens der Hessischen Verfassung. „Es ist Generalaufgabe unserer Schule, den Jugendlichen politische Bildung und ein Demokratiebewusstsein zu vermitteln“, sagte Ulf-Dieter Fink. Das sollte auch die Debatte: den Jugendlichen Anreiz geben, sich mit der Politik auseinanderzusetzen, Streitgespräche zu führen, die Welt gestalten zu wollen.

Die Vertreter der vier Fraktionen erzählten von ihren Motivationen: Von der klaren Meinung, die es zu vertreten gelte (Brämer), vom Bedürfnis, sich für Umwelt und Natur einsetzen zu wollen (Sippel), von der Neugier, was „da draußen“ in der Welt geschieht (Schmidt) und vom Wunsch, die Demokratie „beieinander zu halten“ und sie zu verteidigen“ (Schwarz).

Es fehlten Frauen auf der Bühne

Das Podium war ausschließlich mit Männern besetzt – was einer Schülerin sofort auffiel. Ihre Frage: Wo denn all die Frauen in der Politik seien? Man müsse Themen setzen, die Frauen interessierten, so Sippel: Die Grünen schafften es, alle Ämter paritätisch zu besetzen. Man könne Frauen nur zum Mitmachen auffordern, sie seien bei der FDP willkommen – den gleichen Appell gab auch Armin Schwarz für die CDU. „Jetzt sprechen wir Männer darüber, warum die Frauen fehlen“, witzelte Schmidt.

Junge Leute sind willkommen

Er bezog die Schüler mit ein, fragte, was sie mit der SPD verbinde. Die Antwort „Durchsetzung des Mindestlohns“, war definitiv eine, die ihn beglückte. Doch gleich, was die vier Politiker trennte, eines einigte sie: Der dringende Appell, mit zumachen, sich zu engagieren. „Glaubt nicht, dass ihr zu wenig wisst – junge lockere Leute werden überall gesucht und sind willkommen“, so der Tenor.

EKS will politisches Verständnis fördern

Die Homberger Erich-Kästner-Schule (EKS) war eine von 4500 Schulen in der Republik, die im Herbst an den Juniorwahlen teilnahm: Die simulierte die 20. Bundestagswahl, die im September stattgefunden hatte. Zwölf Klassen nahmen am Projekt teil, das das Verständnis für die Demokratie stärken soll und das vom überparteilichen Verein Kumulus getragen und von Bundestag und Ministerien initiiert wurde. Die EKS wollte es aber nicht nur mit einem nüchternen Ergebnis beenden, sondern mit der Podiumsdiskussion beleben (Von Claudia Brandau)

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